Big Trouble

von Dave Barry, Edith Beleites

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Eichborn
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

Amerikanischer Humor der milden Sorte: David Sedaris ist seine Familie abhanden gekommen, und Dave Barry hat einen turbulenten Krimi geschrieben.

Es war zu befürchten: David Sedaris ist erwachsen geworden. Wehmütig erinnert man sich an das durchgeknallte Kind, das er einmal war. Traurig nimmt man zur Kenntnis, dass das Leben auch eine literarische Figur zur Räson bringt und bändigt. Die Rede ist von dem Icherzähler und Alter Ego des gleichnamigen Autors des Bestsellers "Nackt". In 17 leichtfüßigen Erzählungen hat er darin das Leben eines amerikanischen Jungen von der Schulzeit bis zum College aufgerollt. Angefangen von den Macken, die David während seiner Schulzeit befallen und die sich zu veritablen Obsessionen auswachsen - wie etwa hingebungsvolles Treppenküssen, wohliges Mit-dem-Kopf-Wackeln oder manisches Möbelverrücken -, begleitet der Leser den Buben beim Heranwachsen.

Schauplatz, Dreh- und Angelpunkt der meisten Geschichten bildet David Sedaris' Familie, die man sich als eine Art Addams Family inmitten eines idyllischen amerikanischen Vorortes vorstellen darf. Davon, dass hinter den schmucken Vorgärten und in den biederen Stuben natürlich nichts so ist, wie es scheint, erzählt Sedaris in einem unwiderstehlichen Plauderton. Im soeben erschienenen Band "Ich ein Tag sprechen hübsch" kommt ihm diese hinterwäldlerische Enge abhanden, und ohne die Familie im Nacken sind die Geschichten nur mehr der halbe Spaß.

David ist mittlerweile am Ende des Studiums angelangt, weiß nichts Rechtes mit sich anzufangen und hält sich mit dubiosen Jobs über Wasser. Er arbeitet bei einer kapitalistischen Gönnerin junger Literaten, um bald darauf bei einem kommunistischen Möbelpacker zu landen. Von dort verschlägt es ihn mit seinem Liebhaber nach Frankreich, wo er sich mit sadistischen Französischlehrern herumplagen muss. Ein Zitat aus diesen qualvollen Lektionen wurde zum Titel der neuen Erzählungen, mit denen Sedaris jene Fortsetzung produziert hat, die Kritiker, Verleger und Leser von ihm erwarten. Brav.Wenn Sedaris als Musterknabe der humorigen Erzählung gelten muss, dann ist Dave Barry so etwas wie der Klassenclown unter den amerikanischen Journalisten. Barry schreibt nicht nur für zahlreiche Magazine Kolumnen, er schreibt auch mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Kommentare. Und Bücher. Vornehmlich solche, in denen er sich mit beißendem Spott über den Boom der Ratgeberliteratur hermacht. Für seine Attacken auf die Lachmuskeln und auf verklemmte amerikanische Gemüter wurde er mit Ikonen wie Woody Allen oder den Marx Brothers verglichen. Lorbeeren, die er für seinen neuen Roman "Big Trouble" nicht verdient, denn dazu sind ihm die Figuren zu eindimensional, ist die Handlung zu platt geraten. Andererseits gelingt es Barry, die Spannung durch immer neue Verstrickungen seines Protagonisten aufrecht zu erhalten.

Eliot Arnold, ein gescheiterter Journalist, betreibt im Herzen von Miami erfolglos eine Werbeagentur und wird in einen Kriminalfall verwickelt, bei dem Korruption und Schmiergelder eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Gemeinsam mit Auftragskillern, der Polizei, dem FBI und zwei russischen Waffenschmugglern findet sich der unbescholtene Eliot unversehens auf der Jagd nach einer Atombombe, die sich im Besitz zweier durchgedrehter Kleinganoven befindet, die - und darin gipfelt der atemlose Plot - eine Geisel gefangen nehmen und ein Flugzeug entführen.

Genauso plötzlich wie der Spuk begonnen hat, endet er auch wieder: Die Bösen sterben, die Guten verlieben sich ineinander. Eliot und die von ihrem Ehemann misshandelte Anna werden ein Paar, sein Sohn Matt bandelt mit Jenny, Annas bildhübscher Tochter, an. Monica, die stramme Polizistin, ist mit Harvey vom FBI liiert. Sogar Puggy, der einfältige Obdachlose, zieht bei Nina, dem mexikanischen Dienstmädchen ohne Aufenthaltsgenehmigung, ein. Wie schön.

Petra Rathmanner in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 9)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Ich ein Tag sprechen hübsch (David Sedaris, Georg Deggerich, Harry Rowohlt)

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