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Verlag: DuMont
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 5/2002

In seinem neuen Roman "Plattform" propagiert der französische Bestsellerautor Michel Houellebecq den Sextourismus und sorgt mit heftigen Attacken gegen den Islam für die übliche Aufregung.



"Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle."

1. Korinther, 13/1



"Und wenn ich schon die Liebe nicht begreife, was nützt es mir dann, dass ich das Übrige begriffen habe?"

Michel Houellebecq: "Plattform"



Michel Houellebecq wird seinem Ruf als Enfant terrible der französischen Literatur wieder einmal vollauf gerecht. Wenn sich Anfang Februar Zehntausende von Exemplaren der deutschen Übersetzung seines jüngsten Romans "Plattform" in den Buchhandlungen zu stattlichen Stapeln türmen werden, muss er sich in Paris vor Gericht verantworten, nachdem ihn die französische Moslem-Gemeinde wegen "Aufstachelung zum religiösen Hass" angezeigt hat. Wie stets ist es nicht ganz leicht, zwischen der Meinung von Frankreichs derzeit berühmtesten Schriftsteller und der seiner Figuren zu unterscheiden. Schon der Umstand, dass der Protagonist von "Plattform" den Vornamen mit dem Autor teilt, kann als Indiz dafür gelten, dass die Unschärfe zwischen den persönlichen Ansichten Houellebecqs und denjenigen seiner Hauptfigur durchaus kalkuliert ist.



Der Autor und die Medien

"Jedes Mal wenn ich erfuhr, dass ein palästinensischer Terrorist, ein palästinensisches Kind oder eine schwangere Palästinenserin im Gazastreifen erschossen worden war, durchzuckte mich ein Schauder der Begeisterung bei dem Gedanken, dass es einen Muslim weniger gab. Ja, man konnte auf diese Weise leben." Diese Sätze stammen aus dem Roman, aber Houellebecq selbst hat sich auch nicht eben schmeichelhaft ausgedrückt, als er den Islam in einem Interview als die "idiotischste Religion von allen" bezeichnete. Ob er zu dem Zeitpunkt, als er sich derart äußerte, bereits betrunken war oder erst danach, ist umstritten.

Fest steht, dass der Held des Romans mit plausiblen Gründen für seinen Hass auf den Islam weiß Gott reichlich ausgestattet worden ist, was die französischen Medien aber offenbar nicht dazu angeregt hat, sich mit Houellebecqs jüngstem Roman wirklich auseinander zu setzen. So veröffentlichte Le Monde zunächst einen eher harmlosen Vorabdruck, schob unmittelbar nach Erscheinen von "Platforme" dann ein Dossier über Sextourismus nach - eines der zentralen Themen des Romans - und veröffentlichte schließlich statt einer Kritik des Buches "ein Schmusestück der Literaturchefin mit dem Star", in dem Houellebecq devot das Wort überlassen wird. "Warum", so fragt die Zeit weiter, "bringt die beste Zeitung des Landes, in dem Literatur noch immer die höchste Wertschätzung genießt, keine ordentliche Rezension eines wichtig genommenen Werks zustande?" Hans-Peter Kunisch bleibt dem Leser die Antwort auf die selbst gestellte Frage nicht schuldig: "Houellebecq wird immer deutlicher zum perfekten Partner der Kritik. Zunehmend unterstützt er sie in ihrer Suche nach einer möglichen Debatte. Die Anti-Tabu-Sprüche sind immer auffälliger in die Handlung integriert."

"Das Phänomen Houellebecq" (so der Titel eines von Thomas Steinfeld herausgegebenen Bandes zu Werk und Autor) ist freilich nicht schlechterdings als Hype abzutun. Der 1998 erschienene Roman "Elementarteilchen" etwa, der in Frankreich über eine halbe Million Mal verkauft worden war und Houellebecq endgültig zum internationalen Bestsellerautor und Popstar machte, zielt in seiner ganzen literarischen Anlage auf die Durchschlagung literarischer Immanenz. "Die ,Elementarteilchen' gehören zu einem Genre, mit dem wir alle nicht gerechnet hätten: Sie sind ein Thesenroman, eine ins Grobe, ja ins Barbarische gewendete Fortsetzung des romantischen Reflexionsromans" (Thomas Steinfeld).



Bonjour tristesse!

Aber schon das Romandebüt "Ausweitung der Kampfzone" (1994; deutsch: 1999) wies jene Heterogenität, jene essayistische Verunreinigung auf, die zum Markenzeichen von Houellebecqs Romanen werden sollte. Angesprochen auf die Möglichkeit, auch wissenschaftliche Diagramme in die Fiktion zu integrieren, meinte der Autor: "Ja, das wäre perfekt. Man sollte alles hineinstecken können. Novalis und die deutschen Romantiker allgemein zielten auf eine totale Erkenntnis ab. Es war ein Irrtum, diese Ambition aufzugeben."

Die Ambition hat Houellebecq nicht aufgegeben - auch in "Plattform" werden neben Reiseführern und Fachliteratur zur Tourismus-Forschung allerlei nicht näher ausgewiesene wissenschaftlichen Arbeiten und Ansätze zitiert. Die Romanform wird bei Houellebecq nicht nur vonseiten der Wissenschaft perforiert, sondern ist dem Gegenstand, den sich der Autor gewählt hat, ganz generell nicht adäquat; ist "nicht geschaffen, um die Indifferenz oder das Nichts zu beschreiben".

Gerne kultiviert der mit Zigaretten und Plastiksackerln posierende Autor das Image des spätexistenzialistischen Junggesellen aus der Sozialwohung, das er mit seinen Protagonisten teilt - bonjour tristesse! Und doch stellt sich die Frage, ob das Leben der Houellebecq'schen Helden tatsächlich so trist ist, wie die Romane es suggerieren. Eines lässt sich jedenfalls festhalten: Vom Ende der sozialen Leiter sind sie doch noch deutlich entfernt. Ihr Beruf ermöglicht ihnen einen wenn schon nicht aufwendigen, so doch zumindest komfortablen Lebenswandel. Dass sich Michel ("Plattform") hauptsächlich von Kartoffelpürree mit Käse aus der Tüte ernährt, ist eine selbst gewählte Bescheidung und nicht durch das Gehalt diktiert, das er als Beamter in der Kulturverwaltung bezieht. Das Verhältnis zu seinem Beruf ist typisch für die Protagonisten Houellebecqs, die sich selbst verachten und als Teil einer unproduktiven, letztlich parasitären Klasse begreifen, die eigentlich keinerlei Daseinsberechtigung besitzt. Ihr mangelnder Ehrgeiz aber hat mit der dem "klassischen" Beamten zugeschriebenen Immobilität nichts mehr zu tun. Sie sind sozusagen hochreflexiv ambitionslos und erklären sich mit der über sie verhängten Rolle einverstanden: "Ich nehme stets die reservierte Haltung ein, die dem Buchhaltungsangestellten angemessen ist. Für ästhetische und politische Fragen bin ich nicht zuständig; meine Aufgabe ist es nicht, neue Einstellungen oder Beziehungen zur Welt zu entwickeln oder zu vertreten; ich habe in dem Augenblick darauf verzichtet, da meine Schultern sich zu wölben begannen und mein Gesicht immer trauriger wurde."



Die sexuelle Marktwirtschaft

Als Autor ist Michel Houellebecq durch seine harsche Abrechnung mit dem (Neo-)Liberalismus bekannt geworden. Wir leben, so heißt es in dem Aufsatz "Ansätze für wirre Seiten", in einer "Marktgesellschaft", also "in einem Kulturraum, in dem sämtliche zwischenmenschliche Beziehungen und auch sämtliche Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt über Zahlenkalkül vermittelt werden, bei dem die Attraktivität, die Neuheit und das Preis-Leistungs-Verhältnis zum Tragen kommt". Was dies konkret bedeutet, hat der Autor in "Ausweitung der Kampfzone" dargestellt, wo er die Folgen einer deregulierten sexuellen Marktwirtschaft am Beispiel des Icherzählers (eines Dreißigjährigen Computerprogrammierers) und dessen ausgesprochen unattraktiven Arbeitskollegen Raphaël Tisserand vorführt: "In einem völlig liberalen Sexualsystem haben einige ein abwechslungsreiches und erregendes Sexualleben; andere sind auf Masturbation und Einsamkeit beschränkt. Der Wirtschaftsliberalismus ist die erweiterte Kampfzone, das heißt, er gilt für alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen. Ebenso bedeutet der sexuelle Liberalismus die Ausweitung der Kampfzone, ihre Ausdehnung auf alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen. In wirtschaftlicher Hinsicht gehört Raphaël Tisserand zum Lager der Sieger; in sexueller Hinsicht zu den Verlierern. Manche gewinnen auf beiden Ebenen; andere verlieren auf beiden."

Die Helden von Michel Houellebecq zählen meist nur wirtschaftlich zu den Gewinnern. Allerdings ist eine kontinuierliche Zunahme erotischer Aktivitäten zu verzeichnen: In "Ausweitung der Kampfzone" hat niemand Sex mit anderen Menschen; in "Elementarteilchen" haben die beiden Halbbrüder Bruno und Michel - wie der Autor in einem Gespräch anmerkte - "einige positive Liebeserfahrungen, auch wenn es kein Happy End gibt". Und der Protagonist der Erzählung "Lanzarote" (2000) findet auf der titelgebenden Kanareninsel immerhin zwei deutsche Lesben, die dann doch nicht ganz so lesbisch sind ("Sie fasste meinen Schwanz und wichste mich mit kleinen, freundschaftlichen Bewegungen").

"Plattform" schließlich schreibt die aufsteigende Kurve sexueller Erfüllung fort. Michel lernt in Thailand, wo er die einschlägigen Bars und Clubs besucht (schwer vorstellbar, dass der Urlaub eines Houellebecq'schen Helden kein Sexurlaub ist), die 28-jährige Valerié kennen. Zurück in Paris beginnt er eine erfüllte Beziehung mit ihr, die nicht nur Klassiker der Zweisamkeit und den einen oder anderen flotten Dreier (Valerié ist auch ein bisschen lesbisch), sondern auch eine äußerst viel versprechende berufliche Kooperation umfasst. Michel entwirft ein neues Konzept von "gepflegtem" Sextourismus, das von dem Konzern, für den Valerié arbeitet, tatsächlich umgesetzt wird: Fremdenverkehr als Verkehr mit Fremden, den schönen Wilden. Wobei die persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen der Protagonisten - wie bei Houellebecq üblich - zu zivilisationskritischen Reflexionen von globaler Bedeutung erweitert werden.



Westlicher Masochismus

Die Analyse des Ist-Zustandes, von denen Michel dabei ausgeht, hat übrigens einiges mit den Überlegungen gemeinsam, die auch der österreichische Sexualforscher Ernest Borneman in den letzten Jahren seines Lebens anstellte: Es wird immer weniger gevögelt. Subkulturelle Surrogatformen genuiner Sexualität verdrängen den guten alten heterosexuellen Geschlechtsverkehr. Für Valerié etwa ist der in den Pariser Klubs praktizierte Sado-Masochismus "das genaue Gegenteil von Sexualität", und auch Michel sieht darin ein Zeichen mangelnder Fähigkeit zur Selbstaufgabe, in der er eine Voraussetzung geglückter Erotik sieht.

Was die in "Plattform" eröffnete Perspektive anbelangt, so weicht diese freilich von den kapitalismuskritischen Ansichten Bornemans und auch vom "Frühwerk" Houellebecqs ab. Trug bislang der entfesselte Markt Schuld an allem und konnte dieser allenfalls durch die in "Elementarteilchen" propagierte "sozialdemokratische Sexualitiät" (wie Bruno den an den FKK-Stränden von Cap D'Agde gepflogenen und durch einen klaren Verhaltenscodex kontrollierten kollektiven Sex nennt) reguliert werden, so hält in "Plattform" plötzlich der Markt selbst die Lösung aller Probleme bereit. "Ich hatte nichts dagegen einzuwenden, dass die Sexualität Eingang in den Bereich der Marktwirtschaft fand", erklärt Michel und vertritt einen wahrhaft globalen Lösungsansatz: "Auf der einen Seite hast du mehrere Hundert Millionen Menschen in der westlichen Welt, die alles haben, was sie sich nur wünschen, außer dass sie keine sexuelle Befriedigung mehr finden (...). Und auf der anderen Seite gibt es mehrere Milliarden Menschen, die nichts haben, kläglich verhungern, jung sterben, unter ungesunden Bedingungen leben und nichts anderes mehr zu verkaufen haben als ihre Körper und ihre intakte Sexualität. (...) Das ist die ideale Tauschsituation."

Westliche Frauen schlafen lieber mit Afrikanern, westliche Männer lieber mit Asiatinnen - wo also sollte das Problem liegen? Ein solches haben allenfalls die Autoren des "Guide du Routard", die zu Michels wachsendem Missvergnügen den Sextourismus in Thailand kritisieren; sie gelten ihm als "Nörgeltypen" und typische Vertreter des westlichen Masochismus.



Die Tugend der Güte

Gerne und viel wird im Feuilleton über die Ambivalenzen von Michel Houellebecq und darüber geschrieben, was er "eigentlich" meint ("In Wahrheit nämlich hat Houellebecq mit ,Plateforme' ein romantisches Buch geschrieben, seinen ersten Liebesroman", so zum Beispiel der Spiegel). "Aber es hilft nichts", wie Thomas Steinfeld in der Süddeutschen so treffend anmerkte, "Michel Houellebecq verteidigt den Sextourismus."

Vielleicht sollte man sich auch weniger mit den Widersprüchlichkeiten des Autors als mit denjenigen seiner Helden befassen. Es sind dies in jedem Falle erotisch unterversorgte, allenfalls durchschnittlich attraktive Männer, die auf extreme Weise zwischen Zynismus und Sentimentalität schwanken. Die Tugend, die sie - so wie, erklärtermaßen, auch Houellebecq selbst - am meisten, vor allem bei Frauen schätzen, ist Güte. Und ihr Drama besteht darin, dass sie selbst am allerwenigsten über diese verfügen ("Güte ist kein Charakterzug, der mich auszeichnet. Der humanitäre Gedanke widert mich an"), so wie auch ihre libidinöse Energie - im Sinne von Lebenszugewandtheit - mit ihrer Geilheit nicht annähernd Schritt halten kann. Depressiven Tschechow-Figuren gleich sind sie auf ihre kärgliche somatische Grundausstattung zurückgeworfen. Von den Frauen erhoffen sie sich Erlösung, und sie sind buchstäblich zu Tränen gerührt, wenn sich diese erotisch engagieren; was - in bestem Falle - als freundliche, selbstlose Hilfeleistung, eben als Ausdruck jener Güte empfunden wird, die in der westlichen, ego- und konsumfixierten Gesellschaft kaum noch erblühen kann.

Valerié, zunächst von Michel alles andere als übermäßig wohlwollend wahrgenommen ("ein Gesicht, das man als bescheiden bezeichnen konnte; genau genommen, weder schön noch hässlich"), erfährt im Laufe des Romans eine nachgerade sakrale Verehrung. Sie ist eine strahlende Widergängerin von Christine, der großen Liebe des megamuffigen Bruno aus "Elementarteilchen". Beiden gestattet der Autor kein langes Glück: Christine siecht schnell dahin, und Valerié kommt bei einem Attentat islamischer Terroristen - als eines von 117 Opfern - ums Leben.



Der Terror des Islams

Womit wir bei jenem skandalumwitterten Clash of Cultures wären, mit denen sich Houellebecq diesmal in die Schlagzeilen und Gerichtsakten geschrieben hat. Seine "visionäre" Antizipation der Bedeutung der Biotechnik, die das utopische Ende von "Elementarteilchen" bestimmt (Michel findet eine unendlich reproduzierbare stabile Struktur des menschlichen genetischen Codes und ermöglicht die Begründung einer Menschheit, die den Tod und den Sex überwunden hat), hat Houellebecq in einem Interview mit den Worten abgetan: "Jeder hätte es wissen können, wenn er sich nur für die Naturwissenschaften interessiert hätte."

Nun hat Houellebecq die Katastrophe vom 11. September 2001 "vorweggenommen" (das Original von "Plattform" erschien Ende August des vorigen Jahres). Mit grimmiger Insistenz hat der Autor den Hass auf den Islam aufgebaut: Schon in "Lanzarote" wird dem päderastischen belgischen Polizisten Rudi übel von seiner marokkanischen Frau mitgespielt, die sich dem Islam zu- und von ihrem Gatten abwendet. Gleich zu Beginn des jüngsten Romans wird Michels Vater vom Bruder seiner jugendlichen Geliebten Aïcha erschlagen - wobei Aïchas Brüder in deren Augen nichts anderes als bigotte, verblödete Machos sind. Überhaupt überlässt Houellebecq die Islam-Schelte gerne Figuren, die außer Verdacht stehen, bloß ressentimentgeladene Westler zu sein: Ein jordanischer Kaufmann prophezeit ohne jedes Bedauern den Sieg des Kapitalismus über einen völlig anachronistisch gewordenen Islam, und ein Ägypter beklagt den rapiden Niedergang der alten Kultur seines Landes seit dem Aufkommen des Islams: "Der Islam konnte nur im Stumpfsinn einer Wüste entstehen, inmitten dreckiger Beduinen, die nichts anderes zu tun hatten (...), als ihre Kamele zu ficken."

Auch die schuldbewusst selbstkritischen Reaktionen des Westens (dessen "Masochismus", wie Houellebecq das wohl sehen würde) auf das Attentat vom 11. September finden sich in "Plattform" bereits "antizipiert". Die zitierten französischen Zeitungen geißeln vor allem den Sextourismus, und in einer Glosse heißt es gar: "Was bedeutet schon der Tod einiger satter, reicher Europäer (...) angesichts Hunderttausender besudelter, erniedrigter, zur Sklaverei verdammter Frauen überall auf der Welt?"

So sehr sie - trotz allem - nach Glück streben ("Ich war nicht glücklich, aber ich schätzte das Glück und sehnte mich weiter danach"), es ist den Helden Houellebecqs nicht auf lange Zeit vergönnt. Michel erfährt die Liebe als "zweite Chance", die er nicht verdient hat und die ihm sozusagen als Gnade zuteil wird. Nach Valeriés Tod sind die Ressourcen seiner Lebensenergie restlos verbraucht: "Ich habe den Hass, die Verachtung, den Verfall und verschiedene andere Dinge kennen gelernt; ich habe sogar kurze Momente der Liebe kennen gelernt. Nichts von mir wird mich überleben, und ich verdiene auch nicht, dass mich etwas überlebt; ich bin mein ganzes Leben lang in jeder Hinsicht ein mittelmäßiger Mensch gewesen."

Das wird Houellebecqs Helden wohl auch in Zukunft nicht erspart bleiben. Aber vielleicht werden sie eines Tages ihren Frieden damit gemacht haben. Ob das dann auch noch jemand lesen will, ist eine andere Frage. Im besten Falle hat man Glück, aber wer will schon davon lesen? Es ist, wie Thomas Steinfeld schreibt, "das Unglück, das Michel Houellebecq zu einem großen Schriftsteller gemacht hat". Und womöglich ist das Unglück der Romanhelden ja das Glück der Leser.

Klaus Nüchtern in FALTER 5/2002 vom 01.02.2002 (S. 22)


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