Das Fischkind
Roman

von Lucía Puenzo

Derzeit nicht lieferbar

Übersetzung: Rike Bolte
Verlag: Wagenbach, K
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 24.02.2009

Rezension aus FALTER 24/2009

Hätte die Sehnsucht einen Ort, läge er wohl unter Wasser, in jenem See in Paraguay, in dem die junge Lala täglich bis zur Erschöpfung schwimmt. Nichts passiert – aber eines Tages sieht sie einen Jungen, der sie aus den Tiefen des Wassers anlächelt. "Durch die weiße Haut des Jungen schimmerten Venen hindurch, über seinen grauen Augen bogen sich lange Wimpern, das Haar schimmerte grünlich und war dicht wie Algen." Noch bevor man weiß, dass ein Kind hier ertrank und warum, geht einem diese Begegnung so nahe, dass man den Buben für wirklicher hält als Lala. Und spätestens hier wird klar: Man befindet sich in einem lateinamerikanischen Roman, wo auf dem Lande Traumartiges geschieht, während die Menschen in den Großstädten traurige Dinge tun, um ihrem reizüberfluteten Leben zu entfliehen. Zwei Welten bilden die Pole dieser schnörkellos erzählten, verzaubernden Prosa. Zwei Welten zerklüften diesen Figuren allmählich das Herz.
Tatsächlich stammt "Das Fischkind" von einer Argentinierin. Lucía Puenzo, 35, schrieb ihn bereits mit 23 Jahren und hat ihn dieses Jahr selbst verfilmt. Erzählt wird die Geschichte einer Liebe, aber auch aus dem Unruheherd eines Landes, in welchem hierarchische Strukturen das Leben bestimmen. Lala wächst in der weißen Mittelschicht auf. Ihr Vater ist ein berühmter, depressiver Autor, die Mutter wandelt längst auf spirituellen Abwegen. Magischer Anziehungspunkt für Lala ist deshalb "die Guayi", die paraguayische, selbst minderjährige Hausangestellte. Erzählt sie von ihrer Heimat, vom blauen See von Ypacaraí, ist Lala hingerissen. Singt die Guayi auf Guarani, der Sprache ihrer Kindheit, klingt ihre Stimme "fremd, schwer, samtig, indianisch". Und so entspinnt sich eine zarte Beziehung, der bald Taten folgen.
Flucht, Trennung und Suche drängen alles Magische in den Hintergrund und machen den Roman zeitweise etwas unübersichtlich. Was dabei seltsamerweise wenig stört, ist die ungewöhnliche Erzählperspektive: Lalas kluger Hund berichtet – und lässt keinen Geruch aus. Und so wirkt diese Prosa sinnlich, zart, immer ein wenig neben der Spur und nahe dran an den Orten der Kindheit.

Anja Hirsch in FALTER 24/2009 vom 12.06.2009 (S. 21)


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