Das große Testtraining der allgemeinen Bildung

von Jürgen Hesse, Hans Christian Schrader

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Eichborn
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 41/2001

Zahlen, Daten, Fakten ersetzen die Kennerschaft, Information das Wissen, Postmoderne die Kritik, Bildschirmoberflächen die Einsicht, Werbesprüche die Sprache. Die Medien, wir wissen es, sind daran schuld. Schuld am laufenden Schwachsinn, an der Niveaulosigkeit der Talkshows, ja, an der Schlechtigkeit der Welt als solcher. Schuld auch daran, dass Intellektuelle derart leiden müssen, wenn sie einmal "Ausflüge in die Fun-Gesellschaft" machen. Von dort heimgekehrt in die Studierstube voll guter Bücher jammern sie profund über eine Gesellschaft, die ihre Subjekte partout nicht in ihre wohlverdiente Autonomie entlassen will. Sozialismus, Talkshows, Werbung, Systemtheorie und nicht zuletzt das Web. Das alles (!) ist für Peter V. Zima der Schrott, der das ganze Unwahre noch zusammenhält. Wie gut für die Autoren von "Strategien der Verdummung", dass sie in einer derart schlechten Welt offensichtlich nicht zu Hause sind, sondern nur Ausflügler.Ja, das Fernsehen. In diesen Quizshows testen sich doch täglich Millionen Menschen. Da behaupte noch einer,Wissen habe heute keine Verbreitung mehr. Mit "Das große Testtraining der allgemeinen Bildung" von Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader gibt es das Ganze jetzt auch in Buchform – wer sagts denn. Eine Stichprobe zeigt jedem sofort, wie wenig man wissen kann und wie spannend die Antworten ausfallen, wenn Günther Jauch einmal nicht dabei ist. So fragen Hesse und Schrader in Kapitel 7: "Wie viele Götter waren im Olymp? 3, 10, 12 oder 20?" (Frage 42). Die überraschende Lösung auf Seite 347: "Der höchste Berg Griechenlands, der Olymp (2918 m) galt als Sitz der Götter." Ehrlich, hätten Sie es gewusst? Was übrigens Zladko und Verona möglicherweise nicht wissen: ihre Existenz wird immer erst durch den intellektuellen Verriss besiegelt.Warum ist immer alles so vorhersagbar, wenn berufskritische Autoren sich im neuen Kursbuch 145 dem laufenden Schwachsinn widmen! Soviel stating of the obvious kann wirklich nur von und für Leute geschrieben sein, die keinen Fernseher haben. Allerdings bewahrt eine gute Essayistin wie Barbara Sichtermann die Kraft kritischer Analyse: Intellektuelle Eliten fürchten den Kontrollverlust und haben einen intuitiven Abscheu vor kollektiver Mediennutzung. Deshalb ist das für sie schlecht und dumm, wofür ihnen das Sensorium fehlt. Dabei lasse sich gerade am zielgruppen- und schichtenspezifischen Fernsehen ablesen, dass wir eben immer noch in einer Klassengesellschaft leben. Mit Qualitätsverlust oder Dummheit, so Sichtermann, hat das primär nichts zu tun. Linke Kritik ist unpopulär geworden, vielleicht weil sie oft recht dogmatisch und mit bockiger Rhetorik daherkam. Zu den Effekten der neuen Medien, der Informations- und Kommunikationstechnologien, passte viel besser die "kalifornische Ideologie" des Neoliberalismus.Aber die Zeiten haben sich geändert, mit Abwertung der Aktienkapitale ist der Enthusiasmus verschwunden und eine Dekonstruktion der "Mythen der New Economy" ist angesagt. Statt Visionäre und Ideologien der virtuellen Klasse rhetorisch zu verunglimpfen, wählt der Journalist Joachim Bischoff den sicher nicht dummen Weg, deren Überschätzungen mit Zahlen und Fakten zu konfrontieren. Eine lohnende Lektüre, die mindestens Wert 8 auf der zehnteiligen Bourdieu- Skala erreicht.

Frank Hartmann in FALTER 41/2001 vom 12.10.2001 (S. 24)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Strategien der Verdummung (Jürgen Wertheimer, Peter V. Zima)
Kursbuch Heft 145 (Hans Magnus Enzensberger)
Mythen der New Economy (Joachim Bischoff)

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