Heldensterben

von Christine Grän

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Verlag: Eichborn
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Erscheinungsdatum: 01.04.2008

Rezension aus FALTER 41/2008

Wienromane gibt es wie Sand am Donaustrand, doch die Steirerin Christine Grän ist eine Klasse für sich: die wohl brillanteste und böseste Autorin auf dem weiten Feld literarischer Unterhaltung. Mit "Heldensterben" hat die Wahldeutsche heimgefunden in ein Wien des moralischen Zwielichts und der existenziellen Finsternis. Ihre Helden sind keine, aber ums Sterben geht es in dieser Stadt naturgemäß: Die kleingewachsene Lucie plant ihren Selbstmord, zuvor aber ein Opus magnum über suizidale Vorbilder. Mit der lesbischen Porno-Nachwuchskraft Anna zieht sie ein blühendes Leichenreden-Business auf. Anna war mit einer rechten Politikerin liiert, die, natürlich, Hand an sich gelegt hat. Und da sind noch Lucies Jugendliebe Ado, ein Krimileser (mit Alkoholproblem), und der cineastisch verdorbene Pornoproduzent Ludwig (mit Erektionsproblem).
Kleiner Wermutstropfen in Gräns mit Formulierlust und Kunstverstand gemixtem Cocktail: die kulturgeschichtliche Ambition. Hier soll sichtlich der deutsche Leser mit wirklich allen Abgründen der Donaustadt bekanntgemacht werden, was dem Unternehmen einen Hauch von Volkshochschule verleiht. Mit der hübschen dialektalen Einfärbung schlägt sich Piefkinesisches wie "Kissen" und "Akte". Erstaunlich genau hat Grän sich mit der jüngsten (Skandal-)Geschichte ihrer Heimat befasst: "Friedhöfe sind idyllische Orte, weil sie von Wahlplakaten verschont bleiben."

Daniela Strigl in FALTER 41/2008 vom 10.10.2008 (S. 20)


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