Sibirischer Schwindel. Zwei Abenteuerromane

von Stefan Sullivan

€ 37,00
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Übersetzung: Ulrich Blumenbach
Verlag: Eichborn
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 330 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.06.2002

Rezension aus FALTER 28/2002

Die Biografie des 36-jährigen Debütautors lässt einiges erwarten: Stefan Sullivan hat eine deutsche Mutter und einen US-amerikanischen Pass, promovierte in Oxford über Marx und Hegel, spielt ausgezeichnet Klavier, forschte für die CIA in Russland, vertrieb LKWs in Sibirien und kann außerdem schreiben - unter anderem Reportagen für Newsweek. So nimmt es auch nicht wirklich Wunder, dass seine beiden Abenteuerromane, die unter dem Titel "Sibirischer Schwindel" noch vor dem englischen Original in deutscher Übersetzung erschienen sind, halten, was diese schillernde Vita verspricht.

In "Platons Tundra" begibt sich der Icherzähler Anfang der Neunzigerjahre nach Sibirien, um vor Ort für einen Dokumentarfilm über den jakutischen Intellektuellen Platon Ojunskij zu recherchieren. Der verfasste das legendäre Epos vom "Roten Schamanen", verband selbst heidnische Traditionen mit dem Kommunismus und fiel den stalinistischen "Säuberungen" zum Opfer. Im postsowjetischen Sibirien interessiert sich allerdings niemand für das Projekt, das prompt zum Fiasko gerät. Dennoch oder gerade deshalb erlebt der Icherzähler so manch Erzählenswertes - von notorischen Wodkaorgien über jakutische Rockfestivals bis hin zur liebevollen Betreuung durch örtliche Schönheitsköniginnen.

Das "Tagebuch einer Cowboy-Klitsche", der zweite, ebenfalls wohl nur semifiktionale Bericht, spielt ein paar Jahre später - in derselben Gegend zwar, aber im längst halb kriminell gewordenen Milieu der neuen sibirischen Unternehmerklasse. Mit diesem Doppelpack liefert Stefan Sullivan jedenfalls famose Sittenbilder des "Wilden Ostens", die nicht nur in grellen Farben sibirischen Sex, Drugs and Rock 'n' Roll schildern, sondern auch unaufdringlich von der Vergangenheit dieses rätselhaften riesigen Kontinents zwischen Ural und Pazifik erzählen.

Klaus Taschwer in FALTER 28/2002 vom 12.07.2002 (S. 52)


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