Ein Abend im Club

von Christian Gailly, Doris Heinemann

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Verlag: Berlin
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 36/2003

Wenn Schriftsteller der Musik hinterher schreiben, ist das oft heikel. Nicht jeder ist ein Nick Hornby. Dessen Landsmann David Huggins erzählt in "Ein einziger Hit" von zwei Musikern, die einen Song lang berühmt waren. Mittlerweile hat der Ich-Erzähler seinen Bass an den Nagel gehängt und kassiert Arbeitslosengeld. Als er seinen alten Kumpel nach Jahren auf der Straße trifft, erzählt ihm der von einem reichen Geldgeber für ein neues Bandprojekt. Daraus entwickelt sich ein Entführungsfall voller Pannen und mit einer Leiche, die von den beiden Hobbygangstern entsorgt werden muss. An sich eine witzige und bis ins krude Detail (rülpsende Leichen) realistische Geschichte, die aber mit Rock 'n' Roll nur äußerlich zu tun hat. Wer Pulp Fiction und vertrottelte Kriminelle mag, kommt trotzdem auf seine Kosten. Ganz anders der Franzose Christian Gailly. Sein kurzer Roman "Ein Abend im Club" widmet sich einfühlsam den Verführungskünsten des Jazz. Der Ingenieur Simon lässt sich überreden, nach zehn Jahren Abstinenz wieder einen Jazzclub zu besuchen. Simon war mal ein berühmter Jazzpianist - und Alkoholiker. An der Mischung Nacht-Jazz-Frauen-Drogen wäre er beinahe draufgegangen, hätte ihn seine Ehefrau nicht in die Bürgerlichkeit gerettet. Doch jetzt kehrt die alte Sehnsucht zurück. Simon setzt sich ans Klavier, spielt, trinkt und lernt die Sängerin Debbie kennen. Bevor Debbie ihr erstes Lied mit Simon singt, erklärt der ihr: "Ich habe keine Zeit mehr zu verlieren, ich bin zu alt, ich habe Lust, Sie zu küssen, aber ich bin zu müde. In Ordnung, sagte Debbie, wir lassen es sein. Auf keinen Fall, sagte Simon. Wir singen." Gailly erzählt sparsam und zärtlich von jemandem, der die letzte Chance seines Lebens ergreift, um zu seiner verschütteten Seele vorzustoßen. Und: Gailly weiß eine Menge über Jazz.

Thomas Askan Vierich in FALTER 36/2003 vom 05.09.2003 (S. 60)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Ein einziger Hit (David Huggins, Karsten Singelmann)

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