Trotzdem
Die Oscar Bronner Story

von Eva Weissenberger, Klaus Stimeder

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Ueberreuter
Erscheinungsdatum: 13.10.2008

Rezension aus FALTER 42/2008

Standard war ihm nicht gut genug

Jedes Land hat die Zeitungen, die es verdient. Oscar Bronner fand sich mit diesem Gesetz nicht ab. Deshalb gründete er trend, profil und den Standard. Weil Bronner und sein Standard heuer einen runden Geburtstag feiern – der Verleger wurde 65, sein "lachsrosa Blatt" wird 20 Jahre alt –, haben die Journalisten Eva Weissenberger und Klaus Stimeder endlich Bronners Lebensgeschichte aufgeschrieben.
Die Biografie bietet nicht nur ein spannendes Stück Zeitgeschichte, sondern gewährt auch Einblicke in das schillernde Leben eines in Haifa geborenen Emigrantenkindes, das 1948, mit fünf Jahren, erstmals das vom Krieg zerstörte Wien betritt – und über die Schneeflocken staunt, die in dieser grauen und ungemütlichen Stadt am Himmel tanzen.
Weissenberger und Stimeder recherchierten die bislang unbekannte Geschichte der jüdischen Vorfahren Bronners, die ihre Wurzeln ausgerechnet in jener Stadt haben, wo sich später das größte Vernichtungslager befand: Auschwitz. Einige von Bronners Verwandten wurden von den Nationalsozialisten in Minsk ermordet, anderen gelang die Flucht nach Shanghai. Deren Nachkommen ließen sich nicht unterkriegen. Gerhard Bronner, Oscars Vater, kehrte ins Nachkriegsösterreich zurück, avancierte zu einem der berühmtesten Kabarettisten ("Der Papa wird's schon richten") und kämpfte mit Helmut Qualtinger ("Der Herr Karl") gegen den Mief der 50er-Jahre an. "Quasi" lebte gelegentlich in Oscars Kinderzimmer in einer zugigen Dachwohnung und freundete sich mit dem Buben an.
Oscar Bronner wollte zunächst gar nicht Journalist werden. Seine ersten beruflichen Schritte führten ihn in das Kellertheater seines Vaters, wo er als Beleuchter arbeitete und sich als Autor von Dramen versuchte. Einmal schrieb er sogar ein Stück für Arminio Rothstein, einen Puppenspieler, der als "Halbjude" den Krieg in einem Keller überlebt hatte und später als Fernsehclown "Habakuk" Karriere machen sollte. Doch aus der Theaterkarriere wurde nichts.

Bronner zieht es zum Schreiben. Er heuert bei der Arbeiterzeitung als Volontär an, hört dort den Polizeifunk ab, wechselt zum Boulevardblatt Express, erlebt dort politische Einflussnahme, wechselt zum Kurier, dessen Chef Hugo Portisch er bis heute schätzt. Doch auch dort hält es Bronner nur kurz. Das hastige Schreiben liegt ihm nicht. Er kündigt und versucht sich als investigativer Journalist – und das mit Talent.
Für das Forum des Schriftstellers Friedrich Torberg (eines Freundes der Familie) schreibt Bronner Enthüllungsgeschichten über Nazi-Richter, die in der Zweiten Republik Karriere machen konnten. Er lernt den späteren Grünaktivisten und "Club 2"-Macher Günther Nenning kennen und schätzen. Abends sitzt Bronner im Hawelka, seiner "Akademie", wie er das Café nennt.
Er trifft dort Künstler, Schriftsteller und Adelige, die ihn prägen. Etwa Karl Schwarzenberg, den späteren Financier des trend und heutigen Außenminister Tschechiens. Mit dem Maler Kurt Moldovan spielt Bronner Schach und lässt sich von ihm für die Kunst begeistern.
Das Wien der 60er-Jahre ist stickig, und vor allem die Presse ist für kritische Geister wie Bronner nicht zu ertragen. Deshalb gründet der damals 26-Jährige im Jahr 1969 einfach selbst ein Wirtschaftsmagazin: den trend. Kritisch und unabhängig soll das Blatt sein.
Vor allem aber soll es das Geld einbringen, das Bronner für die Gründung des profil braucht, das kurz darauf erscheinen wird, um "der österreichischen Öffentlichkeit mit dem nackerten Orsch ins Gesicht zu fahren", wie der mittlerweile verstorbene profil-Chefredakteur Helmut Voska es nannte. profil wird auch der Konkurrenz lästig, sie drängt Bronner, sein Blatt zu verkaufen. Der Kurier, so sagt er, legt ihm ein Angebot, "dass ich nicht ausschlagen kann".
Bronner übersiedelt nach New York, widmet sich in seinem Loft der Malerei, lernt Frederik Morton und Serge Sabarski, den legendären Galeristen und ehemaligen Kulissenmaler des Kabarett Simpl kennen. "Aufstehen, New York Times lesen, Malen, so vergehen die Tage", erinnert sich Bronner. Nach 13 Jahren zieht er zurück nach Wien. Er will ein Blatt nach dem Vorbild der New York Times gründen. Das wird ihm nicht gelingen, aber er schafft eine anständige Tageszeitung.
Die Oscar-Bronner-Story ist eine für die österreichische Medienszene höchst ungewöhnliche Erfolgsgeschichte, die eines kreativen, weltläufigen Querkopfs, der es nicht hinnehmen will, dass es in Wien keine guten Blätter geben soll. Die Nörgler und Zweifler des heimischen Pressewesens sollten diese Biografie eingehend studieren. Eine bessere Zeitungswelt ist nämlich möglich. Oscar Bronner hat es bewiesen.

Florian Klenk in FALTER 42/2008 vom 17.10.2008 (S. 49)


Rezension aus FALTER 40/2008

"Am Schluss hatte ich Feuer gefangen"

Er hat Österreich mit den Magazinen "trend" und "profil" verändert. Jetzt wird sein "Standard" zwanzig. Der Journalist, Maler und Zeitungsgründer Oscar Bronner über sein Wirken und Schaffen in Wien und New York

Gespräch: Florian Klenk und Armin Thurnher

Ein Büro mit Blick auf die Herrengasse. Es riecht nach Zigarre, draußen klappern die Fiakerpferde. Hier residiert Oscar Bronner, 65. Im Oktober feiert sein Standard den zwanzigsten Geburtstag. In kürze erscheint auch eine Biografie über sein Leben (Klaus Stimeder, Eva Weissenberger: "Trotzdem – die Oscar Bronner-Story", Ueberreuter). Anlass für ein Gespräch über die letzten 65 Jahre.

Falter: Herr Bronner, Sie wurden in Haifa geboren. Als Fünfjähriger kamen sie nach Wien. Was ist Ihre erste Erinnerung an diese Stadt?

Oscar Bronner: Wir kamen mit dem Schiff von Israel. Im Zug von Genua nach Wien sah ich erstmals Schnee. Ich erlebte diese Stadt als einen Ort voller Bombenruinen. Wir lebten am Passauer Platz, viele der Häuser, die dort heute stehen, gab es nicht. Die zerstörte Gegend war ein Abenteuerspielplatz für uns Buben.

Ihr Vater Gerhard Bronner wurde später ein legendärer Kabarettist. Wie lebten die Bronners im Wien der Nachkriegszeit?

Bronner: Mein Vater war zuerst Pianist in der Marietta-Bar, dem Vorläufer der späteren Fledermaus. Meine Eltern arbeiteten nachts und schliefen lange. Ich sah sie oft erst nachmittags nach der Schule. Wir lebten in einer Dachwohnung, es regnete hinein.

In Ihrer Biografie steht, dass Helmut Qualtinger, mit dem Ihr Vater zusammenarbeitete, in Ihrem Kinderzimmer lebte.

Bronner: Ja, gelegentlich. Der Quasi und ich hatten ein gutes Verhältnis.

Er galt doch als schwierig, exzessiv.

Bronner: Mit mir sprach er wie ein normaler Mensch – obwohl ich noch ein Kind war. Das schätzte ich. Er war auch noch nicht diese mächtige Figur, sondern ein schlanker Kerl, der die Sakkos meines Vaters auftrug. Auch später, als er sich mit meinem Vater zerstritten hatte, sah ich ihn gerne.

Die Welt des Kabaretts, wie hat Sie die geprägt?

Bronner: Ich wusste als Jugendlicher noch nicht, welchen Beruf ich ergreifen werde. Ich liebte das Schreiben und Malen, es waren Tätigkeiten für meine Fantasie. Mein Leben fand gegen Ende meiner Schulzeit zum Großteil im Theater meines Vaters statt. Ich arbeitete als Beleuchter und Regieassistent. Ich arbeitete auch an Stücken, doch daraus wurde nichts.

Sie schrieben, wie Sie in Ihrer Biografie verraten, auch ein Stück mit Arminio Rothstein, dem späteren Fernsehclown Habakuk.

Bronner: Ja, das Stück hieß "Menschen, Puppen und Ganoven". Ich war mit Rothstein befreundet. Er lud mich ein, Regie zu führen, aber es gab kein Stück. Also haben wir schnell eines geschrieben.

"Menschen, Puppen und Ganoven" – das ist ein programmatischer Titel für einen späteren Zeitungszaren. Wie haben Sie mit dem Journalismus begonnen?

Bronner: Ich begann als Volontär in der Arbeiterzeitung. Ich musste Polizeifunk abhören, Kommissariate durchrufen und Chronikberichte schreiben. Nach kurzer Zeit bekam ich ein Angebot vom Boulevardblatt Express.

Wer waren Ihre Vorbilder im heimischen Journalismus?

Bronner: Ich hatte keine. Ich wollte ja auch noch nicht Journalist werden, sondern nur das Schreiben erlernen.

Nach Redaktionsschluss ging es ins Hawelka.

Bronner: Das Café war noch nicht die Touristenfalle von heute. Für mich war es eine Akademie. Ich traf dort Kari Schwarzenberg, den heutigen Außenminister Tschechiens. Er half bei der Gründung des trend. Ich spielte mit dem Maler und Zeichner Kurt Moldovan Schach. Der Kurti führte mich in die Welt der Malerei ein. Ich sah im Hawelka aber auch Elias Canetti, Konrad Bayer, Peter Kubelka. Ich gehörte nicht zum engsten Kreis, aber ich hatte Kontakt.

Hans Dichand, Gerd Bacher – haben Sie diese Journalisten damals schon wahrgenommen.

Bronner: Dichands Kronen Zeitung schien eine Totgeburt zu sein. Sie wurde nicht ernst genommen, verkaufte wenig. Die Zeitungslandschaft war von Parteizeitungen geprägt. Man musste viele Zeitungen lesen, um einigermaßen einen Überblick zu bekommen. Eine wichtige journalistische Figur in dieser Zeit war Hugo Portisch, den man auch aus dem Fernsehen kannte. Es gab dort die "Diskussion der Chefredakteure". Es predigte ein roter und ein schwarzer Journalist– und dann war da noch der Portisch, der sagte, wo es wirklich langgeht.

Sie versuchten sich als investigativer Journalist. Sie schrieben über den Fall Novak ...

Bronner: … den sogenannten "Fahrdienstleiter des Todes". Er organisierte Eichmanns Züge nach Auschwitz. Er bekam nur eine beschämend kurze Haftstrafe. Ich arbeitete an einer Sendung meines Vaters im Fernsehen mit. Wir hatten die Idee, uns diesmal nicht zu entrüsten, ganz im Gegenteil. Ich stellte mich auf die Straße, um Geld für Novak zu sammeln, damit er sich den Rekurs leisten könne. Innerhalb kürzester Zeit waren 160 Schilling zusammen. Wir filmten die Sammelaktion, doch der ORF zensierte unseren Beitrag. Also schrieb ich die Geschichte als Reportage auf und bot sie dem Forum von Friedrich Torberg an, der ein Freund meines Vaters war.

Sie recherchierten über Richter, die in der NS-Zeit Widerstandskämpfer hinrichteten und später Karriere machten.

Bronner: Einer von ihnen war Richter im Obersten Gerichtshof, einer avancierte sogar zum Personalchef im Justizministerium. Ich schrieb eine Dokumentation für das Forum. Dort lernte ich Günther Nenning kennen. Er war damals ein ganz bedeutender Journalist, stilistisch brillant. Umso mehr schmerzte mich seine spätere Karriere.

Waren Sie ein guter Schreiber?

Bronner: Es war mir wichtig, gut zu schreiben. Ich feilte lange daran herum. Am Beginn des Journalismus glaubte ich, ich würde Routine beim Schreiben bekommen. Doch die stellte sich nicht ein. Das Malen wurde für mich immer wichtiger.

Sie kehrten dem Journalismus kurz den Rücken, wechselten in die Werbung.

Bronner: Ich hatte den Traum, so etwas wie den Spiegel zu gründen. Doch mir fehlten Erfahrung und Geld. Deshalb wollte ich die Branche von der anderen Seite kennen lernen – und gründete eine Werbeagentur, weil es in Wien keine guten gab. Da lernte ich den Studenten Jan Mariusz Demner kennen ...

… er bewarb Werner Faymanns Wahlkampf.

Bronner: Wir wollten eine Werbeagentur gründen, aber wir zerstritten uns gleich vor dem ersten potenziellen Kunden. Ich gründete, so wie er, meine eigene Agentur, verdiente gut und lernte nebenbei auch das Parteispendenwesen kennen.

Wieso das denn?

Bronner: Einmal bekam ich den Anruf der Firma Bauring, einer Baufirma der Gemeinde Wien. Sie teilte mit, dass die Firma Hrachowina in der AZ inserieren wird. Hrachowina wusste nichts davon, musste dann schließlich doch inserieren. Auch heute kann sich ein Minister mit einem gewissen Verleger Anzeigenstrecken ausdenken, und die Agentur bekommt den Auftrag, es zu schalten. So etwas soll vorkommen bei der einen oder anderen Zeitung. So waren und so sind die Sitten. Es war Zeit, den trend zu gründen, die Startrampe für das neun Monate später gegründete profil.

Der spätere Chefredakteur des profil, Helmut Voska, sagte: "Wir wollten der österreichischen Öffentlichkeit mit dem nackerten Orsch ins Gesicht fahren." War das der Anspruch?

Bronner: Wir hatten es nicht so formuliert, aber wir nahmen tatsächlich auf nichts Rücksicht. Wir schrieben über Themen, über die in Österreich nie geschrieben wurde. Politische Netzwerke, Abtreibung, Gewalt in der Familie, Gefängnisse.

Bald startete der erste große Konflikt mit Wiens Bürgermeister Felix Slavik, der profil beschlagnahmen ließ.

Bronner: Während alle anderen Zeitungen ihn als den neuen Lueger porträtierten, hatten wir über seine Malversationen berichtet. Slavik verklagte uns und wir mussten nachweisen, dass all die Gerüchte stimmten, über die wir berichteten. Aus vielen Ecken wurden uns plötzlich Konvolute über skandalöse Geschäfte der Gemeinde Wien zugespielt. So bekam das profil den Ruf, ein mutiges Blatt zu sein.

Sie haben das profil zurückgelassen.

Bronner: Anfangs wurden trend und profil ständig totgesagt. Als sich der Erfolg abzeichnete, gründete der Kurier ein Wirtschaftsmagazin und warb meine Mannschaft ab. Dann warb die Krone meine Mitarbeiter für eine geplante Wochenzeitung ab. Da ich diese Angriffe überraschenderweise überlebte, änderte der Kurier die Strategie. Ich bekam ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte, ich nahm es an, damit trend und profil überleben konnten – und ich übersiedelte nach New York, um dort zu malen.

Wie hat Sie diese Stadt geprägt?

Bronner: Es ist die Stadt, in der die meisten Weltmeister ihres Gebietes leben. In der Musik, der Malerei, der Literatur. Nach New York kommen aus der ganzen Welt Leute, um es dort zu schaffen. Ich hatte das Glück, dort bald aufgenommen zu werden.

Halfen Ihnen dabei auch Wiens emigrierte Juden?

Bronner: Ja, da war Frederic Morton, den ich aus Wien kannte. Er hat mich vielen seiner Schriftstellerkollegen vorgestellt. Dann war da noch Serge Sabarsky, der Galerist ...

… und ehemalige Kulissenmaler im Kabarett Simpl ...

Bronner: … er hatte dort als Bursch vor dem Krieg gearbeitet und viele Schnurren aus dieser Zeit erzählt.

Einer Ihrer Freunde, der heutige Bundespräsident Heinz Fischer, sagte, es sei eine Art Sauerstoffkur gewesen, bei Ihnen in den USA zu Besuch zu sein. Hatten Sie Erstickungsanfälle, als Sie nach 13 Jahren nach Wien zurückkehrten?

Bronner: Nein, weil ich in New York genug Sauerstoff getankt hatte. Wien war für mich Familie. Da war mein Sohn, meine Eltern, viele Freunde. Man stieg aus dem Flieger, betrat das Hawelka und hat dort dieselben Leute wie früher getroffen, und sie haben an denselben Tischen über dieselben Themen geredet. Man setzte sich dazu und setzte das Gespräch fort, das man vor einem halben Jahr unterbrochen hatte.

Sie sagen in Ihrer Biografie: "Mein Leben in New York war aufstehen, New York Times lesen, malen. So vergehen die Jahre". Wie hat diese Zeit Ihr journalistisches Verständnis verändert?

Bronner: Die New York Times bot eine andere Dimension des Journalismus. Anders als alles, was ich in Österreich kannte. Hier wurde viel drüber geredet, man müsse eine ordentliche Zeitung machen. Ich fragte damals nicht nur Armin Thurnher, sondern auch andere, die mit mir darüber redeten, ob sie so ein Blatt gründen wollten. Alle lehnten ab. Ich wollte ja nur Geburtshelfer einer Zeitung sein und das Malen nicht aufgeben. Am Schluss hatte ich Feuer gefangen und stand mit dem Projekt alleine da.

Sie gründeten den "Standard" ausgerechnet mithilfe des Springer-Verlags, der einst in Deutschland gegen die Linke hetzte. Wurde Ihnen das zum Vorwurf gemacht?

Bronner: Ja, von manchen. Aber ich hatte gute Verträge mit Springer. Ich wusste, dass ich eine unabhängige Zeitung machen kann. Der Standard war kein Springer-Blatt. Ich schrieb deshalb auf die Titelseite: "Herausgegeben von Oscar Bronner". Ich hatte ja durch das profil eine gewisse Reputation.

In Ihrem Buch schildern Sie ein Treffen mit Ewald Weninger, dem Anwalt eines Ihrer damaligen Kreditgeber, der Bank Austria. Wollen Sie darüber sprechen?

Bronner: Ich suchte beim damaligen Chef der Bank Austria, Gerhard Randa, um einen Kredit an. Mir war klar, dass ich außer dem Standard selbst keine Sicherheit bieten kann. Randa hat nach ein paar Tagen Bedenkzeit zugesagt. Ich stand sehr unter Zeitdruck, weil ich einen Kauftermin wahrnehmen musste. Da schlug Randa vor, dass sich Weninger der Sache annimmt, ein Anwalt. Mit ihm wurden die Verträge akkordiert. Am Tag der Unterzeichnung lud mich Weninger zu einem Essen ins Sacher ein. Dort teilte er mir mit, der Vorstand der Bank Austria habe beschlossen, ich solle sein Honorar bezahlen.

Das ist ungewöhnlich. Wie hoch war es?

Bronner: Er sagte, es mache zwölf Millionen Schilling aus, aber er verrechne mir nur sechs Millionen, weil die Gespräche so angenehm waren. Mir fiel alles runter. Diese Summe war im Kredit nicht eingeplant. Es kam mir seltsam vor, denn es stand davon auch nichts in den Verträgen. Auch die Bank-Austria-Mitarbeiter wussten davon nichts, wie sich später herausstellte. Wieso sollte ich als Kunde der Bank den Anwalt der Bank bezahlen? Ich hatte den Eindruck, dass sich das nicht gehört. Weninger bot an, das Zimmer zu verlassen. Ich konsultierte meinen Anwalt und fragte: "Was ist da los? Das kann man doch nicht machen." Da sagt mein Anwalt: "Vorsicht! Kannst du sicher sein, dass sich Weninger das ganze Geld selbst behalten kann?"

Ein Kickback, Schmiergeld, um an den Kredit zu kommen?

Bronner: Ich weiß es nicht. Weninger kam zurück, er ließ sich vom Ober ein Telefon bringen, rief eine Nummer an und sagte: "Herr Bronner will den Kredit nicht." Ich sagte: "Moment, so hatte ich es nicht gemeint!" Ich zahlte schließlich die Hälfte des Honorars. Er prozessierte um die andere Hälfte und verlor. Die Richterin hatte Anzeige wegen Nötigung erstattet. Das Verfahren wurde eingestellt.

Hätte Herr Weninger so eine "unanständige" Zahlung verlangen können, ohne dass sein Auftraggeber Randa davon weiß?

Bronner: Das kann ich nicht sagen.

Entspringt so ein Verhalten jener Kultur, die sie schon bei der Bauring-Episode erlebten?

Bronner: Es ist eine andere Unkultur, formulieren wir es einmal so.

Herr Bronner, Sie haben kürzlich den Anteil der Süddeutschen Zeitung zurückgekauft. Der Online-Standard ist Miteigentümer des Print-Standard. Ist das programmatisch?

Bronner: Nein. Ich glaube an die Zukunft der Zeitung. Online wird eine immer stärkere Rolle spielen. Aber ich glaube, dass vor allem Boulevardzeitungen in Bedrängnis kommen – sie werden durch Gratiszeitungen ersetzt werden.

Der Chef der Presse höhnte kürzlich, der Standard wirke wie der Teletext vom Vortag. Verschläft der Standard eine wichtige Entwicklung?

Bronner: Ich bin froh, dass die Presse wenigstens auf der Seite eins eine andere Anmutung hat. Dadurch gibt es mehr Unterscheidung. Wir sind mit unserem Weg erfolgreich, wie es bei der Presse ausschaut, weiß ich nicht. Im Übrigen: Seit ich Medien mache, seit fast 40 Jahren, höhnen Experten über mich. Es sei ihnen vergönnt.

Armin Thurnher in FALTER 40/2008 vom 03.10.2008 (S. 27)


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