Die Schlacht im Teutoburger Wald

von Peter S. Wells, Lutz Walther

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Verlag: Artemis & Winkler
Erscheinungsdatum: 01.01.2005

Rezension aus FALTER 42/2005

Römer, Cherusker, Muisca & Co

Ein Bote: ,Man schickt mich her, mein Feldherr, dir zu melden, dass Hermann, der Cheruskerfürst, im Teutoburger Wald soeben eingetroffen.' Varus: ,Was sagst du?'", lässt Kleist im fünften Akt der "Hermannsschlacht" die Römer rätseln. Sehr richtig hat der deutsche Dichter das erkannt: P(ublius) Quinctilius Varus wusste gar nichts. Der Rest des Stückes ist allerdings frei erfunden. Auf die harten Fakten des archäologischen Befundes stützt sich hingegen Peter S. Wells in seiner Darstellung der "Schlacht im Teutoburger Wald".
Nachdem sich sogar die "Sendung mit der Maus" im Juni 2005 des Themas angenommen hatte (mit rund 17.000 Playmobilmännchen wurde das Blutbad nachgestellt), wurde es Zeit für ein richtiges Sachbuch. Ohne in Fachlatein zu verfallen, gelingt es dem Anthropologen aus Minnesota nicht nur den wahrscheinlichen Verlauf des Gemetzels – dies allerdings in blutrünstiger Sprache –, sondern auch das historische Umfeld nachzuzeichnen.
Der Leser erfährt, wie aus archäologischer Sicht die Krieger beider Seiten lebten, kämpften und starben, außerdem so manches über die große Politik der Römer und ihrer Gegner östlich des Rheins und nebenbei, wie materielle Altertümer in den Boden gelangen und dann wissenschaftlich planmäßig Jahrhunderte später geborgen werden. Über einige Ungenauigkeiten in der Biografie des Augustus und der römischen Ämterlaufbahn sieht man dabei gerne hinweg (Wells ist ja kein Historiker), und auch die sehr schlicht gehaltenen Kartenskizzen stören nicht wirklich.

Wer von der Auslöschung dreier Legionen noch nicht genug hat, dem sei das "Lexikon der untergegangenen Völker" von Harald Haarmann ans Herz gelegt. Zwar werden ausgerechnet die Cherusker nicht erwähnt, aber dafür lernt man, dass Römer als "ein Volk im ethnischen Sinne nie existiert" haben. Übergeordnete Einträge zu fünf Kontinenten geben eine kurze Zusammenfassung der Menschheitsentwicklung, unter den Volksnamen erschließen sich Siedlungsraum, Ökonomie, Geschichte, Kultur(en) und selbstverständlich ihr Untergang sowie meist die neueste Literatur zu weiterer Vertiefung. Und wer wollte nicht schon immer etwas über die Draviden Indiens oder die Muisca (auch: Chibcha) Kolumbiens erfahren? Über die Atlanter freilich, Prototypen aller Untergeher, informiert nach wie vor Plato am besten.

Martin Lhotzky in FALTER 42/2005 vom 21.10.2005 (S. 50)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Lexikon der untergegangenen Völker (Harald Haarmann)

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