Der Sinn des Kampfes

von Michel Houellebecq, Hinrich Schmidt-Henkel

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: DuMont
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 31/2001

Es soll ja Zeiten gegeben haben, da artikulierten junge Leute ihre Begeisterung über einen Gedichtband, indem sie sich von der Brücke stürzten. Ödnis, Kummer und Weltschmerz, oje! Wäre Fun nicht das Motto dieser Tage, besorgte Soziologen müssten die Eltern mit Warnungen vor Michel Houellebecq und dessen Gedichtband "Der Sinn des Kampfes" aufrütteln. "Jetzt ist mir alles egal", so lautet die Essenz seiner der Schönheit der Depression gewidmeten Lyrik, die dem Alltag gar keinen Reiz abgewinnen will: "Die Tage des Lebens sind wie / Abgestandene Limonade". Besorgte Soziologen müssten eine Interessengemeinschaft gründen. Zum Schutz der Jungleser. Und um des Dichters willen, denn die Regressforderungen trauernder Eltern könnten Houellebecq - "Blutbad / Komm zu mir her" - finanziell ruinieren. Trotz immenser Einnahmen aufgrund depressiver Romanbestseller.Die erste umfassende lesbisch-schwule Kulturgeschichte Österreichs ist anlässlich von Europride 2001 in Wien erschienen.

Wolfgang Förster, Tobias Natter und Ines Rieder haben eine Kulturgeschichte anderer Art zusammengestellt und damit endlich Licht auf verdrängte Kapitel der österreichischen Geschichte geworfen. Der thematische Bogen des Buches "Der andere Blick" reicht von der katholischen Doppelmoral des Habsburgerreiches bis zu aktuellen Bestrebungen lesbischer und schwuler Paare um rechtliche Gleichstellung. Dabei wird strafrechtliche Verfolgung von Lesben und Schwulen in Österreich ebenso thematisiert wie das Leben gleichgeschlechtlich liebender Frauen und Männer durch die Jahrhunderte.

Es dürfte kein Geheimnis sein, dass es gerade im Hause Habsburg immer wieder homosexuelle Tendenzen gab. Isabella von Parma etwa, die erste Gemahlin von Joseph II., war - so die Geschichtsschreibung - in dessen Schwester Erzherzogin Marie Christine verliebt, und diese Freundschaft ging so weit, dass sie diese ihrer Ehe vorzog. Kaiserin Elisabeths Sammlung der schönsten Frauen umfasste 2500 Abbildungen. Auch ihre romantischen Schwärmereien Frauen gegenüber sind hinlänglich bekannt. Der Erbauer des Landsitzes Miramar auf Mallorca, Erzherzog Ludwig Salvator, blieb sein Leben lang unverheiratet und pflegte Beziehungen zu Männern. Erzherzog Ludwig, genannt "Luziwuzi", der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, wurde wegen seiner homosexuellen Neigungen vom Kaiser höchstpersönlich auf Schloss Kleßheim verbannt. Dort entwickelte er sich zu einem Förderer der schönen Künste, spielte gerne Theater, wobei er zumeist die Frauenrollen übernahm.

Doch nicht nur Bühnenstars, sondern auch bürgerliche Frauen waren der lesbischen Lebensart in den Zwanzigerjahren nicht unbedingt abgeneigt. Hedy Pfundmayr gehörte zu den Tänzerinnen der Wiener Staatsoper, die 1928 ihre eigene Tanzschule eröffnete, welche ab 1950 als Mannequinschule geführt wurde. Ihr Privatleben, das sie nur allzu gerne mit Frauen teilte, wurde jedoch verheimlicht. Ines Rieder, die Mitherausgeberin von "Der andere Blick", dazu: "In diesem Land, das sich gern als Weltbühne sieht, wird alles gespielt. Nur wenn es um den öffentlichen Umgang mit erotischen und sexuellen Neigungen geht, will sich fast niemand bekennen, und lange bevor die Lichter ausgehen, sind schon alle von der Bühne abgetreten."

Erhältlich in der Buchhandlung Löwenherz (9., Bergg. 8, Tel. 317 29 82) oder in der Buchhandlung Frauenzimmer (7., Zieglerg. 28, Tel. 522 48 92).

Elisabeth Maria Klocker in FALTER 31/2001 vom 03.08.2001 (S. 54)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Der andere Blick (Wolfgang Förster, Tobias G. Natter, Ines Rieder)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb