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Verlag: DuMont
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 48/2001

Männer sind das schwache Geschlecht; deshalb lassen sie die Muskeln spielen. Siegfried, der sich seine Muskulatur zusätzlich durch Drachenblut härten ließ, muss einer der Schwächsten gewesen sein. Und Philipp, der Held des Romans "Ego", ist ein Monster an Schwäche. Er hat sein Ich in das Muskelrief seines Körpers ausgelagert, das er vom Aufwachen bis zum Einschlafen trainiert. Dahinter sitzt nichts als ein großer Klumpen Angst. Sein Körpernarzissmus blockiert sein Sozialleben, die Fähigkeit zu lieben ebenso wie die, den Alltag überhaupt noch wahrzunehmen. Erstaunlich, dass er überhaupt noch berufsfähig und immerhin so liebenswert ist, dass eine Vertreterin des starken Geschlechts sogar ein Kind von ihm will. Gelegentlich macht Philipp Liebeserklärungen oder möchte Menschen retten, aber das ist nur ein Schwächeanfall.

John von Düffel ist 35 und wurde beim Bachmann-Wettbewerb 1998 für ein Kapitel aus seinem Romandebüt "Vom Wasser" mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet. "Ego", sein dritter Roman, ist hervorragend erzählt und verhandelt einen eher exemplarischen denn realistischen Fall. Den pharmazeutisch-physiologischen Fachjargon der Fitnesscenter beherrscht von Düffel mit einer Genauigkeit, die den Umschlag in die Satire zur Folge hat.

Am Schluss fährt der Autor mit dem Leser Schlitten: Philipp macht Karriere, indem er seine soziale Impotenz in berufliche Potenz transformiert. Und aus der Charakterstudie wird ein bodenloser, sarkastischer Gesellschaftsroman. Wobei Philips katastrophaler Charakter auch soziologisch eindrucksvoller ist als die ausagierte Soziologie seines finalen Aufstiegs.

Helmut Gollner in FALTER 48/2001 vom 30.11.2001 (S. 69)


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