Haus der Stummen
Roman

von John Burnside

€ 20,60
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Übersetzung: Bernhard Robben
Verlag: Knaus
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 256 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.09.2014

Rezension aus FALTER 40/2014

Wer mit John Burnside in den Keller geht, hat nur selten was zu lachen

Ist Sprache angeboren, oder wird sie erlernt? Was also passiert mit Kindern, die isoliert aufgezogen werden, ohne dass ein Wort an sie gerichtet wird? Es waren Fragen wie diese, die John Burnside zu seinem ersten Roman inspirierten. Und schon mit seinem Debüt erweist sich der Schotte als sprachmächtiger Meister des Surrealen und Schaurigen.
Seine starke Wirkung verdankt das Buch vor allem der Perspektive: Man liest die Ich-Erzählung eines Psychopathen und unternimmt einen Horror­trip durch dessen Kopf. Luke, der nach dem Tod seiner Mutter allein in einem verwunschenen Haus lebt, gibt zunächst eine Zeitungs­annonce auf, in der er sich als Wissenschaftler ausgibt.
Der kleine Bub, den ihm eine ratlose Mutter präsentiert, macht ihm allerdings Angst: "Etwas in der Art des Kindes suggerierte eine schier unerträgliche Bedrohung, ein Gefühl grauenhafter Erwartung." Wohingegen ihn die Passivität der Mutter dazu provoziert, Gewalt gegen diese auszuüben.
Seine zweite Chance als "Forscher" erhält Luke, als ihm eine junge Frau von der Straße zuläuft. Dass sie kurz nach der Geburt von Zwillingen stirbt, ist ihm gar nicht unrecht. So hat er die Kinder für sich allein und kann sie in den Keller sperren: Werden sie zu sprechen beginnen?
Nachdrücklich macht Luke klar, dass er sich für einen Auserwählten hält. Andere Menschen haben für ihn nur Bedeutung, solange sie ihm in irgendeiner Weise nützlich sind. Haben sie ihren Zweck erfüllt oder enttäuschen ihn, lässt er sie ganz schnell wieder fallen – oder stellt Schlimmeres mit ihnen an.
Dabei ist Luke beseelt von einem diffusen Überlegenheitsgefühl. "Ich fürchte, die meiste Zeit war ihr Kopf leer", schreibt er über Lillian, die Mutter der Zwillinge. "Manchmal fiel es mir schwer, ein eigenständiges Wesen in ihr zu sehen."
Zartbesaitete werden eher einen Bogen um diesen Roman machen, der einen Blick ins Herz der Finsternis erlaubt. Nur manchmal muss man während der Lektüre auflachen – angesichts des Kontrasts zwischen Lukes überzogener Selbsteinschätzung und seinen dilettantischen Experimenten.

Sebastian Fasthuber in FALTER 40/2014 vom 03.10.2014 (S. 37)


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