Bob Dylan. Ein Leben
zahlreiche Abbildungen

von Willi Winkler

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Alexander Fest Verlag
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

Ein neues Buch über Bob Dylan zu schreiben ist zugegebenermaßen keine leichte Aufgabe.Willi Winkler ist nicht viel und vor allem: nicht viel Neues eingefallen.

Bücher über Bob Dylan gibt es zur Genüge. Die Autoren übertreffen sich dabei gerne entweder in fantümlerischer Heldenverehrung und Mythenbildung oder in detailbesessener Exegese, bis einem Theorien und Verflechtungen schier erschlagen. Willi Winkler, beschäftigt bei der Süddeutschen Zeitung und davor Redakteur bei der Zeit und dem Spiegel, übt sich weniger in Song- und Textanalyse, wie dies viele vor ihm betrieben haben, sondern befasst sich lieber mit Dylans verschiedenen Befindlichkeiten. Doch schon bald stellt sich die Frage, welcher der beiden Wege weniger ans Ziel führt - zumal ein solches hier, in "Bob Dylan. Ein Leben", nicht klar zu erkennen ist.

Winkler bemüht sich, in chronologischer Folge den jeweiligen zeitlichen Rahmen dieser wechselhaften Künstlerlaufbahn zu untersuchen, Bob Dylans Bezugspersonen auszumachen und zu Wort kommen zu lassen, Dylans Ambitionen und Stimmungen wiederzugeben. So weit, so gut. Vieles daran bleibt jedoch der subjektiven Einschätzung des Autors überlassen, wobei mehr oder minder passend ausgewählte Kommentare von Weggefährten Dylans oder diverse Pressezitate Winklers Ansichten reichlich mühevoll belegen sollen. Ansichten, die umso fragwürdiger ausfallen, wenn sich in Winklers leicht herablassendes Feuilletondeutsch ein ärgerlich gönnerhafter Grundton mischt. ("Ist es nicht rührend, wie sich das junge Genie als weltweise und lebensüberdrüssig inszeniert?")

Demgegenüber fühlt sich Willi Winkler aber bemüßigt, dem von ihm nicht ungern als "Heiligen" oder eben "Genie" apostrophierten in nicht weniger rührenden Worten zu unterschieben, er sei vielleicht doch auch ein ziemliches Arschloch gewesen: "Joan Baez (...) wurde nicht einmal seines Spotts für würdig befunden, sondern abserviert. Sie hatte ihn einst auf die Bühne geholt und an ihren menschenfreundlichen Busen gedrückt." Dazwischen schlägt die Sprache Blasen ("Pop, der schundige, süße, sinnlose Pop, ist mausetot, ist tot, seit Bob Dylan ihm unbedingt Bedeutung geben musste"), und man weiß nicht, ob dies als Anklage oder als Würdigung zu verstehen ist.

Beharrlich folgt Winkler zudem der gängigen Chronistensicht und perpetuiert somit den konservativen Blickwinkel auf Dylan: Die Sechziger, des Meisters unwiederholbare Glanzphase, später noch einzelne Highlights, dazwischen jede Menge Verirrungen. Typischerweise kommt Winkler umso weniger mit Dylan zurecht, je weiter der sich entwickelt: Zu "Blood on the Tracks" fällt ihm gerade der (berechtigte) Begriff "Meisterwerk" ein, sonst nützt er diese Phase zu einem mehrseitigen, weinerlichen Exkurs über die Belanglosigkeit der übrigen Populärmusik zu dieser Zeit.

Ob Winkler damals "Street Legal" nach dem ersten Hören weggestellt hat ("heute finde ich sie viel besser" - wieso, wird nicht gesagt), wen kümmerts? Dylans christliche Phase wird semisalopp mit "Dreht euch nicht um, der Missionar geht um" abgehandelt. Ratlosigkeit herrscht angesichts der von Bob Dylan irgendwann immer rigoroser praktizierten Live-Umdeutungen seiner "klassischen" Songs: "... mir erklärt keiner, warum Dylan (...) die Songs bewusst zerstört." Pech gehabt. Schließlich fällt ihm zu "Time out of Mind" nicht viel mehr ein als: "Eine von Dylans düstersten Platten."

Chris Duller in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 33)


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