Reich und Arm
Die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft

von Joseph Stiglitz

€ 25,70
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Übersetzung: Thorsten Schmidt
Verlag: Siedler
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Umfang: 512 Seiten
Erscheinungsdatum: 14.09.2015


Rezension aus FALTER 41/2015

Stiglitz und das Studienfach Politische Ökonomie

Joseph Stiglitz’ „Reich und Arm“ ist ein perfekter Einstieg für alle, die am neuen WU-Institut für „Economics of Inequality“ studieren wollen

In „Reich und Arm. Die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft“ reproduziert der im besten Sinn „politische Ökonom“ Joseph E. Stiglitz, also einer, der sich mit realen Problemen der Bürgerinnen und Bürger befasst, 51 Artikel, die er in den Jahren 2012–14 in amerikanischen Zeitungen und Zeitschriften publiziert hat, und versieht seine acht Kapitel mit jeweils neuen Einleitungen. Wie immer bei Stiglitz sind sie sehr persönlich gehalten, manchmal nicht uneitel, aber auch selbstkritisch.
Was das gesamte Buch durchzieht, ist die sehr wichtige Lektion, dass die zunehmende Ungleichheit nicht „ökonomischen Gesetzmäßigkeiten“ folgt, sondern die Folge politischer Entscheidungen ist, geschuldet den Interessen und den Einflussmöglichkeiten der obersten „1 Prozent“ auf die Wirtschaftspolitik zu Lasten der anderen 99 Prozent.
Konkret datiert Stiglitz die zunehmende Ungleichheit auf den Regierungsantritt Ronald Reagans. Dieser Weg wurde auch von späteren Präsidenten bis hin zu Obama (mit unterschiedlicher Intensität) fortgesetzt. Die Folge sind Einkommens- und Vermögenskonzentration bei den „Oberen“, und Stagnation der Einkommen der „unteren“ Mehrheit seit fast 20 Jahren, die zunehmende Prekarisierung der Arbeitswelt, wodurch auch ein immer geringerer Anteil der Arbeitsfähigen sich um eine Stelle bemüht.

Stiglitz betont immer wieder das Argument, dass die immer ungleichere Einkommensverteilung nicht nur moralisch zu beanstanden ist, sondern mittel- bis langfristig auch die ökonomische Position jener „1 Prozent“ gefährden wird, da das Auseinanderbrechen der Gesellschaft zu zunehmender Kriminalität, aber auch zum Kaufkraftschwund der amerikanischen Wählerschaft beitragen wird.
Er lobt die von George Soros und Warren Buffet ausgehende Initiative der „Patriotischen Millionäre“, die zur Einkommens- und Vermögensumverteilung aufgerufen und sich zu höheren Steuerleistungen bereit erklärt haben.

Hochinteressant für hiesige Leser ist auch seine Beurteilung der Auswirkungen des eben beschlossenen transpazifischen Handelsabkommen TPP, die aufs Haar jener der hiesigen TTIP-Kritiker gleicht (wenn sie auch aus amerikanischer Sicht kommt). Es diene nur den Interessen der transnationalen Unternehmen und gefährde die Demokratie durch das Klagerecht der Konzerne gegen Gewinnschmälerung.
Stiglitz schlägt mit diesem Buch eine Bresche in das von der traditionellen Ökonomie ignorierte Thema von Verteilungsfragen und liefert – mit großem journalistischem Talent – einen weiteren Beitrag zu diesem Thema, das mit Thomas Pikettys bahnbrechendem „Capital“, aber auch mit dem kürzlich von Anthony Atkinson, dem auch von Stiglitz anerkannten „Altmeister“ der Verteilungsökonomie, in Wien vorgestellten Buch „Inequality: What Can Be Done?“ seit 2014 zunehmend in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit gerückt ist.
Dieser neuen Bedeutung wird auch das im September auf der Wirtschaftsuniversität neu vorgestellte Institut für „Economics of Inequality“ (bei dem Atkinson den Einführungsvortrag hielt) gerecht, welches Verteilungsforschung in Österreich verstärken wird.
Wenn es an Stiglitz’ Darstellung etwas auszusetzen gibt, dann lässt sich das anhand eines Vergleichs mit dem Arbeitsprogramm dieses neuen Instituts fassen. Denn dieses kümmert sich fächerübergreifend um Verteilungsaspekte im wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bereich. Die beiden letzten Bereiche fehlen bei Stiglitz fast vollständig. Dies soll interessierte Laien beiderlei Geschlechts jedoch keineswegs von der Lektüre dieses exzellenten Buchs abbringen: Es ist sehr umfassend, leicht leserlich und in kurzen, jeweils einzelnen Kapiteln geschrieben – und bringt einem die Gedankenwelt eines sich um die Verbesserung der Welt kümmernden großen Ökonomen sehr gut näher.

Kurt Bayer in FALTER 41/2015 vom 09.10.2015 (S. 22)


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