Erinnerung eines Mädchens
Ungekürzte Lesung mit Maren Kroymann (4 CDs)

von Annie Ernaux

€ 22,50
Lieferung in 2-7 Werktagen

Übersetzung: Sonja Finck
Gelesen von: Maren Kroymann
Verlag: Der Audio Verlag
Format: Audio CD
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 262 Minuten
Erscheinungsdatum: 26.10.2018

Rezension aus FALTER 48/2018

Der Chefbetreuer und die junge Assistentin

Im Prinzip gibt es nur zwei Arten von Literatur, die erzählende und die suchende“, schreibt die französische Autorin Annie Ernaux. Sie selbst bevorzugt in ihrem Schreiben definitiv den Gestus der Suche. Ihr 2008 publizierter autobiografischer Essay „Die Jahre“ wurde bei Suhrkamp im Vorjahr spät, aber doch für den deutschen Sprachraum entdeckt. Jetzt legt man mit der 2016 geschriebenen „Erinnerung eines Mädchens“ ein weiteres schmales, doch umso gewichtigeres Buch nach.

Ein Sommer im „Erholungsheim“ in den späten 1950ern: Der Chefbetreuer, der nach dem Motto „Ich bin halt gut bestückt“ lebt, nimmt eine seiner jungen Assistentinnen – Annie Duchesne ist 18 Jahre alt – mit auf sein Zimmer. Über das, was dann passiert, heißt es: „Sie unterwirft sich nicht ihm, sondern einem universellen Gesetz, dem Gesetz der wilden Männlichkeit, dem sie früher oder später begegnen musste. Und wenn dieses Gesetz brutal und dreckig ist, dann ist das eben so.“

Es folgt völlige Ignoranz durch den „Liebhaber“ in den Tagen danach. Annie gerät aus der Spur, reagiert mit Essstörungen und Auflehnung gegen ihr kleinbürgerliches Elternhaus. Das klingt wie eine von vielen, immer gleichen fürchterlichen Geschichten. Aber was man mit Annie Ernaux suchend nachvollzieht: Die Geschichten sind nicht immer gleich. Es gilt, spezifische Details wie Herkunft, Klasse, Glücksvorstellungen auszuloten, um zu verstehen, was das war und ist: Frauen und Männer, gestern, heute, morgen.

„Ich konstruiere keine Romanfigur. Ich dekonstruiere das Mädchen, das ich gewesen bin.“ Wie einst Marcel Proust zeigt Annie Ernaux, dass Erinnerung nicht zuletzt konkurrierende Zeitmaße verdeutlicht, wenn sie „eine historische Scham“ in Worte fasst, „aus einer Zeit vor dem Slogan ,Mein Körper gehört mir‘, zehn Jahre später. Zehn Jahre, in den Augen der Geschichte eine kurze Zeit, aber sehr lang für ein junges Leben, Tausende von Stunden und Tagen, in denen die Bedeutung der Dinge, die Bedeutung dessen, was man erlebt hat, sich nicht verändert und man sich weiter schämt.“ Kurz: super Buch.

Claus Philipp in FALTER 48/2018 vom 30.11.2018 (S. 34)


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