Die Farbe von Wasser
Erinnerungen

von James McBride

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Berlin
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 19/1999

Mater familias

Der schwarze Journalist James McBride hat eine berührende Familiengeschichte verfaßt, die von einer einzigartigen Frau und Mutter, aber auch von den Rassenkonflikten in den USA erzählt

Gewiß, die eigene Mutter ist immer die beste, was am vergangenen Muttertag zu beweisen war. Aber deshalb gleich ein Buch über die Mutter schreiben? Der US-amerikanische Musiker und Journalist James McBride hat es getan, und das war gut so. Denn die schier unglaubliche Geschichte der heute 78jährigen Ruth McBride Jordan, für die ihr Sohn vierzehn Jahre lang recherchierte, ist es allemal wert, erzählt und gelesen zu werden. Und es ist auch nur gerecht, daß sich diese Chronik seit zwei Jahren auf der Bestsellerliste der New York Times hält.

Die Lebensgeschichte von Ruth McBride Jordan beginnt am 1. April 1921 unter dem Namen Ruchel Dwajra Zylska - wie die in eine orthodoxe Rabbinerfamilie hineingeborene Tochter zunächst heißt. Mit zwei Jahren kommt sie in die USA, nach Virginia. Dort, im Süden, ist die Kindheit und Jugend der Rachel Debora Shilsky hart und alles andere als herzlich: Sie erlebt soziale Diskriminierung und sexuellen Mißbrauch durch den hartherzigen Vater. Schließlich wird sie mit 15 von ihrem ersten, schwarzen Freund auch noch schwanger und hat eine Abtreibung.

Wenig später sagt sie sich endgültig von ihrer Familie los und geht nach New York. Sie konvertiert zum Christentum und heiratet 1942 den Schwarzen Andrew Dennis McBride - womit sie für ihr Elternhaus gestorben ist. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem Pfarrer, eröffnet sie eine Babtistenkirche und wird siebenfache Mutter. Als sie mit dem achten Kind schwanger ist, das auf den Namen James getauft werden soll, wird sie Witwe. Wenig später heiratet sie abermals einen Schwarzen und hat weitere vier Kinder, die sie, obwohl sie in bescheidenen Verhältnissen lebt, bravourös erzieht: Alle zwölf Söhne und Töchter haben einen Universitätsabschluß. Mit 65 macht sie selbst dann ein Diplom in Sozialpädagogik und engagiert sich seither in diversen wohltätigen Einrichtungen.

In den 25 klug arrangierten Abschnitten von "Die Farbe des Wassers" ist aber nicht nur die bewegende und bewegte Biografie von Ruth McBride Jordan in Oral-History-Form nachzulesen. In jedem zweiten Kapitel berichtet der Autor von seiner eigenen, nicht immer leichten Kindheit und Jugend als schwarzer Sohn einer weißen Mutter, deren Zuwendung er mit elf anderen Geschwistern teilen muß. Und ohne alle Verklärung kommen auch die kleinen Schwächen der Ruth McBride Jordan ironisch zur Sprache.

James McBride hat weit mehr als eine bloße Familienchronik verfaßt: Sein Buch vermittelt ein realistisches Bild von religiösen und sozialen Konflikten der USA und gibt Einblicke in die an eigener Haut erfahrenen Rassenkonflikte. "Die Farbe von Wasser" wird damit zu einem lebendigen Dokument der jüngeren Geschichte der Vereinigten Staaten. Und des beeindruckenden Lebens einer einzigartigen Frau und Mutter.

Klaus Taschwer in FALTER 19/1999 vom 14.05.1999 (S. 67)


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