Die Endlichkeit des Lichts

von Susanne Riedel

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Berlin
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 47/2001

Was bringt, was beweist der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb? Bündig lässt sich diese Frage nicht beantworten. Die Teilnahme als solche garantiert für nichts, und selbst preisgekrönte Autorinnen und Autoren können hinsichtlich Wertschätzung und Erfolg hinter jene zurückfallen, die unausgezeichnet blieben. Nach einer Besprechung eines Bandes mit den 25 Texten, die bislang den Hauptpreis erringen konnten ("Best of Bachmann?" von Konstanze Fliedl im Falter 46/01), überprüft der Falter diesmal die aktuellen Publikationen von Wettbewerbsteilnehmern der letzten zehn Jahre. Fortsetzung folgt.



Eine von allen geliebte, mit ihrem Leben jedoch höchst unzufriedene TV-Quizmasterin. Ein Einsiedler und Pilzspezialist, von seiner Mutter schon als Kind durch die Psychoanalyse-Hölle getrieben, der in ihrer Sendung den großen Preis abräumt. Und beide lieben sie Gedichte über alles und denken bisweilen sogar in ihnen (er: T.S. Eliot, sie: Anne Sexton). Susanne Riedel, die voriges Jahr den Preis der Jury erhielt, erzählt in "Die Endlichkeit des Lichts" vom Aufeinandertreffen zweier einsamer Menschen - eine durchaus viel versprechende Ausgangssituation. Leider bedient sich die Autorin einer ständig nach Flügeln ringenden, unerträglich "singenden" Sprache, die einem die Lektüre schnell vergällt. Um einen durchaus repräsentativen Absatz zu zitieren: "Singen werde ich, dachte Verna, und singend werde ich mich aus der Welt schlafen, geradeaus, dem Nordstern zu, vor dessen Licht das verloren geht, was mein Gesicht war: Die kleinen Nutten in den feuchten, duftenden Straßen, ein Paar weicher roter Handschuhe und der Kummer, der nie in den wirklichen Kellern, sondern in den Fotoalben wohnt."

"Die Endlichkeit des Lichts" (die Bedeutung des Titels erschließt sich bis zur letzten Seite nicht) entpuppt sich als ein hinter Gedichtzitaten versteckter Kitschroman für ein Publikum, das vor echtem Kitsch gerade noch zurückschreckt. Dass man mit einer solchen Literatur bei Wettbewerben reüssieren kann und begeisterte Besprechungen der deutschen Kritik erhält, die sie mit einem "poetisch-sprachmächtigen Text" (WDR) verwechselt, berührt einen doch recht seltsam.

Sebastian Fasthuber in FALTER 47/2001 vom 23.11.2001 (S. 70)


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