Abendländische Eschatologie
Ad Jacob Taubes

von Richard Faber, Eveline Goodman-Thau, Thomas Macho

€ 50,40
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Verlag: Königshausen u. Neumann
Format: Taschenbuch
Genre: Philosophie/20., 21. Jahrhundert
Umfang: 570 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.07.2001

Rezension aus FALTER 41/2001

Ein Sammelband zur "Abendländischen Eschatologie" von Jacob Taubes (1923–1987) beackert ein weites Feld zwischen Theologie und Politik, zwischen Kunst und Literatur.

Der letzte expressionistische, vom revolutionären Geist der Veränderung getriebene Denker des deutschen Judentums – zu dem auch das des Habsburgerreichs und seiner Nachfolgestaaten gehört – war Jacob Taubes. 1923 in Wien als Abkömmling einer alten Gelehrtenfamilie geboren, überlebte er die Shoah, weil sein Vater 1936 als Oberrabbiner nach Zürich berufen worden war. In Amerika nach dem Krieg Religionsphilosophie lehrend, erhielt er 1963 an der Freien Universität Berlin den nach Wien ältesten Lehrstuhl zur Erforschung des Judentums auf dem Boden des ehemaligen Nazireichs. Von Taubes erschien zu Lebzeiten ein einziges Buch, seine 1947 in Zürich vorgelegte Dissertation, "Abendländische Eschatologie". Sie bildete Versprechen und Erfüllung in einem. Taubes erkannte in religiösen Vorstellungen vom heilbringenden Ende der Welt und der Zeit unmittelbar davor, in Apokalyptik und Eschatologie, die im antiken Judentum entstanden waren, das Wesen der europäischen Geschichte schlechthin. Israel erschien ihm als "Ort der Revolution", an dem, unter Wirkung messianischer Kräfte und inmitten katastrophischer Ereignisse, menschliche Existenz ganz verwandelt würde, um sich in der "künftigen Welt" als erst wirklich menschenwürdige zu erweisen. Das so entstehende "Reich der Freiheit" war ein diesseitiges und auf Erden, nicht im Himmel beheimatet. Propagiert hatte diese Lehre der Verfasser der Johannesapokalypse des Neuen Testaments ebenso, wie sie Hegel und Marx als Philosophen lehrten, die wie jener auf die Macht der Negativität zur Herstellung des Heils setzten. Ihre Entwürfe einer umstürzenden Geschichtsphilosophie zeichnete Taubes in seinem Jugendwerk minutiös nach. Zum fünfzigjährigen Erscheinen der "Abendländischen Eschatologie" – zugleich im zehnten Todesjahr ihres Verfassers – wurde an der Evangelischen Studienstiftung Villigst in Deutschland eine Tagung abgehalten, deren Beiträge nun erschienen sind, herausgegeben vom Berliner Religionssoziologen Richard Faber, der Wiener Rabbinerin Eveline Goodman- Thau und dem in Berlin lehrenden Wiener Kulturwissenschaftler Thomas Macho. Der umfangreiche Band gliedert sich in vier Teile, die Kommentare zur "Abendländischen Eschatologie" selbst, Ergänzungen zu ihr, Erörterungen ihrer Voraussetzungen und Vergleich mit anderen Formen heilsgeschichtlichen politischen Denkens umfassen. Sie stellen so eine Anleitung zur Lektüre ebenso wie Elemente zur Weiterführung als auch Kritik von Taubes' intellektuellem und existenziellem Vorhaben dar, ein weites Feld zwischen Theologie und Politik, zwischen Kunst und Literatur eröffnend. So wird etwa in den Ausführungen des Tübinger Religionshistorikers Hubert Cancik deutlich, wie sehr Taubes sich auf antikes Material zwar berief, in seiner Auslegung aber den "großen Entwürfen" der "jüdischen Renaissance der Weimarer Republik" von Franz Rosenzweig und Ernst Bloch folgte. Thomas Macho wiederum macht deutlich, welch wichtigen Anteil die erste Ehefrau, Susan Taubes, am Werk ihres Mannes hatte, mit dem sie das Denken der französischen Philosophin und jüdischen Konvertitin Simone Weil, einer modernen Gnostikerin der Weltablehnung, entdeckte. Eine Bibliographie der Texte von Jacob Taubes beschließt den Band.An ihr lässt sich erkennen, dass er, mit aller Begeisterung für den anarchischen Geist der Verwirklichung, "interpretierender Philosoph" im besten Sinn gewesen ist.

Martin Treml in FALTER 41/2001 vom 12.10.2001 (S. 25)


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