Barbar Rosa
Eine Detektivgeschichte

von Georg Klein

€ 20,10
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Verlag: Fest, Alexander
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 200 Seiten
Erscheinungsdatum: 23.03.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

In "Barbar Rosa", dem witzigen Buch des Bachmann-Preisträgers Georg Klein, stolpert ein investigativer Forrest Gump in einen Film noir.

Detektivgeschichten fangen oft mit einem Anruf an. Da lümmelt so ein Sam Spade lässig hinter seinem Schreibtisch und putzt sich mit dem Brieföffner die Fingernägel. Plötzlich schrillt der Apparat, der Mann greift zum Hörer und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Im Büro des Privatdetektivs Mühler, der Hauptfigur aus Georg Kleins Roman "Barbar Rosa", haftet der Szene etwas von den Imponderabilien des Alltags an: "Mit meinen bandagierten Händen hob ich das plärrende Gerät auf meinen Schoß, pulte den rechten Zeigefinger ganz aus dem Verbandsmull, nahm schnell eine der Tassen vom Boden hoch und gurgelte mit dem Restchen Tee, um meine Meldung nicht mit allzu ungelenker Stimme aussprechen zu müssen: Mühler. Mühlers Büro."

Herr Mühler trägt die Mühe im Namen, und so wundert es nicht, dass er sich in der Welt nur schwer zurechtfindet. Bevor er zu seinem Auftraggeber, einem gewissen Hannsi, aufbricht, feilt er sich die krumm gewachsenen Fingernägel zurecht und schabt sich die Hornhaut von den Fersen. Georg Klein, der 1953 in Augsburg geborene und heute in Berlin lebende Autor, der seit dem Roman "Libidissi" (1998) und der Erzählsammlung "Anrufungen des Blinden Fischers" (1999) zu den wichtigsten jüngeren Autoren Deutschlands zählt und im Vorjahr mit einem Ausschnitt aus "Barbar Rosa" den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann, verfolgt die Antriebe seines Protagonisten bis in die letzten Windungen von dessen Gehirn. Solcherart durchleutet fällt die Dummheit des Mannes noch stärker ins Gewicht: Es ist, als ob Forrest Gump sich in einen Film noir verirrt hätte und dessen Personal zum Narren hält.

Das Genre des Detektivromans - das Buch wird explizit als "Detektivgeschichte" ausgewiesen - schlottert Herrn Mühler wie ein zu groß gewordenes Kleidungsstück um den Leib: Da ist ein verschwundener Lieferwagen, der gesucht werden soll. Da sind geheimnisvolle Spuren, die zwar keinen Sinn machen, aber trotzdem zum Ziel führen. Und da ist vor allem ein "Auftrag", der der Geschichte Kontur und der "stupenden Blödigkeit" des Mannes eine Art von Philosophie verleiht. In dessen eigenen, unnachahmlichen Worten: "Die Logik eines Auftrages ist wie ein Skelett im Fleisch seines Verlaufs verborgen."

Das "Skelett des Verlaufs" legt Georg Klein in "Barbar Rosa" in brillanter Weise frei, sodass der Detektiv eigentlich nur noch in seinen Erfolg hineinzustolpern braucht. Fleisch setzt der Roman in der Schilderung der Großstadt an: Da ist von geheimnisvollen Hinterhöfen und heruntergekommenen Videoantiquariaten die Rede sowie von Koinzidenzen, die nicht wirklich zu erklären sind. Aus einem rätselhaften "Gebrauchstextlager", das von zwei seltsamen Brüdern betrieben wird, bezieht Mühler wertvolle Informationen. Wie das Sammelsurium aus Texten, das von der Bedienungsanleitung bis zum Comic reicht, genau funktioniert, scheint nebensächlich, Hauptsache, es funktioniert, und funktionieren tut in Kleins Buch noch das kleinste Detail.

Eines der wunderbarsten und verkommensten Dinge aus "Barbar Rosa" nennt sich Sucko. Damit ist ein so genannter "Alkoholverstärker" gemeint, den man den Drinks beifügt und der die Leute rasch abhängig macht und in weiterer Folge ins Grab bringt.

Einer literarischen Strategie zur Intensivierung hat sich der Autor bedient: "Barbar Rosa" ist ein ungemein witziges und kraftvolles, dabei aber stets lakonisches Buch. Angesichts der strahlenden Farblosigkeit von Herrn Mühler leuchtet die in weite Ferne gerückte Welt der Detektive noch einmal in den schrillsten Farben auf. Und mit "Barbar Rosa" geht die Sonne eines Genres unter, dafür steigt am Firmament der unsicher flackernde Stern des Herrn Mühler auf - ein unfairer Tausch, an dem der Leser seine Freude hat.

Klaus Kastberger in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 5)


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