Das elfte Gebot

von Jeffrey Archer

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Verlag: Lübbe
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 16/2000

Der Titel "Mittsommermord" kommt daher, dass das Mittsommerfest zum Todesmoment für drei Jugendliche wird. Kommissar Kurt Wallander recherchiert mit der üblichen Hartnäckigkeit, obwohl er sich selber beschissen fühlt. Die Wehwehchen der Vergangenheit haben sich zu veritablen Anfällen ausgewachsen: Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Fieberschübe und Übelkeit. Wallander ist nämlich zuckerkrank. Er "hatte oft das Gefühl, es sei bereits alles zu spät. Obwohl er noch keine fünfzig war, stellte er sich in seinen düsteren Stunden vor, er befinde sich in der Nachspielzeit. Jeden Augenblick konnte der Abpfiff ertönen."
Kein Wunder, dass Wallander fürchtet, den Ermittlungen nicht mehr gewachsen zu sein. Tief trifft ihn der gewaltsame Tod seines geschätzten Kollegen Svedberg. Aber er ist dem Bösen gewachsen, und wie. Die große Kunst Mankells bestehe ja nicht nur darin, dass er ungeheuer plastische Figuren zu zeichnen vermag, sagt die Nachbarin, sondern vor allem auch in der überaus präzisen Beschreibung der Arbeit einer Mordkommission. Die vielen Irrwege machen den Weltlauf mit der Zeit rasend spannend. Wir jedenfalls sind uns einig wie selten sonst. Fünf Dolche für Henning Mankell Superstar.New York Detective Charles "Bird" Parker hat die falsche Nacht gewählt, um sich in seiner Lieblingsbar zu betrinken; zu Hause bringt währenddessen nämlich ein Wahnsinniger Birds Frau und seine kleine Tochter um und arrangiert die Leichen zu einer makabren Pieta - und mordet gnadenlos weiter. Bird findet sich im Zentrum eines Albtraums wieder. Das Buch, sage ich, wirkt stellenweise wie ein böser Kommentar zur "Körperwelten"-Ausstellung, welche Wien letztes Jahr zu genießen wusste.In dem Roman "Das Testament" geht es um den uralten und milliardenschweren Troy Phelan, der sich zum Lebensabschluss aus dem 13. Stockwerk seines Bürokomplexes stürzt. Es geht um Troy Phelans Vermögen, auf das die gierige Erbengemeinschaft Anspruch stellt. Und es geht um den ehemaligen Staranwalt Nate O'Riley, der allerdings schon seit einiger Zeit zum Säufer verkommen ist. Troy Phelan hat nämlich alle im Regen stehen lassen und eine illegitime Tochter als Universalerbin eingesetzt. Diese soll sich als Missionarin irgendwo im brasilianischen Regenwald aufhalten. Ihr genauer Aufenthaltsort ist dummerweise unbekannt. Und Nate O'Riley muss sie finden.Zwar ist Jeffrey Archer, das Arbeiterkind, das es bis ins britische Oberhaus schaffte, ein ganz haltloser und unglaublich eitler Erzähler, und natürlich verkehren seine Figuren am liebsten dort, wo die Geschicke der Welt entschieden werden. Aber irgendwie gelingt es Archer trotzdem, echte Spannung zu erzeugen und erfolgreich um Sympathie für seinen um die Welt reisenden Superagenten Connor Fitzgerald zu werben. Fitzgerald ist nämlich auf der Flucht. Er ist auf der Flucht vor seinen eigenen Arbeitgebern, die ihn auf eher unfeine Art ausmustern wollen.Das Gute vorweg: Autor Erich Follath, der für den Stern gearbeitet hat und heute für den Spiegel schreibt, hat sich im Laufe seines Berufslebens ein ungeheures Wissen angeeignet. Das ist auch sein Problem. Der Politthriller, der mit einem Mord während der Passionsspiele in Oberammergau beginnt und über jüdische Gemeinden in Brooklyn und die Zentrale des Mossad in Tel Aviv bis zu den Rechtsradikalen in Berlin führt, ist bis zur Geschwätzigkeit überladen. Dazu kommt, dass der Leser endlose Reflexionen des Protagonisten Richard Renberg zu ertragen hat, der natürlich Journalist ist und natürlich den Niedergang des Journalismus zu beklagen weiß. Wir geben, frühlingshaften Langmut im Sinn, trotzdem fast drei Dolche her.Helen Zahavi hat mit Donna und der Fettsack ein sprachlich virtuoses Meisterwerk geschaffen, in dem zwei ungleiche Gegner einander bekämpfen, sich ineinander verbeißen. Der Täter heißt Henry, das Opfer Donna. Henry, der Kredithai, ist nicht nur alt - jedenfalls für jemanden wie Donna -, sondern auch massig, ein Berg rosaglänzenden Fleisches; ein mieser, fieser Typ, der die ungeheuerlichsten Brutalitäten mit dem Ausdruck schafsfreundlicher Nettigkeit begeht. Er hat zwei durchtrainierte Psychopathen auf der Lohnliste und ist gewohnt, dass er erhält, was er will. Donna hingegen ist nur ein Mädchen von der Straße, ein Nichts.

Christoph Braendle in FALTER 16/2000 vom 21.04.2000 (S. 61)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Donna und der Fettsack (Helen Zahavi, Anke C. Burger)
Das Testament (John Grisham, K. Schatzhauser)
Das schwarze Herz (John Connolly, Jochen Schwarzer)
Mittsommermord (Henning Mankell, Wolfgang Butt)
Wer erschoss Jesus Christus? (Erich Follath)

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