Republik der Courage
Wider die Verhaiderung

von Robert Misik, Doron Rabinovici

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Aufbau
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 1-2/2000

Politisches Buch: Die Mitglieder der "Demokratischen Offensive", jener Plattform, die am 12.November zum Aufmarsch gegen die "Verhaiderung des Landes" aufrief, haben nun eine Essaysammlung publiziert.

Ihre nächsten Aktionen kommen bestimmt, versichern sie. Wie diese aussehen werden, hänge allerdings davon ab, was die kommenden Wochen bringen werden: "Bei Schwarz-Blau werden wir natürlich etwas anderes einfädeln müssen als bei Rot-Schwarz", gibt sich Schriftsteller Doron Rabinovici kämpferisch.
70.000 Menschen haben die Initiatoren der "Demokratischen Offensive" vor zwei Monaten auf den Stephansplatz gebracht. Ihr Ziel, mit der Demo "Keine Koalition mit dem Rassismus" die Wahlkampf-Schlusskundgebung der FPÖ alt aussehen zu lassen, haben sie damit erreicht. Vor wenigen Tagen ist nun das Buch zur Demo erschienen. In einer publizistischen Schnellaktion haben die Mitglieder der Plattform Essays von Proponenten wie Unterstützern der Kundgebung gesammelt und in Buchform gebracht. Das Ergebnis - "Republik der Courage" - wird Ende Jänner mit dem Bruno-Kreisky-Förderungspreis prämiert. Während im Vorwort stolz "der Aufbruch der österreichischen Zivilgesellschaft" proklamiert wird, gehen die Beiträge im Innern des Buches durchaus zurückgelehnt der Frage nach, welche Perspektiven und Möglichkeiten sich für die Politik durch erfolgreiche Kundgebungen wie die vom 12. November ergeben könnten. Von einem "symbolischen Etappensieg" schreibt etwa Falter-Chefredakteur Armin Thurnher, zu künftig mehr "Courage wider das Ressentiment", ruft Rabinovici auf.

Neben allerlei Altbekanntem wie Analysen über das Phänomen Jörg Haider oder den Austrofaschismus finden sich in der Publikation auch neue sozial- und politikwissenschaftliche Ansätze, die das Wahlergebnis vom 3. Oktober und die massiven Zugewinne der FPÖ interpretieren: Was sind die Erfolgsrezepte von Jörg Haider, dem Schweizer Christoph Blocher und deren bayrischem Pendant Edmund Stoiber? Ist Nationalpopulismus eine alpine Besonderheit oder ein gesamteuropäisches Problem? - Diesen Fragen widmet sich der Politikwissenschaftler Claus Leggewie. Rudolf Scholten ("Politik glaubhaft machen") und Ferdinand Lacina ("Rassismus rechts liegen lassen") versuchen wiederum politisch Verantwortlichen "Wege aus der Krise" aufzuzeigen. Der ehemalige SP-Finanzminister geht dabei auch mit der Partei hart ins Gericht. Lacina über die Wahlverluste der SPÖ und deren Ausländerpolitik: "Was die Sozialdemokratie betrifft, ist dies nicht zuletzt eine Folge der Politik, die wohlerworbene Rechte und Systeme einzementiert."

Nina Weissensteiner in FALTER 1-2/2000 vom 14.01.2000 (S. 14)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb