Weitergegeben. Erinnerungen

von Heinrich Klotz

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Verlag: DuMont
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 32/2001

Gute Architekten werden in der Regel berühmt, wenn sie ihre Qualitäten wortreich vermitteln können. Daher werden professionelle Architekturvermittler manchmal populärer als die Baukünstler, über die sie schrieben. Umso erstaunlicher ist es, dass der deutsche Kunsthistoriker Heinrich Klotz in seinen Memoiren "Weitergegeben" einen etwas wehleidigen Ton anschlägt, der an einen Architekturvisionär erinnert, dem nie eine Baugenehmigung erteilt wurde. Als Herausgeber des Interviewbandes "Architektur im Widerspruch" (1973) und Veranstalter des Symposiums "Das Pathos des Funktionalismus" (Berlin, 1974) wurde Klotz zum Apologeten der Postmoderne in Europa. Ein Jammer, dass sein Kollege Charles Jencks den Begriff Postmoderne für sich verbuchen konnte: Klotz' Begriff des Postfunktionalismus war wohl zu holprig.Wortgewaltig ließ dagegen der deutsch-amerikanische Architekt Konrad Wachsmann während eines DDR-Besuchs 1979 sein Leben Revue passieren. Während der fünftägigen Reise schnitt der Journalist Michael Grüning auf Tonband mit und publizierte die Abschrift 1986 im Löcker Verlag. Grüning vollführte einen redaktionellen Kraftakt, um die DDR-Kritik Wachsmanns an den Stasi-Organen vorbeizuschmuggeln. Diese DDR-Perspektive gibt der Neuausgabe unter dem Titel "Der Wachsmann-Report" eine zusätzliche literarische Qualität. In erster Linie ist es aber sicher eine der spannendsten Selbstauskünfte eines Protagonisten der Moderne, der trotz ausgiebigen Alkoholkonsums die Ohren immer offen hielt, wenn Else Lasker-Schüler in Berlin, Heinrich "Heini" Mann als Emigrant in Paris oder Le Corbusier als Verharmloser des Nazi-Regimes aus der Schule plauderten.

Matthias Dusini in FALTER 32/2001 vom 10.08.2001 (S. 54)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Der Wachsmann-Report

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