Der Krapfen auf dem Sims
Betrachtungen, Essays u. a.

von Max Goldt

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Verlag: Fest, Alexander
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 176 Seiten
Erscheinungsdatum: 23.01.2001

Der "Krapfen auf dem Sims" vereinigt 22 Prosatexte aus den Jahren 1998 – 2000,
darunter die folgenden:

Alter und Aussehen egal
Waffen für El Salvador
Pünktlichkeit plus
Mein Nachbar und der Zynismus
Schulen nicht unbedingt ans Netz

sowie

Ich zog ein elektronisches Goldfischglas hinter mir her, in dem ein Wetter herrschte wie auf der Venus. Max Goldt, geboren 1958 in Göttingen, lebt in Berlin. Zuletzt veröffentlichte er 'Räusper. Comic-Skripts in Dramensatz' (2015) und 'Chefinnen in bodenlangen Jeansröcken' (2014). Im Jahr 2008 erhielt er den Hugo-Ball-Preis und den Kleist-Preis.

Rezension aus FALTER 22/2001

Max Goldt wurde 1958 in Weende geboren. Heute gehört Weende zu Göttingen und beherbergt, wie man dem Tagebuch dieses vielleicht bedeutendsten lebenden Weender Schriftstellers entnehmen kann, "die größte europäische Population an Feldhamstern". Seit seinem 31. Lebensjahr verfasst Goldt zu gleichen Teilen belustigende und belehrende Kolumnen, von denen die meisten im Satiremagazin Titanic und hernach als Buch erschienen sind und die dem Autor recht leicht von der Hand gehen.

Neben den Kolumnen, die eigentlich keine sind, weil sie in Magazinen und Zeitungen keine schlanken Spalten (columna, lat. für Säule, Pfeiler), sondern ganze Seiten von eher gartenähnlichem (lat.: hortus) Grundriss füllen, gibt es auch Kurzprosa, Dialoge, Dramolette und dergleichen, die bis in die frühen Achtzigerjahre zurück datieren und in dem 860 Seiten umfassenden Best-of-Sammelband "Okay Mutter, ich mache die Aschenbechergymnastik in der Mittagsmaschine" der Einfachheit halber als "Nicht-Kolumnen" Eingang gefunden haben. ( Versand über www.Zweitausendeins.de)

Dem prätentiös sich zur Kunst Aufspreizenden ist Goldt nämlich ebenso abhold wie der Verwechslung von Kunst mit Arbeit: "Arbeit ist für mich in erster Linie etwas, was Männer in Fabriken oder auf Baustellen tun. Ich habe einen unglaublichen Respekt vor Bauarbeitern", notiert er am 21.9.1999 in sein für das "jetzt"-Magazin der Süddeutschen verfasstes Tagebuch, das im jüngsten Goldt-Sammelband, "Der Krapfen auf dem Sims", abgedruckt ist.

In der weitläufigen publizistischen Landschaft, in der Journalismus, Feuilletonismus, Kolumnistik und Literatur nicht immer so trennscharf voneinander zu scheiden sind wie Arbeit und Kunst, erblüht die Goldt'sche Schreibkunst als ein sympathisches Hybrid auf jenem Nährboden aus Geschwätz und Gemeinem, von dem Goldt sich immer wieder mal abgrenzt. Er tritt dabei gerne in der Rolle des sanguin-phlegmatischen Konservativen auf, der weiß, dass es so, wie es ist, ganz in Ordnung ist ("Schulen nicht unbedingt ans Netz"), der diese Position aber eher tändelnd vertritt und sich zu apokalyptischer Zuspitzung derselben nicht hinreißen lassen mag. "Es ist das Problem vieler, insbesondere Linker, dass sie meinen, zu jedem Thema eine Meinung haben zu müssen", erklärte er im Juli 1990 und macht in "Clowns, Pantomimen und Kabarettisten (...) die wirklichen Feinde aus". Der flagrante Selbstwiderspruch, in den da ein Autor gerät, der in seinen Kolumnen Meinungen gleich dutzendweise abschlägt und gar gegen den Anglizismus "Sinn machen" wettert, wird durch eine Ironie gemildert, ohne die auch Goldt nicht auskommt - selbst wenn er einen Backlash herbeisehnt, "welcher der Durchironisierung fast aller Bereiche des kulturellen Lebens ein Ende bereitet".

Gegen einen längst "mainstreamig" gewordenen "Jungmänner-Massenzynismus" und gehäuft auftretende "Hassschriftsteller und Hassschriftsteller-Wannabes" mobilisiert Goldt eine Art programmatischer Laschheit, gegen konsequente Kritik die Kleinodbeschmuserei. Auf diese Weise wird die aberwitzige Diversifikation der Firma Ferrero auf dem Sektor der Kindernäschereien einerseits durchaus mit zweifelndem Kopfwiegen bedacht, andererseits freudig zum Anlass genommen, um danach zu fragen, ob die Nüsse von den Nüsse-Castern tatsächlich mit Möbelpolitur zum Glänzen gebracht werden oder ob es sich bei den Krügen, aus denen sich die Milch in der TV-Werbung so üppig ergießt, um "eine glasbläserische Sonderanfertigung mit extrem großer Tülle" handelt.

Neben all dem erweist sich Goldt als veritabler Kritiker der medialen Phrasendrescherei ("Alter und Aussehen egal"), als Sammler exquisiter französischer Verben ("rembucher = Wild wieder in den Wald zurückjagen") und er steht auch noch als Benimmtante für all jene zur Verfügung, die wissen, dass wir vor zehn Jahren dringend einer Fax-Ethik bedurft hätten, denen aber Benimmtanten zu benimmtantenhaft sind. Und was Goldt sagt, macht absolut Sinn: "Kleine Verspätungen sind, zumindest bei Hausbesuchen, nicht schlimm und entschuldbar. Verfrühungen aber sind eine leicht vermeidbare Unfreundlichkeit und unverzeihlich."

Klaus Nüchtern in FALTER 22/2001 vom 01.06.2001 (S. 66)


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