Russische Apokalypse
Aus dem Russischen von Beate Rausch

von Viktor Jerofejew, Beate Rausch

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Berlin
Erscheinungsdatum: 01.02.2009

Rezension aus FALTER 33/2009

Wie alle russischen Westreisenden seit 150 Jahren steht Viktor Jerofejew vor einem Dilemma: Soll er seinen Landsleuten den Westen erklären, dann ist das für die Leser im Westen uninteressant; will er dem Westen Russland erklären, reichen 253 Seiten mit aphoristisch kurzen Kapiteln und einer überbordenden Anzahl an Themen bei weitem nicht aus. Dass Jerofejew, einer der profiliertesten Russland-Erklärer, den Versuch trotzdem wagt, muss man als mutig bezeichnen. Immerhin gewinnt er bei diesem Unterfangen viele bissige Einsichten, gelingen ihm noch mehr pointierte Formulierungen. Ein wahres Feuerwerk, von dem allerdings ein Leser, der kein ausgesprochener Kenner und Liebhaber Russlands ist, oft geblendet wird – und danach erst recht nicht schlauer ist als davor.
Jerofejew schildert die russische Realität als das Reich des Absurden, als verrückte Welt. Und zeichnet dar­über hinaus die historischen Linien der Rezeption Europas durch Russlands größte Dichter nach – von Alexander Herzen über Dostojewski und Turgenjew bis Tschechow. Leider geht er dabei über die russische Tradition des Katastrophismus, sprich: die Selbstwahrnehmung als das unglücklichste Land der Welt mit der traurigsten Geschichte aller Völker, nicht hinaus. Dass die Russen seit der Wende reisen dürfen und sich selbst ein Bild von der Welt machen können, hat daran offenbar nicht viel geändert.

Veronika Seyr in FALTER 33/2009 vom 14.08.2009 (S. 15)


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