Sämtliche Dramen

von Christopher Marlowe, Wolfgang Schlüter

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Verlag: Eichborn
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 9/2000

Unter den elisabethanischen Dramatikern ist Christopher Marlowe einer der ganz wenigen, die in Shakespeares langem Schatten nicht vollkommen in Vergessenheit gerieten. Der 1564, im selben Jahr wie sein berühmter Kollege, geborene Marlowe wurde nur 29 Jahre alt; sein Leben war kurz, aber heftig. Er wurde unter Mordverdacht verhaftet, der Häresie und der Verschwörung bezichtigt - und bei einer Wirtshausstreiterei schließlich auf ziemlich brutale Weise umgebracht: Jemand hatte ihm ein Messer durch das Auge gerammt. Marlowes Tod passt zu seinen alles andere als zimperlichen Stücken. Sechs Tragödien hat er hinterlassen, darunter "Der Jude von Malta", einen "Faust" und das schwule Königsdrama "Edward II.", das Claus Peymann 1998 im Kasino inszeniert hat. Dass in einem aufwendig gestalteten - und entsprechend kostspieligen - Band nun "Sämtliche Dramen" vorliegen, ist schon deshalb zu begrüßen, weil es dazu beitragen könnte, dass diese wilden, heiß-kalten Stücke häufiger gespielt werden. Die Frage, ob der von Marlowe mit einiger Eleganz vorgegebene Blankvers ins Deutsche übernommen werden soll, hat der Herausgeber und Übersetzer Wolfgang Schlüter mit einem nicht uneleganten Kompromiss beantwortet: Blankvers ja, aber nicht um jeden Preis. Auch verschiedene Dialekte kommen zum Einsatz; der "Jew of Malta" etwa ist hier kein "Jude", sondern ein "Jid von Malta". Schlüter: "Aus dem Malteser Juden einen Wiener Jid zu machen, mag dem zärtlichen Sadismus, der dämonischen Gemütlichkeit, mit der wir seit Karl Kraus und Qualtinger vertraut sind, näher kommen als es das hispano-italienische Milieu vermöchte, dem dieser elisabethanische Jew entspross."

Wolfgang Kralicek in FALTER 9/2000 vom 03.03.2000 (S. 62)


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