Johann Heinrich Merck (1741-1791)
Biographie

von Walter Schübler

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Verlag: Böhlaus Nachfolger
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 35/2001

Er hat Goethes "Götz" verlegt, für den "Werther" nur ein Achselzucken übrig gehabt und gilt vielen als Urbild des Mephistopheles. Johann Heinrich Merck (1741-1791) war ein Meister des scharfzüngigen Witzes und voll schwarzer, bitterer Galle. Falter-Mitarbeiter Walter Schübler hat ihm eine "Biografie" mit literarischen Ansprüchen gewidmet. Gemäß dem "Prinzip Pasticcio" collagiert er Briefstellen und andere Texte Mercks, als Klebstoff dienen kurze erläuternde Überleitungen. In 36 Kapitel(chen) werden einzelne Lebensbereiche Mercks beleuchtet: dessen Rezensionstätigkeit, seine naturhistorischen Interessen, seine Verbindungen nach Weimar.

Diese "Annäherung unter jeweils anderer Perspektive, ein kaleidoskopisches Porträt" ist geschickt arrangiert und liest sich flüssig. Schübler hält sich mit eigenen Deutungen aber arg zurück, alles ist ihm gleich gültig. Mancher Leser wird sich auch aufgrund der äußerst spärlichen Hintergrundinformationen allein gelassen fühlen und kann nur spekulieren, warum sich Merck am Ende eine Kugel durchs Herz jagt.Wen es nach Kontext verlangt, der wird von Marie-Theres Federhofer bedient. "Moi simple amateur" konzentriert sich auf den naturwissenschaftlichen Dilettanten Merck, der Paläontologie betreibt und Mammut- für Elefantenknochen hält. Im 18. Jahrhundert lässt sich aufgrund der noch kaum professionalisierten Naturwissenschaft aber ohnehin nicht sinnvoll zwischen Amateur und Wissenschaftler trennen. Merck spielt auf der Klaviatur verschiedener Genres und Publikationsorte, um jeweils andere Leser zu erreichen: ein breiteres Publikum im Teutschen Merkur oder die sich herausbildende Fachöffentlichkeit. Er wird zu einer Figur des Übergangs - changierend "zwischen literarischer Geselligkeit und wissenschaftlicher Spezialisierungstendenz". Auch das freilich kein Grund, sich umzubringen.

Oliver Hochadel in FALTER 35/2001 vom 31.08.2001 (S. 53)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Moi simple amateur (Marie-Theres Federhofer)

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