Während die Frauen schlafen

von Javier Marías, Renate Zuniga

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Klaus Wagenbach
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 48/2000

Es gibt Bücher, die haben es nicht verdient, aber man möchte nach 36 Seiten nicht weiterlesen. Weil man genau weiß, dass ein Buch wie "Melancholie der Ankunft" nicht mehr als eine Geschichte enthalten kann, die so wie das schnörkellos geschriebene "Eine vorübergehende Sache" direkt in den Hirnstoffwechsel eingreift: Eine Frau und ein Mann kämpfen um die Scherben ihres Familienglücks. Ihr rutschte das Baby zu früh aus dem Bauch. Als feststeht, dass sie sich trennen werden, gesteht er, das tote Kind kurz im Arm gehalten zu haben: Es wäre ein Junge geworden. Die Geschichte von Jhumpa Lahiri dörrt ihren Lesern ab Seite zehn den Hals aus, auf Seite 20 verkrampfen sich die Gesichtsmuskel und auf Seite 34, als sie ihm mitteilt, wieder schwanger zu sein, ihn aber dennoch verlassen wird, rollen die Tränen. Da brauchts dann gar keine wortreichen Ausblicke mehr, und keine der folgenden acht eher lapidar erzählten Geschichten. Für "Melancholie der Ankunft" wurde die in London als Kind bengalischer Emigranten geborene Jhumpa Lahiri mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.40 Seiten gibt man Martin Amis, dann legt man "Schweres Wasser" aus der Hand, weil es nicht sein kann, dass nach "So macht man das" noch eine dermaßen orgiastische Erzählung enthalten ist. Amis schreibt diesmal übers Schreiben, und damit er nicht in den Ruf kommt, ein Wichtigmacher zu sein, dreht er alle durch den satirischen Fleischwolf: Ein Lyriker scheffelt Millionen mit der Verfilmung unleserlicher Sonette; ein verbissener Autor popeliger Hollywood-Drehbücher kämpft gegen die Ignoranz, die der Kulturmarkt seinem vergeistigten Genre entgegenbringt. Mit Seite 30 setzt Schnappatmung ein, und es ist ein Glück, dass es pro Band nur eine solche Geschichte geben kann, weil man sich ansonsten in die Hose machen würde.Karl Kraus Das "Wörterbuch der Redensarten" zu Karl Kraus' "Fackel" ist mehr Lese- denn Wörterbuch und ermöglicht einen brauchbaren und durchaus auch lustvollen Zugang zum Opus magnum des Sprachkritikers. Um Redensarten in die Akademie zu tragen: Man kann in dem monumentalen Buch manches Haar in der Suppe, aber keineswegs diese zu dünn oder gar Anlass zu einem "J'accuse" finden. Mit einem Wort: Das Werk hat Hand und Fuß. Ein Wörterbuch in irgendeinem traditionellen Sinn darf man sich freilich von diesem "Textwörterbuch", wie es sich - zu Recht - mit einem neuen Begriff nennt, nicht erwarten. Hier liegt vielmehr ein Lesebuch aus Kraus' Fackel vor, gegliedert nach einem höchst originellen Gesichtspunkt: nach dem Vorkommen von festen Wortverbindungen, eben von "Redensarten". Für eine solche Zusammenstellung reicht es keineswegs aus, die über 22.000 Seiten der Zeitschrift zu digitalisieren und sich dann auf Suchbefehle zu verlassen. Angesichts der oft abenteuerlichen Transformationen von Redewendungen in der Fackel - aus den schillerschen "Brettern, die die Welt bedeuten", werden beispielsweise "Lettern, die die Welt bedeuten" - können Suchbefehle nur helfen, kontrollieren und ergänzen, aber genauestes Lesen nicht ersetzen. Eine so geordnete Anthologie ermöglicht zum ersten Mal - wiewohl nur an Beispielen - die Lektüre des Autors unter dem Gesichtspunkt eines seiner wichtigsten Stilelemente, ja überhaupt unter dem Gesichtspunkt seines Stils, der für ihn selbst das Wesentliche seines Werks gewesen ist, während bisher auch die Literaturwissenschaft fast nur seine Themen beachtet hat. Dass die festen Wortverbindungen mit Kraus' Begriff der "Phrase" eng zusammenhängen und deshalb ein Stilelement von besonderer Bedeutung für ihn sind - man lese dazu das unsystematische, an Einsichten und Anregungen umso reichere Nachwort des Herausgebers -, rechtfertigt es, die geplanten Fackel-Wörterbücher mit diesem nach Redensarten geordneten Lesebuch zu beginnen. Die Lektüre lässt auf Anhieb die Sprachfantasie des Autors erkennen, seine Fähigkeit, sprachliche Beziehungen zwischen verschiedenen Bereichen herzustellen, etwa zwischen dem im damaligen Wien geflügelten Angebot der Fiaker "Fahr'n ma, Euer Gnaden" und dem "Fahrma", das der nachmalige Kaiser Karl beim Begräbnis seines Onkels Franz Ferdinand geäußert haben soll (S. 281 ff.). Dadurch dass nicht nur Kraus' eigener Gebrauch von Redensarten vorgeführt, sondern auch deren Vorkommen in den von ihm zitierten Texten belegt wird, integrieren Welzig und seine Mitarbeiter den Sprachgebrauch des Satirikers implizit stets in den seiner Zeit. Den Erkenntniswert der Anthologie wird man erst nach längerer Arbeit mit ihr ermessen können; Vergnügen bereitet sie auf den ersten Blick. Der Kern des Buchs sind die oft sehr langen Artikel zu 144 ausgewählten Redensarten. Sie bieten einen besonders charakteristischen Text, in dem die Redensart vorkommt; eine Übersicht über die auffälligsten Umformungen; eine Liste aller Belege; schließlich eine Auswahl längerer, zum Teil sogar vollständiger Texte, in denen die Redensart vorkommt. Dazu treten - zumeist eher kurze - begleitende Kommentare. Über 9000 weitere in den zitierten Stellen vorkommende Redensarten sind in einem gesonderten Index erschlossen. So sehr mich das (sehr aufwendige, dafür sehr übersichtliche und sehr schön gedruckte) Werk beeindruckt, uneingeschränktes Lob ist mir leider dennoch nicht möglich. Zwar halte ich die Entscheidung für einen sehr weiten, Zitate und Selbstzitate, Werktitel und einzelne zeitgenössische Schlagworte umfassenden "Redensarten"-Begriff, der allein die Erfassung der - schließlich (begründet) nicht aufgenommenen - "großen Zeit" und der "Hebung des Fremdenverkehrs" als der am häufigsten belegten Wendungen in der Fackel ermöglicht, für richtig; die Funktion der Redensart im Fackel-Text ist in der Tat wichtiger als eine genaue linguistische Definition. Ein bisschen mehr Reflexion über den Begriff hätte ich in der Einleitung dennoch erwartet, die sich fast mehr auf Erasmus als auf die neuere sprachwissenschaftliche Forschung beruft. Einige im Index angeführte Redensarten hätte man als stilistisch irrelevant ausscheiden können. Die exemplarische Beschränkung auf 144 eingehend behandelte - recht repräsentative - Redensarten ist ein Vorzug des Buchs. Wie es zur Entscheidung für ebendiese gekommen ist, erfährt man leider nicht. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, es hätten vor allem solche Wendungen Aufnahme gefunden, deren Bearbeitung dem Team Spaß gemacht hat - was ein so schlechtes Auswahlkriterium nicht wäre. Einwände habe ich gegen manche Kommentare, vor allem aber gegen einen psychologisch erklärbaren Hang (Zwang), Redensarten auch dort zu wittern, wo Kraus kaum daran gedacht hat. Dass sich Wien 1925 "der neuen Unform" - Bekessy - nicht "mit Grausen zu entziehen" vermag, ist schwerlich ein Schiller-Echo ("da wendet sich der Gast mit Grausen") (S. 183); ebenso wenig vermag ich die auf Seite 184 vermutete Wilhelm-Busch-Anspielung nachzuvollziehen und bei einem Werk von Franz Blei an eine Goethe-Stelle zu denken (S. 776). Umgekehrt sind, was fast nicht zu vermeiden ist, immer wieder Redensarten übersehen worden. Im Detail wäre vieles zu ergänzen und zu verbessern. Vor allem schreit das Buch, zumal der Index, nach weiteren Suchmöglichkeiten; man möchte den Kontext anderer Redensarten in der Fackel finden. Ganz unpolemisch muss auch ich an Akademie und Suhrkamp-Verlag appellieren, die rechtlichen Hindernisse für einen Zugang zur eingescannten Fackel in Form einer CD-ROM rasch aus dem Weg zu räumen, selbst wenn deren Benützung vorerst nur an ausgewählten Institutionen möglich sein sollte. Die innere Logik dieses Textwörterbuchs selbst verlangt nach dieser Ergänzung; ohne solche Suchmöglichkeiten ist es nur eingeschränkt benützbar. Dass sie das Horaz-Zitat von den Bergen, die kreißen, damit ein lächerliches Mäuslein geboren wird, aufgenommen haben (S. 149 ff.), zeugt vom Selbstbewusstsein der Herausgeber, die offenbar nicht gefürchtet haben, damit den Rezensenten eine wohlfeile Pointe zu liefern. Es ist berechtigt. Auch wenn manches noch recht experimentell wirkt, geht das innovative "Textwörterbuch" neue Wege zur Erschließung der Fackel und vielleicht überhaupt der Literatur. Denen, die Kraus in einem Lesebuch als dem Spieler mit Redensarten begegnen wollen, wird das Werk Vergnügen bereiten. Die Kraus-Forschung hofft auf die ergänzende CD-ROM. Den Bearbeiterinnen und Bearbeitern wünsche ich viel Erfolg für die geplanten weiteren Bände.Man hält dieses kleinformatige Buch in Händen und kennt sich erst einmal nicht aus. Aus dem Blassblau des Umschlages blickt einem ein Gesicht entgegen, dessen Augen durch ein brillenartiges Gebilde verdeckt sind, das am ehesten zum Betrachten von Sonnenfinsternissen geeignet erscheint. Wie kriegt der Mann im Gefrierfach wohl Sicht auf seine Sonnenfinsternis? Die Überschriften der drei Abschnitte des Buches lauten: "I. Vergänglichkeit, Unsterblichkeit"; "II. Zuschauer, Zuhörer"; "III. Worte, Zeichen". Für einen Moment vermeint man tatsächlich den dicken Duft sloterdijkscher Welterklärung zu riechen. Allein, da wäre für die ganze Sache etwa der zehnfache Umfang angesagt und die Gattungsbezeichnung "Albumblätter" nicht eben angemessen. Ein wenig skeptisch macht man sich also an den Text, eine Haltung, die nicht länger dauert als ein paar Sekunden. "Lange bevor der Psychologe James H. Bedford das Ende seiner Tage kommen fühlte, war er schon getrieben von der Frage, wie er seinen Tod werde überleben können." - Was der erste Satz der ersten Geschichte verspricht, wird in der Folge in überzeugender Weise eingelöst. Karl-Markus Gauß erzählt über den armen tiefgefrorenen Bedford, der infolge unwetterbedingter Stromausfälle immer wieder auftaut; über Nobelpreisträger, die zum Zweck der vielfachen Reproduktion ihrer selbst nicht eben in Eprouvetten ejakulieren, aber fast; über die seltsamen Wege, die das Y-Chromosom des Thomas Jefferson ging; und über das Mädchen Audrey Santo, das in seinem Wachkoma zur Heiligen wurde. Er erzählt von jenem Moment, als Elton John beim Gottesdienst für Lady Diana sein Lied zu singen begann, von speziellen Chaostagen in Salzburg und von der Kultur des Duzens bei der Firma H&M. Er erzählt von der Reise des japanischen Germanisten Fujihiko Komura nach Bayreuth, von den Verknüpfungen zwischen Komparativ und Kirche und von Kayoo, dem letzten Mann, der El-Molo sprach. Er berichtet über den Tod und die absurden Manöver der Menschen, ihn auszublenden, über die trügerische Macht der Bilder und - so kennt man Gauß am ehesten - über die Verwundbarkeit von Sprache. Der Ton der Geschichten hält souverän die Balance zwischen zielgenauer Pointe und einer bisweilen fast beiläufigen Leichtigkeit. Auf diese Weise wird der Anschein des Unverbindlichen erweckt - was haben japanische Germanisten oder kenianische Dialekte schon mit uns zu tun? - und der Leser zugleich auf subtile Weise gefesselt. Ist das erst einmal passiert, schält sich der Autor aus den vielen Schichten seiner Tarnung (Medizinjournalist, Ethnologe, Sprachpolizist, Salzburger) und präsentiert sich offen in jener Rolle, die ihn überhaupt, ganz besonders aber in dem vorliegenden Buch, ausmacht: als großer Moralist. Dabei geht ihm freilich jene Eigenschaft ab, die manche seiner Kollegen, die sich auch für große Moralisten halten, im Überfluss besitzen: Eitelkeit. Gauß spricht vernehmlich sein "Memento" und hat es doch nicht nötig, dafür auf die Kanzel zu steigen. Er braucht nicht den drohenden Zeigefinger und schon gar nicht die Faust. Eine winzige Vignette aus einer womöglich weit entfernten Weltgegend genügt, um einen zum Nachdenken darüber zu veranlassen, was richtig ist und was falsch.Der portugiesische Autor Rui Zink (38. Weihnachtsfest) blättert in "Josefs Filofax" und bringt uns Menschen die Erleuchtung. "Maria möchte", notierte Josef am 21. August, "dass er Messias wird. Mir persönlich wäre Zimmermann lieber. Am Ende stritten wir." Leicht hats Josef in den Tagen, nachdem er von Marias Schwangerschaft erfahren hat, ohnehin nicht gehabt: "Jedes Mal, wenn ich jetzt ins Cafe komme, fragen sie mich, ob ich einen biologischen oder einen geistigen Whisky möchte." Damit es ein richtig netter heiliger Abend wird, haben sich in "Weihnachten für Fortgeschrittene" 53 Autorinnen und Autoren, Zeichner und Sänger versammelt und das "Überlebenspaket zum Fest" (Untertitel) geschnürt. Der Wiener Xaver Bayer (22. Weihnachtsfest) ist am 24. Dezember auf dem "Weg" und erzählt eine schön-traurige Weihnachtsgeschichte, wobei er feststellt, dass sämtliche Uhren in der Auslage eines Uhrengeschäfts auf 10 vor 2 gestellt sind - anscheinend werden lächelnde Uhren eher gekauft. Bei Joseph von Westphalen (54. Weihnachtsfest) ist eine Frau mit Namen "Lametta" unterwegs zum "brüllenden Literaturkritiker"; Daniel Glattauer (39) liefert eine "Typologie der Vanillekipferl-Esser" ab, und Helmut Qualtinger (Engel) erzählt nochmals von der "Familie unterm Lichterbaum", als überall die Lichter brennen und die Feuerwehr ständig unterwegs ist. Für die herzerwärmende Weihnachtsgeschichte mit Weihnachtsmann und dem ganzen Klingeling ist Helmut Eisendle (60. Weihnachtsfest) zuständig. Damit das Buch zum Paket wird, hat Tex Rubinowitz (38. Weihnachtsfest) noch einen Multiple-Choice-Test - "Wie waren deine Weihnachten?" - beigepackt, auf einer CD werden die Medienteufel Wolfgang Fellner und Hans Dichand mit Engelszungen besungen.Javier Marias ist ein kluger Kopf, der seine Leser stets mit Lebensweisheiten versorgt, über die sich diese dann den Ihren zerbrechen können. Auch der Erzählband "Während die Frauen schliefen" ist vor bedeutungsschwangeren Einsichten nicht gefeit: "Die Bücher, die wir nicht lesen, sind voller Warnungen." Man darf aber nicht unfair sein: Javier Marias erzählt durchaus fein durchdachte Geschichten, in denen das Unmögliche ganz selbstverständlich an die Stelle des Möglichen tritt, wobei die Lösung des "Falls" stets offen bleibt. Ein Mann erhält Briefe aus dem Jenseits, ein anderer lässt sich von einem Doppelgänger in den Ruin treiben, ein verschollener Dichter taucht vor einem Buchantiquariat wieder auf, und ein Kriegsheimkehrer beobachtet, wie sein Double die Ehefrau im Wohnzimmer erwürgt. Mit dem Erzähler wird auch der Leser zum zufälligen Zeugen seltsamer Leidenschaften und fantasierter Verbrechen. Ein Mann mittleren Alters gesteht, dass er seine junge und schöne Geliebte lieber töten wolle, als sie dem Alter und der Vergänglichkeit preiszugeben; eine, eigens für den vorliegenden Band geschriebene Geschichte, die zu den stärksten des Buches zählt. Andere machen den Eindruck, als seien sie frühe Schreibversuche des 1951 geborenen Autors. Tatsächlich scheinen manche der in den Siebzigerjahren entstandenen Erzählungen erst nach Marias' Erfolgen mit "Mein Herz so weiß" und "Morgen in der Schlacht denk an mich" eine Übersetzung wert gewesen zu sein.Neulich in der "Harald-Schmidt-Show". Zu Gast war ein gewisser David Blieswood, Lebensart-Kolumnist der Welt am Sonntag. Müssen Sie jetzt nicht kennen. Der Mann war edel - also erkennbar teuer - gewandet und erzählte von seiner Jugend in den nobelsten Schweizer Internaten, kam dann aber doch eher wie ein stilloser Neureicher rüber. Und heißt natürlich nicht wirklich David Blieswood. In der Show fand Grimme-Preisträger Harald Schmidt diesen Herren wahnsinnig unterhaltsam, aber das gehört zum Konzept. Schmidt lässt alle (Halb-)Prominenten Deutschlands antreten und ihre Weisheiten ablassen. Setzt dazu sein einnehmendstes Lächeln auf und wartet, bis sie sich um Kopf und Kragen geredet haben. Schmidts Focus-Kolumnen, die nun unter dem Titel "Wohin?" in einer Auswahl vorliegen, funktionieren da wie ein Korrektiv. David Blieswood kommt hier denkbar schlecht weg. Zum letzten Weihnachtsfest hatte er seinen Lesern den Kauf der Prachtausgabe von Montaignes "Essais" empfohlen. Nur dass ihm beim Vornamen eben ein a reinrutschte. Schmidt: "Aber ansonsten kann man die Empfehlung nur voll unterstützen. Jede Menge Buchstaben, exquisit angeordnet, erlesene Gedanken und absolute First-Class-Kapitel. Mein Tipp: Der coole Print-Fan kauft die Essays von Manuel de Montanara oder so jetzt auf Halde. Zum Subszum Suppalso halt noch billiger." Und die restlichen 89 "Notizen aus dem beschädigten Leben" sind um nichts weniger bissig, treffend und glänzend geschrieben.Passt auf, was ihr träumt", ruft Sibylle Berg ihren Figuren zu - dem Callboy Roy, der reich werden will, dem Filmsternchen Karla auf dem Weg zur Hollywoodkarriere, der Tramperin Anna auf der Suche nach der großen Liebe und dem hässlichen Journalisten Bert, der doch nur schön sein will - "es könnte in Erfüllung gehen". Was dann? Wovon träumen, wenn alles Gewünschte bereits eingetroffen ist? Am besten: weiterlesen. Sibylle Bergs neuer Roman "Amerika" gibt die Antwort: Die vier werden happy in Amerika und spielen knallbunte Klischees durch. Trotzdem: weiterlesen. So wie auch Sibylle Berg ohne Pausen weiterschreibt: Quer durch die deutsche Medienlandschaft ziehen sich die Schreibspuren der 1962 in Weimar geborenen Wahl-Zürcherin. In den vergangenen drei Jahren hat sie jedes Jahr ein Buch herausgebracht. Ihre Geschichten funktionieren wie Splatterfilme und laufen immer auf ein Gemetzel hinaus: "Ich hab mich da in so einen kleinen Blutrausch reingeschrieben", sagt sie und bleibt ihrem Figurenrepertoire - rastlose Unglückliche - treu. Nur der Berg-Sound wird immer konsequenter: Die Sätze folgen einer Cartoon-Grammatik, leicht dahin gestrichelt geht es mit großer Geste schrill ums Ganze. "Veränderungsenergie" zum Beispiel spüren ihre Figuren immer kurz vor dem Einschlafen. Sobald der Morgen kommt und der "Wecker sie heraus aus ihrer Decke schneidet", siegt "die Gewohnheit, die alle Versuche, zu Großem zu gelangen, vereitelt". Dann gilt: "Wehe dem, der kein Hobby hat, keine Badewanne, keinen Fernseher, um die Zeit zu vernichten." Deshalb: weiterlesen.Ehe nicht jeder Witz gemacht worden ist, kann die Menschheit nicht erlöst werden", hat Robert Gernhardt einmal gemeint. Einer Ökonomie der Verausgabung folgt auch die Komik von Christoph Grissemann und Dirk Stermann, die sich am liebsten mit sich selbst beschäftigen - was in ihrem jüngsten Kompendium "Immer nie am Meer" im Abdruck einer Reihe von Telefonaten Niederschlag findet, in denen sich die beiden Herren mit der Identifikation ihrer Mütter (inkl. DNA-Test) oder einer Videokassette beschäftigen, die in einem bislang ungeöffneten Kühlschrank lag und die Aufzeichnung von Grissemanns gesamtem 56-jährigem Leben (inkl. Selbstmord und Wiederauferstehung) enthält. Erstmals veröffentlicht und sehr unterhaltsam: "Die geheimen Tagebücher von Dieter Bohlen und Verona Feldbusch": "Meinen Feldbusch juckt tierisch weil das rasieren. Den Dieter sein geschnarchse ist total süß und macht mir ganz scharf. Werde heute Abend Gästin sein bei ein Abendessen vom Thomas den Dieter sein Schwuchtelkumpel. Eklig aber voll süßer!" Ster- und Grissemann gehören eher nicht zu jenen, die in wochenlangem Redegat zu einer skelettierten Prosa oder lakonischer Lyrik (die versammelten Fisch- und Gemüsegedichte sind nicht nur metrisch herzlich erbärmlich) gelangen. Ohne die geringsten Skrupel in Sachen Humordiebstahl, der auch den Otto-Humor nicht verachtet, Helge Schneider remixed und vor allem dem grandiosen Eugen Egner ("Tagebuch eines Trinkers", "Der Universums-Stulp" einiges verdankt, wird hier die (Medien-)Welt aus den Angeln gehoben und neu zusammenschwadroniert. Sehr professionell und in den meisten Fällen sehr lustig, wobei "Die unveröffentlichten Tagebücher von Dolezal und Rossacher" zu den Gipfelleistungen zählenEinmal besuchte ich ein an sich vollkommen unbedeutendes Testspiel von Rapid, das ich dennoch nie vergessen werde. Rapid spielte auf einem Trainingsplatz des Hanappistadions gegen die unterklassige Mannschaft von Slovan/HAC. Neben mir stand ein kleiner Bub, der einen Slovan-Spieler mit dem derben Zuruf "Renn, Depperter!" anfeuerte. Darauf die Mutter des Buben: "Wenn du no amoi Depperter zum Papa sagst, kriegst a Watschen!" Wann genau das Spiel stattgefunden hat, wie es ausgegangen ist und wer die Tore geschossen hat, weiß ich nicht mehr. Unter anderem deshalb war es höchste Zeit für das Buch, das Roland Holzinger nach neun Jahre währender Kleinarbeit nun fertiggestellt hat. Es heißt bescheiden "Die Chronik", und selten ist das Wort "Jahrhundertwerk" so angebracht wie bei diesem eindrucksvollen Monument des nutzlosen Wissens. Im ersten Teil des mehr als 1000 großformatige Seiten starken Bandes reportiert der Autor die 100-jährige Vereinsgeschichte, wobei der faktenreiche Text von einer Unzahl großteils farbiger Abbildungen (faksimilierte Zeitungsartikel, Fotos, Eintrittskarten, Wimpel etc.) ergänzt wird. Der zweite, noch umfangreichere Teil ist der Statistik gewidmet: Hier finden sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alle noch verfügbaren Daten zu allen Rapid-Spielen seit 1899. Der heute 37-jährige Holzinger war zum ersten Mal mit 12 auf einem Rapid-Match; seit damals hat er kaum eines ausgelassen. Der "Holzi" ist aber nicht nur einer der verrücktesten unter den grundsätzlich schon ziemlich fanatischen Rapid-Fans, er gehört auch zu den fleißigsten Sammlern. Von Artikeln über Programmhefte, von Anstecknadeln bis Dressen archiviert er alles, was mit Rapid zusammenhängt. Fast sieht es so aus, als wäre Roland Holzinger schon mit dem Auftrag auf die Welt gekommen, dereinst die Rapid-Chronik zu schreiben. Das erwähnte Testspiel Rapid gegen Slovan/HAC fand übrigens am 5. Februar 1989 statt und endete 2:0. Beide Tore erzielte der neuverpflichtete isländische Stürmer Gudmundur Torfason, der die damit geweckten Erwartungen dann aber doch nicht ganz einlösen konnte: In der Meisterschaft - auch das hält Holzingers Chronik mit gnadenloser Akribie fest - kam Torfason gezählte sechs Mal zum Einsatz und erzielte dabei nur ein einziges Tor."Sekretär sein ist weder Beruf noch Berufung, es ist ein in die Profession gewandter Zustand", schreibt Standard-Journalist Samo Kobenter in seinem Buch "Republik der Sekretäre". Wirklich treue Diener kleben an ihrem Herren rund um die Uhr; der Begriff des "Alter Ego" scheint da fast eine Untertreibung. "Ich begann, wie der Chef zu reden und schreiben", erzählt Clemens Hüffel, sechs Jahre lang persönlicher Sekretär von ÖVP-Vizekanzler Erhard Busek: "Manchmal bildete ich mir schon ein, Clemens Busek zu sein."Ein Beweis, dass zumindest im Umfeld von Parteien entgegen landläufiger Meinung nachgedacht wird: ÖVP-nahe Aktivisten haben ein bemerkenswertes Buch über die Herausforderungen der Demokratie herausgegeben. Das Hosentürl ist offen, die Dose "Duff" auch: Homer Simpson knotzt auf der Couch, starrt in die Glotze und bearbeitet seine strapazierte Psyche mit Bier. Als über den Bildschirm eine Politikerdiskussion flimmert, taucht Simpson immer wieder in den Sekundenschlaf ab. Die Streitereien der Herrn im Fernsehstudio nimmt er nur mehr als grelle Katzenmusik wahr. Was hat die Abendbeschäftigung einer rülpsenden Dumpfbacke im Vorwort eines Buches zu suchen, in dem sich führende Intellektuelle über Gott und die Welt den Kopf zerbrechen? Eine ganze Menge, wenn man sich um die Demokratie Gedanken macht. Für die Herausgeber des Sammelbandes "Die neue Ordnung des Politischen" ist der amerikanische Zeichentrickheld Homer Simpson Sinnbild des demokratieverdrossenen Durchschnittsbürgers, dem Politik am Allerwertesten vorbei geht. Da sich Demokratie aber stets an den sozialen Realitäten zu orientieren hat, wird die Akzeptanz zum Gradmesser des Erfolges. Und die ist bei Herrn Simpson gleich null. Sorge um die Demokratie ist gemeinsamer Nenner der Veranstaltungen im Rahmen der September-Akademie der Julius-Raab-Stiftung. Alljährlich im Herbst setzen sich in diesem Diskussionsforum kluge Köpfe mit Fragen der Demokratie und Zivilgesellschaft auseinander. Die Besetzung ist stets hochkarätig - wie das internationale Renommee der Referenten zeigt: Das führende deutsche Intellektuellenblatt Die Zeit verpflichtete für die derzeit laufende Serie "Demokratie" zu einem großen Teil Autoren, die - wie die Soziologen Zygmunt Bauman und Claus Offe oder der Politikwissenschaftler Jean-Marie Guehenno - bereits auch bei der September-Akademie zu Gast waren. Im Sammelband "Die neue Ordnung des Politischen" sind die Referate und Diskussionsbeiträge der bisher fünf Foren zusammengefasst. Herausgegeben wird das Buch von Elisabeth Anselm, Aurelius Freytag, Walter Marschitz und Boris Marte, vier Aktivisten der zwar ÖVP-nahen, aber innerparteilich oft scheel angesehenen liberalen Plattform für offene Politik. Dementsprechend war die Reaktion der "offiziellen" ÖVP auf die Aktivitäten im Wesentlichen ignorant. Akademie-Initiator Marte wäre schon froh über inhaltliche Resonanz: "Es gibt in der Politik Herausforderungen, die tiefgreifender und längerfristig in Angriff genommen werden müssen, als dies in Regierungsprogrammen gewöhnlich geschieht. Bei den aktuellen Diskussionen fehlen mir grundsätzliche Zielrichtungen." Wegweiser finden sich im 317 Seiten starken Sammelband genügend. Es braucht keinen geografischen Hinweis, um etwa in Zygmunt Baumanns Analyse des Spannungsfeldes zwischen "Freiheit und Sicherheit" Parallelen zum Status quo in Österreich auszumachen. Angesichts des um sich greifenden Unsicherheitsgefühls warnt Baumann, dass unsichere Menschen nicht als Bürger taugten: Sowohl Mangel an Sicherheit als auch an Freiheit ließen den demokratischen Druck schwächer und den Abstand zur Politik größer werden. Einen Ausweg aus dem Dilemma sieht der britische Soziologe in der Globalisierung politischer Institutionen und der Auseinandersetzung mit struktureller Arbeitslosigkeit, etwa durch ein staatlich garantiertes Grundeinkommen. Eine Idee, der im selben Buch eine entschiedene Absage erteilt wird: Baumanns deutscher Kollege Richard Münch hält den "Traum von der sozialen Integration jenseits der Erwerbsarbeit" für eine Illusion. Das Buch erhebt keinen Anspruch auf eine einheitliche politische Botschaft. "Schon die Hoffnung auf Widerspruchsfreiheit scheint uns verdächtig", schreiben die Herausgeber. Kontroversiell sind folglich auch die Beiträge zum Thema Informationsgesellschaft. Während der Politologe Claus Leggewie und der Ökonom Gebhard Kirchgässner die neuen Medien als Chance im Kampf gegen Politikverdrossenheit begreifen, erkennt der Politologe Bernd Guggenberger verhängnisvolle Wechselwirkungen zwischen medialer Entwicklung und politischer Kultur: Der Kommunikationshighway der Jahrtausendwende vereinige Computer, Bildschirm und Telefon zu einem einzigen "interaktiven Medienhausaltar". Als Konsequenz dieser Verlagerung nach innen prophezeit Guggenberger den "Niedergang des Politischen als des Öffentlichen". Auch handelnde Personen, die dringend kurzfristiger Rezepte bedürfen, finden wertvolle Hinweise: Noch bevor SPÖ und ÖVP im Nationalratswahlkampf aufeinander losgegangen waren, kritisierte der deutsche Soziologe Helmut Klages das "Vertrauenvernichtungsspiel" der Parteien, das nicht nur für sie selbst, sondern auch für die demokratischen Institutionen Vertrauensverlust bedeute - für Geschädigte nachzulesen. Viel Sorge in einem Buch. Aber auch viel Hoffnung in die Demokratie. Wenn Institutionen wie die September-Akademie weitermachen, kann diese nicht ganz unbegründet sein. Und Potenzial zur Weiterentwicklung gibt es immer: Auffällig am Sammelband ist, dass die Autoren - mit Ausnahme der amerikanischen Soziologin Saskia Sassen - ausnahmslos männlich sind. Ein Querschnitt, der eigentlich nicht der Realität entsprechen kann. Denn wer die Simpsons kennt, weiß: Dort sind die Frauen die Klugen.War es Reich-Ranicki? Oder Schirrmacher? Egal: Es war ein wichtiger Frankfurter Literaturkritiker, der irgendwann in den Neunzigerjahren den großen Gesellschaftsroman zur deutschen Einheit eingefordert hat. Eine vielleicht etwas schrullige Forderung, über die man seinerzeit lächeln oder lästern mochte, aber irgendwann geriet die Sache in Vergessenheit, und das war sicher gut so. Joachim Lottmann dagegen, Zeit-Autor und Romancier ("Mai, Juni, Juli, 1987"), findet diese Episode weiterhin so bemerkenswert komisch, dass er um sie herum einen ganzen Roman gebastelt hat: "Deutsche Einheit" ist sein Titel. Und natürlich entspricht er ganz und gar nicht den Erwartungen des Frankfurter Kritikers, ganz gleich, wer es nun war. Kurz die Geschichte: Ein nicht mehr ganz junger Mann (West) kommt 1995 nach Berlin, um dort als Stipendiat den Roman zur deutschen Einheit zu schreiben. Er recherchiert in West und noch mehr in Ost, lernt jede Menge junger Frauen kennen, mit einer (Ost) schläft er denn auch (deutsche Vereinigung!), irgendwann, nach fast 400 Seiten, ist die Geschichte zu Ende, und wir haben kapiert, dass schon die Geschichte von der Arbeit am Roman zur deutschen Einheit der Roman zur deutschen Einheit sei. Wir haben aber auch kapiert, dass hier jene Sorte Roman parodiert wird, die die Geschichte vom Verfertigen eines Romans mit dem eigentlichen Roman verwechselt (besonders interessant, wenn der Held dabei scheitert). Diese große Pointe umrahmt eine Unzahl kleiner Pointen und Gags, die allesamt die Absonderlichkeiten und Eitelkeiten des deutschen Literaturbetriebs "zur Kenntlichkeit entstellen." Marcel Reich-Ranicki, Heiner Müller samt junger Gattin, nicht alle, aber doch ein guter Teil der üblichen Verdächtigen purzeln und torkeln durch diese Taugenichts-Geschichte. Manchmal ist das ja ganz lustig, aber je länger die Lektüre dauert, desto heftiger stellt sich die Frage: Wen interessiert das eigentlich? Wer sich ein Quäntchen Geschmack und Urteilsvermögen bewahrt hat, weiß doch selbst, was er von diesem Zirkus zu halten hat. Auch wenn der Stipendiat über die deutschen Zustände schlechthin Gift und Galle spuckt, macht sich spätestens auf halber Strecke Überdruss bemerkbar. Die Präpotenz eines gewissen Hauptstadtmilieus geht mittlerweile sogar eingefleischten Berlinern auf die Nerven, um sie zu entlarven, braucht niemand literarische Nachhilfe. Und natürlich ist es kaum noch möglich, unbelastet von jeder Phrase über das "dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte" zu sprechen, billige Pointen aber taugen kaum, um diesem Dilemma zu entkommen. Und so weiter Die ganze Erregung über das deutsche Mittelmaß führt zu dem überraschenden Effekt, dass man dieses Land plötzlich gar nicht so unsympathisch findet, samt seinen Romanciers, die ihr Publikum satirisch-witzig belehren, erziehen und verbessern wollen. Durchschnittlichkeit ist zwar langweilig, aber immerhin zutiefst human. Will nicht darüber einmal jemand einen Roman schreiben, zum Lob der deutschen Verhältnisse?Am besten hört man sich gleich vorneweg die CD an, die dem Hörspielbuch von Werner Kofler und Antonio Fian beigepackt ist. Da erschallt kurz eine idyllische Tonfolge, die vom Geklapper einer Schreibmaschine jäh unterbrochen wird. Wie ein automatisches Gewehr rattert die Maschine in den Text hinein: "Der Erlöser. Eine Simulation" - eines von drei Hörspielen, die in dem Band "Blöde Kaffern, dunkler Erdteil" abgedruckt sind. Um welchen großen Sohn Österreichs es sich bei diesem Erlöser handelt, wird relativ rasch klar. Kofler und Fian zählen seine Wunder auf: "Body and Soul", "Luna Luna", "Begegnungen", "Theater des Feuers" ("wie ich den Himmel in ein Flammenmeer verwandelte"), "Begnadete Körper" ("wie ich dem chinesischen Volk seine Kultur nahe brachte"). Gnadenlos machen sich Kofler und Fian über die Gestalt des Mannes her, über seine Sprechweise und seine Versprechungen. Das Evangelium selbst kehrt hier als Soap-Opera wieder, als ein flott inszeniertes Stimmentheater, in dem die großen Dichterfürsten der Heimat dem neuen Messias ihre Aufwartung machen. Während dies im Falle von Thomas Bernhard etwas hölzern ausfällt und sich auf die Ersetzung des Wortes "Sachertorte" durch "Nazikuchen" beschränkt, ist die stimmliche Realisierung von Heimito "Dodi" von Doderer unübertroffen. Begeisterung wird hier zur nasalen Kür, schließlich kann der Autor nicht umhin, seine Bewunderung des Gedichtes "Ich bin, der ewig schon gewesen" zu "exhibieren" - das "Größte", was dem Erlöser seit der "Unterwasserbeleuchtung des Attersees" gelungen sei. Bei so viel Verehrung weiß am Ende nicht einmal mehr Jesus Christus, ob er selbst oder nicht doch der hybride Menschenkünstler Andre Heller der wahre Erlöser ist. In Zeiten der Postmoderne muss die Mediensatire vielleicht so aussehen wie bei Kofler und Fian: ein Echoraum verzerrter Stimmen, in dem alle Simulationen einer nochmaligen Simulation ausgesetzt werden, absurd-übersteigert in allen Details und bis zur Blödsinnigkeit witzig, egal ob es sich hierbei um den "Erlöser" handelt oder die Kärntner "Verbrecherfamilie" Wanz, der in dem Hörspiel "Lombroso in Leipzig" ein fragwürdiges Denkmal gesetzt wird.

Martin Droschke in FALTER 48/2000 vom 01.12.2000 (S. 70)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Schweres Wasser (Martin Amis, Jan Engelmann)
Weihnachten für Fortgeschrittene (Linda Stift, Martina Schmidt)
Deutsche Einheit (Joachim Lottmann)
Amerika (Sibylle Berg)
Wohin? (Harald Schmidt)
Der Mann, der ins Gefrierfach wollte (Karl-Markus Gauß)
Die neue Ordnung des Politischen (Elisabeth Anselm, Aurelius Freytag, Walter Marschitz, Boris Marte)
Wörterbuch der Redensarten (Werner Welzig)
Immer nie am Meer (Christoph Grissemann, Dirk Stermann)
Blöde Kaffern, dunkler Erdteil (Werner Kofler, Antonio Fian)
Melancholie der Ankunft (Jhumpa Lahiri, Barbara Heller)
Republik der Sekretäre (Samo Kobenter)
Rapid - Die Chronik. 1899-1999 (Roland Holzinger)

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