Die Kinder von Wien
Roman

von Robert Neumann, Klaus Harpprecht, Ulrich Weinzierl

€ 30,90
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Verlag: Eichborn
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 256 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.03.2008

Rezension aus FALTER 41/2008

Robert Neumann, der bereits 1934 ins (vorerst provisorische) britische Exil ging, ist vor allem als großartiger Literaturparodist ("Fremde Federn") bekannt. Dass sein 1946 auf Englisch erschienener Roman "Die Kinder von Wien" in der von Neumanns Frau besorgten Übersetzung 1948 auf heftige Ablehnung stieß, verwundert nicht: Das Buch lag völlig quer zur österreichischen Opfermythologie des Wiederaufbaus.
"Ein zynisches Kaleidoskop", als welches der Roman kritisiert wurde, ist dieser freilich mitnichten; zynisch ist bloß die Welt, die er beschreibt: In grellen Typisierungen (einer der Pro­tagonisten heißt schlicht Jid) wird der Überlebenskampf eines halben Dutzends Kinder beschrieben, die sich u.a. durch Schleichhandel und Gelegenheitsprostitution über Wasser halten. Neumanns eigene Übertragung besticht vor allem durch ihr eigenartiges, aus Jiddisch, Rotwelsch und Amerikanismen collagiertes Idiom, das mitunter Wolf Haas' Kunstkonversa­tionston zu antizipieren scheint.
Der stark kammerspielartig inszenierte Roman wird zwar zusehends konventioneller, seine "Botschaft" überexplizit, bleibt aber dennoch ein beeindruckend kühnes Stück Trümmerliteratur. Die Dokumentarfotos von Ernst Haas und Ulrich Weinzierls ausführliches Nachwort sind tolle Zusatzfeatures.

Klaus Nüchtern in FALTER 41/2008 vom 10.10.2008 (S. 20)


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