Der Mann in der Uhr
Oder warum im Herbst die Zeit verstellt wird

von Vratislav Maňák

€ 16,50
Lieferung in 2-7 Werktagen

Illustrationen: Igor Kuprin
Übersetzung: Lena Dorn
Empf. Lesealter: ab 5 Jahre
Verlag: Karl Rauch Verlag GmbH & Co. KG
Format: Hardcover
Genre: Kinder- und Jugendbücher/Bilderbücher
Umfang: 96 Seiten
Erscheinungsdatum: 20.02.2018


Rezension aus FALTER 14/2018

Eine Feier des Übermuts

Es ist wirklich kein schlechtes Leben, das die achtjährige Lenka führt. Zwar lassen die Erfindungen ihres Vaters, eines „Innovators“, auf ihren Durchbruch warten. Doch weil der seinen „Bettomaten“ den Eisenbahngesellschaften andrehen will, tingelt Lenkas Familie mit dem Zug von Bahnhof zu Bahnhof, quer durch Europa. Das Mädchen entzieht sich gern der Aufsicht, indem es herumstromert und schlafwandelt. Dabei hat Lenka wirklich außergewöhnliche Eltern: Als sie von der Decke des Bahnhofsgebäudes fällt, nachdem sie entdeckt hat, dass sich in der großen Uhr statt eines Zeigers ein Mann bewegt, geht ihr Fallschirmrock auf. Statt zu schimpfen, verkauft ihr Vater an Ort und Stelle vier der von ihm erfundenen Röcke und küsst Lenka auf die Stirn: „Du mein kleines Reklämchen.“
„Der Mann in der Uhr“ spielt in Böhmen gegen Ende der Habsburgermonarchie. Neben Dampflokomotiven übernimmt auch eine Telefonzelle eine tragende Rolle (leider ist sie etwas bösartig, seit die Beziehung zu einer Bahnhofstaube unerquicklich endete). Das Buch ist mehrfach außergewöhnlich: Autor Vratislav Maňák, Jahrgang 1988, ein Journalist, stammt aus Westböhmen; er ist bereits Träger des renommierten Jiří-Orten-Preises. Gut, dass das tschechische Kulturministerium die Übersetzung des Buchs gefördert hat; Kinderliteratur aus Mittel- und Osteuropa ist auf Deutsch nicht häufig vertreten. Und: Das Buch ist eine Feier der Fantasie und des Übermuts. Dazu trägt auch der Illustrator Igor Kuprin bei, der für Zeitschriften wie Stern und Der Spiegel zeichnet.
Witz und kraftvolle Sprache prägen die Geschichte: „Die gelbgraue Haut spannte über den Wangenknochen und staute sich dann an der faltigen Stirn wieder auf.“ Auch wenn sie ihre Eltern sehr okay findet, kann Lenka es gar nicht ausstehen, wenn diese ihr gegenüber Wörter verniedlichen, „Bänkchen“ sagen und sie „Lenuschka“ heißen. „Sie selbst sah deshalb im Park niemals Rotkehlchen. Für Lenka waren das Rotkehlen. Zu Weihnachten wünschte sie sich einen Plüschkanin. Am Abend wollte sie von den Eltern die Mär von Schneewitte vorgelesen bekommen.“ Und Mama und Papa sind einfach Mam und Pap.
Am Ende erfahren wir endlich, warum im Herbst die Zeit verstellt wird. Und wie es Lenka gelingt, den Mann in der Uhr nicht nur vor dessen Widersacher zu retten – sondern auch vor dessen Schatten.

Gerlinde Pölsler in FALTER 14/2018 vom 06.04.2018 (S. 43)


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