Das Informationszeitalter
Jahrtausendwende

von Manuel Castells

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Leske und Budrich
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 33/2002

Der Hype um den Theorie-Wälzer "Empire", der Kult um den Denker Manuel Castells, Epochenbruch und Radical Chic: Warum große Megatheorien zu Kassenschlagern, ihre Autoren heute wieder zu Gurus und Propheten werden.

... "Die Netzwerke bilden die neue soziale Morphologie unserer Gesellschaften", schreibt Castells und: "Die Netzwerklogik, verkörpert durch das Internet, ist nun auf jeden Tätigkeitsbereich anwendbar, auf jeden Zusammenhang" und revolutioniere sämtliche "sozialen Interaktionsformen". Eine Netzwerkmentalität entstehe, die alles vereinigt und nichts unversehrt lässt: Staat und Konzerne, Parteien, Gewerkschaften, Herrschende und Subkultur, Multis und al-Qa'ida, den Computerfreak von nebenan, den Broker in Tokio und den Attac-Aktivisten in Purkersdorf. Die neue Gesellschaft ist sowohl "kapitalistisch als auch informationell", funktioniert auf "planetarer Ebene" und das "in Echtzeit". Die "Macht der Ströme" zwischen den globalen "Megastädten", den Knotenpunkten des horizontalen Netzwerkes spielt die vertikalen "Ströme der Macht" der hergebrachten Ordnung gnadenlos aus. Diese Macht charakterisiert den "Geist des Informationalismus", wie Castells, des Understatements unverdächtig, in selbstbewusster Nachfolge von Max Weber ("Geist des Kapitalismus") formuliert...

... Castells präsentiert uns eine fröhliche Wissenschaft: Sein Glaube an die "Autonomie des menschlichen Verstandes" steht felsenfest. Das Informationszeitalter gäbe den Menschen erstmals die Chance, die Technologie zu formen, "sodass sie ihren eigenen Bedürfnissen entspricht". Getrübt werden die rosigen Aussichten höchstens durch die tragische Einsicht, dass "die herrschende Logik der Netzwerkgesellschaft ihre eigene Herausforderung" produziert - und zwar in Form des Widerspruches zwischen "dem Netz und dem Selbst", den identitären, regionalistischen und fundamentalistischen Gegenreaktionen...

... Castells verwahrt sich in professoraler Attitüde gegen Prophezeiungen jeder Art, aber natürlich ist auch in seinem Werk eine prognostische Kraft still am Werken. Wenn fundamentalistische Gegenreaktionen den gesamten Prozess nicht noch zum Kollabieren bringen, dann ist der Fluchtpunkt seiner Erzählung der endgültige Untergang der alten Mächte, die die Subjekte in ihre Befehlsketten einspannen. Eine sanfte eschatologische Gewissheit darüber ist bei ihm nicht zu leugnen, dass die Kräfte des Neuen zweifelsfrei Kräfte des Guten sind und den Wind der Geschichte in ihrem Rücken haben.

Robert Misik in FALTER 33/2002 vom 16.08.2002 (S. 15)


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