Thabo. Detektiv & Gentleman 2. Die Krokodil-Spur

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Der zweite spannende Fall für Kirsten Boies liebenswerten Detektiv und Gentleman Thabo: Die kleine Delighty ist spurlos verschwunden. Ist sie etwa den Krokodilen zum Opfer gefallen? Thabo und seine Freunde stehen vor einem großen Rätsel. Zudem stellt sich bald heraus, dass noch drei weitere Kinder vermisst werden. Ob Thabo den Fall lösen kann? Thabos erster Fall ist Preisträger des Leipziger Lesekompass.

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FALTER-Rezension

Krimi mit Kroko

In ihrer kniffligen Krimiserie nimmt Kirsten Boie ihre Leser mit ins südliche Afrika – zu Kindern, die allein die Familie schupfen

Thabo Sonnyboy Shongwe hatte noch Glück. Anders als die meisten anderen Kinder im kleinen Swasiland, deren Eltern an Aids gestorben sind, ist er nicht auf sich allein gestellt. Sein Onkel hat ihn aufgenommen und der ist immerhin Ranger im Naturreservat Lion Park. Hierher kommen die reichen Leute, um Löwen und Elefanten und Meerkatzen zu fotografieren. Und „manchmal, wenn nirgendwo ein Tier zu sehen ist, fotografieren sie auch eins von uns Kindern“.
Mit Miss Agatha, der Tante seiner besten (weißen) Freundin Emma, schaut Thabo Miss-Marple-Krimis. Und so ist klar, dass er später nicht nur ein Gentleman, sondern auch Detektiv werden will. Als Delighty, die Schwester von Thabos bestem Freund, verschwindet, ist er natürlich voll in seinem Element. Sollte sie einem Krokodil zu nahe gekommen sein? Oder wurde sie gar entführt, wie so viele Kinder im Königreich Swasiland, wo ein elternloses Kind so schnell nicht vermisst wird?

Kirsten Boie (66), vielfach ausgezeichnete Autorin aus Hamburg, wurde vor allem mit ihren „Geschichten aus dem Möwenweg“ und dem „Kleinen Ritter Trenk“ berühmt. Mit „Die Krokodil-Spur“ können sich Leserinnen und Leser ab zehn nun in den zweiten Band der Krimiserie um Thabo, er ist „im allerbesten Alter für einen Jungen“, stürzen. Was die Kinder darin erleben, ist nichts für Schmalspurkriminalisten: Es wird richtig gefährlich. Nebenbei bringt Boie westlichen Kindern die Welt von Kindern im Süden Afrikas näher.
Im ersten Band, dem „Nashorn-Fall“, ging es um die massenhafte Ermordung besagter Tiere um ihrer begehrten Hörner willen. Das Buch wurde mit dem „Leipziger Lesekompass“ ausgezeichnet.
Im zweiten Band erfährt man: „Krokodile sind heimtückische Geschöpfe. Sie haben nur ein sehr kleines Gehirn, man kann sagen: fast gar keins. Darum denken sie auch nicht lange nach, bevor sie angreifen, das ist genau wie bei Menschen mit einem kleinen Gehirn.“
Mehr als um Krokodile aber geht es nun um die soziale Lage. Vor einem Jahrzehnt stolperte die vielseitige Kirsten Boie, die sich immer wieder auf neue Themen stürzt, über einen Bericht, wonach Swasiland das Land mit der höchsten HIV-Infektionsrate der Welt ist. Am 16. Geburtstag hat fast jedes zweite Kind (43 Prozent) keine Eltern mehr. Seither besucht die Autorin jedes Jahr das kleine Königreich und unterstützt über ihre „Möwenweg-Stiftung“ ein Aidswaisenprojekt, das rund 4000 Kinder betreut. Sie traf Mütter, die „Memory-Books“ erstellen, Tagebücher, die die Frauen über die ersten Jahre ihrer Kinder schreiben, damit sie nach ihrem voraussichtlich frühen Tod wenigstens ein paar Erinnerungen hinterlassen können. Regelmäßig besucht Boie elternlose Familien, in denen die älteren Kinder allein alles schupfen, immer wieder fragt sie sich: „Wie schaffen diese Kinder das?“

All das wird in den Krimis im Vorbeigehen erzählt, ja mit Stoizismus und Humor, so, wie Boie auch die Kinder im echten Swasiland erlebt. Die Leser erfahren, dass es weder selbstverständlich ist, einen Fußball zu haben, noch genug zu essen und sauberes Wasser. Dass es bei Thabos Freund Sifiso meist drunter und drüber geht, weil er sich allein um die drei jüngeren Geschwister kümmern muss. Wobei: Schwester Delighty „kocht jeden Tag den Maisbrei (natürlich nur, wenn Maismehl da ist) und kümmert sich darum, dass Pilot und Lemonade sich die Ohren waschen. (Natürlich nur, wenn Wasser da ist.)“. Über Sifisos Lehmhütte breitet Thabo lieber den Mantel des Schweigens. Na ja, fast, er verrät dann doch, dass das Grasdach voller Löcher ist und Sifiso bloß zerlumpte Kleider darüber gebreitet hat.
Band drei der Serie, „Der Rinderdieb“, soll noch in diesem Jahr erscheinen. Dazwischen aber hat Boie sich einen Herzenswunsch erfüllt, wie sie dem Radiosender Bayern 2 erzählte: Da es in Swasiland kein einziges Kinderbuch in der Landessprache gibt, stellte sie zwei Bilderbücher mit afrikanischen Geschichten auf Siswati zusammen. „Und auf diese beiden Bücher“, sagt sie, „bin ich viel stolzer als auf jedes Buch, das ich selbst geschrieben habe.“

Gerlinde Pölsler in Falter 9/2017 vom 03.03.2017 (S. 39)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ReiheThabo. Detektiv und Gentleman
ISBN 9783789103957
Erscheinungsdatum 22.08.2016
Umfang 288 Seiten
Genre Kinder- und Jugendbücher/Kinderbücher bis 11 Jahre
Format Hardcover
Verlag Verlag Friedrich Oetinger GmbH
Empf. Lesealter ab 10 Jahre
Illustrationen Maja Bohn
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