Hat es Spaß gemacht, Mr. Wilder?

von Cameron Crowe, Rolf Thissen

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Diana
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 51-52/2000

Kollegen unter sich. Cameron Crowe, Regisseur von "Jerry Maguire", interviewt Billy Wilder, Regisseur von "Double Indemnity", "Some Like It Hot" und einem weiteren halben Dutzend amerikanischer Filmklassiker. Unter dem Titel "Hat es Spaß gemacht, Mr. Wilder?" liegt das Resultat, voriges Jahr als "Conversations with Wilder" erschienen, nun auch in einer deutschen Übersetzung vor.
Crowe hat, wie Wilder, als Journalist angefangen. Und Crowe ist, wie Wilder, auch immer der Autor seiner Filme. Dennoch ließ sich das Projekt, Filmemacher interviewt Filmemacher, nicht gerade einfach an, da Billy Wilder, Jahrgang 1906, einer Generation angehörte, die Kino machte, ohne allzu viel Worte darüber zu verlieren. Ganz einfach. Sehr pragmatisch. Und anders als Hellmuth Karaseks sowohl inhaltlich als auch formal völlig missglückter Wälzer "Billy Wilder. Eine Nahaufnahme" dokumentiert dieses Interviewbuch sein eigenes "Scheitern" über 300 Seiten lang mit - denn wirklich nah kommt es Wilder halt auch nicht.
Wenn er über seine Filme spricht, hat man den Eindruck, als sei der alte Herr eben erst vom Set herübergekommen. Nichts anderes scheint ihm jemals wichtig gewesen zu sein. Eine Pose, zweifellos, aber nicht unbedingt eine sympathische. Verblüffend, zumal aus europäischer Sicht, ist, dass Wilder dem Publikum in allem Recht gibt; zu seinen Flops äußert er sich kaum bis gar nicht, weshalb überwuzelte Oscar-Filme wie "Sabrina" oder "The Apartment" plötzlich als Hauptwerke dastehen. (Entsprechend übel ergeht es auch dem ersten seiner drei langjährigen Partner als Drehbuchautor, Emmerich Pressburger, dem der junge Billie einen Gutteil seiner früheren, deutschen Karriere verdankte, der in dem Buch jedoch keine einzige Erwähnung findet.)
"Hat es Spaß gemacht, Mr. Wilder?" ist ein reich illustrierter Prachtband: und für einen reich illustrierten Prachtband immer noch sehr lesenswert. Cameron Crowe hätte schlechtere Fragen stellen, das Sachlektorat schlampiger arbeiten können. Über den ersten Satz gleich sollte man freilich rasch hinweglesen: ",Haben Sie ein gutes Ende für dieses Ding?', fragt Billy Wilder, der größte lebende Film-Autor und -Regisseur." Na gut, sagen wir, die erste kritische Würdigung seines Werks steht weiterhin aus.

Michael Omasta in FALTER 51-52/2000 vom 22.12.2000 (S. 88)


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