Weltchronik 1493
Einleitung und Kommentar von Stephan Füssel; 730 Abbildungen

von Hartmann Schedel

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Taschen
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 17/2002

Soeben ist die "Weltchronik 1493" neu erschienen. In dem Werk sind auch alte Geschichten aus Wien zu finden.

Der damalige Chronist war nichts weniger als berauscht: Er rühmte "die wohlhabendste, volkreichste und älteste Stadt an der Donau", er fand lobende Worte für die reichen und geschäftigen Vorstädte, nicht schlecht staunte er auch über die Weltoffenheit der Stadt, in der mehr Zugezogene als Alteingesessene wohnten. Es muss anno dazumal paradiesisch in Wien zugegangen sein: "In jedem Haus, in das du hineingehst, meinst du, du seist in die Wohnung eines Fürsten gekommen."

Seit damals, als der Arzt und Humanist Hartmann Schedel in seiner Enzyklopädie "Weltchronik" 1493 das gesamte Wissen seiner Zeit zwischen zwei Buchdeckel fasste, hat sich auch im hymnisch beschriebenen Wien einiges verändert. Gleich geblieben ist vielleicht nur das Staunen von heutigen Besuchern, "wie viel Wein in die Stadt eingeführt und dort auch ausgetrunken wird", "wie tief und weit" die Weinkeller sind, wie der von Schedel zitierte Enea Silvio Piccolomini (1405-1464), der spätere Papst Pius II., irritiert notierte.



Die frühe Kunde über die "weltberühmte Stadt in Österreich" findet sich in der soeben neu aufgelegten, bislang zigtausend Euro teuren Schedel'schen "Weltchronik" von 1493, einem der aufwendigsten Buchunternehmen seit der ungefähr 1454 entstandenen Gutenberg-Bibel. Der weltweit agierende Kölner Taschen Verlag, in dessen Programm wahre Buchjuwelen neben grellbunter Kulinarik friedlich koexistieren, hat das Buch nun in einer preiswerten Prachtausgabe mit 1804 faksimilierten Holzschnitten neu herausgebracht - das Buch wurde dereinst schon auch einmal um fünf Ochsen verkauft. Stephan Füssel, Direktor des Instituts für Buchwissenschaften an der Johannes Gutenberg Universität, steuerte die Kommentare bei. Die aus einer Reihe von Quellen kompilierte und dabei besonders die europäische Geschichte berücksichtigende Enzyklopädie fängt mit der Erschaffung der Welt an und endet mit einem Ausblick auf den Antichrist und das Jüngste Gericht.

Die Chronik ist mehr als nur ein kiloschwerer Wälzer, auch mehr als eine Fundgrube für verstaubte Wissenschaftsmenschen, vielmehr kann man dem Herrgott bei der Erschaffung der Welt über die Schultern schauen, klappt das Buch befriedigt zu und sagt: "Siehe da, es war sehr gut" (zumindest die Lektüre). Wunderbare Kuriositäten nebst erstaunlichen Gedanken sind da in den weitschweifigen Texten immer wieder zu finden: "Etliche meinen, dass die Welt geschaffen und auch zerstörlich sei. Und sie sagen, dass die Menschen ihren Ausgang bei einer Geburt genommen hätten."

Wolfgang Paterno in FALTER 17/2002 vom 26.04.2002 (S. 77)


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