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Verlag: Berlin
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 46/2001

Für den deutschsprachigen Raum ist der aus Triest gebürtige und auch heute noch dort lebende Schriftsteller Boris Pahor eine späte Entdeckung. Vor vier Jahren kam der Roman "Kampf mit dem Frühling" heraus, nun ist das bereits 1967 im slowenischen Original veröffentlichte Buch "Nekropolis" erschienen, in dem der 1944 von der deutschen Geheimpolizei aus nichtigem Anlass verhaftete und nach Dachau deportierte Autor seinen 15 Monate währenden Aufenthalt in der über ganz Europa verzweigten Todesstadt verarbeitet. Pahor, der nach Dachau in den KZs von Natzweiler, Dora-Mittelbau, Harzungen und Bergen-Belsen interniert war, beschreibt diese Zeit der permanenten Konfrontation mit dem Sterben aus zeitlicher Distanz: Den Rahmen des Romans bildet ein Besuch, den der Icherzähler der Gedenkstätte Natzweiler abstattet, ein Ort, an dem "das menschliche Böse den menschlichen Schmerz besiegt und dem Verrecken das Siegel der Ewigkeit eingeprägt hat".

Wer überleben wollte, musste sich auf die Komplizenschaft mit dem Tod einlassen, musste die Hoffnung und die Erinnerung an ein Leben, das nicht bloß tagtägliches Überleben ist, vergessen. Und wer tatsächlich überlebte, tat dies nie unbeschadet, sondern blieb ein den Lebenden entrückter Zeitgenosse. Es ist nur konsequent, wenn der Roman, dessen Konturen sich gegen Ende im Essayistisch-Kommentierenden auflösen, ein Gespräch mit Toten ist.

Auch wenn Metaphern und Vergleiche mitunter etwas überinstrumentiert, die zivilisationskritischen Auslassungen manchmal etwas gar allgemein gehalten sind, kann man über dergleichen Schwächen getrost hinwegsehen. Mit erschütternder Akkuratesse beschreibt Pahor den unmenschlichen Pragmatismus des Überlebens ("Man muss sich daran gewöhnen, dann ist es nicht so schlimm"), erinnert aber auch an die menschliche Größe von Kameraden, die keineswegs nur das eigene Leben retten wollten. Und so ist es nicht verwunderlich, dass gerade jemand, der all das erlebt hat, "den Wert der Selbstaufopferung" hochhält.

Klaus Nüchtern in FALTER 46/2001 vom 16.11.2001 (S. 68)


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