Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser

von Ernst H. Gombrich

€ 13,40
Lieferung in 2-7 Werktagen

Illustrationen: Clifford Harper
Verlag: DuMont Buchverlag
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Geschichte
Umfang: 352 Seiten
Erscheinungsdatum: 17.05.2019


Rezension aus FALTER 26/2012

Ernst Gombrich, britischer Kunsthistoriker mit österreichisch-jüdischen Wurzeln, packte nach seiner Promotion die Gelegenheit beim Schopf, innerhalb kurzer Zeit die Menschheitsgeschichte im Miniaturformat zu schreiben und den damals vorherrschenden knochentrockenen Geschichtsunterricht für Jüngere zu revolutionieren. Eindrucksvoll gleich zu Beginn ist, welche Bilder er schafft, um Urgeschichte vorstellbar zu machen. Mit der unverwechselbaren Stimme von Christoph Waltz ist auch das Hörbuch ein Klassiker geworden – garantiert ohne frontalunterrichtinduzierte Wachkomawirkung. (ab 12)

Marianne Schreck in FALTER 26/2012 vom 29.06.2012 (S. 30)



Rezension aus FALTER 41/2011

In sechs Wochen durch die Weltgeschichte

Geschichte: Ernst Gombrichs Klassiker für Jugendliche (und Erwachsene) mit neuen Bildern von Kat Menschik

Hier kommt Geschichte in Geschichten: Der Doyen der Kunstgeschichte Ernst Gombrich berichtet in seiner "Weltgeschichte für junge Leser" über die spannenden Erlebnisse konkreter Menschen in alten Zeiten. Von Ignatius von Loyola etwa erzählt er, wie dieser nach Kampf und schwerer Verwundung lernte, sich zu beherrschen. Details zur Geschichte des Jesuitenordens scheinen dabei Nebensache zu sein.
Dieses Buch hat selbst eine Geschichte. Der 26-jährige frischgebackene Kunsthistoriker fand im Wien des Jahres 1935 keine Arbeit. Da ein englisches Geschichtsbuch für Kinder, das er übersetzen sollte, ihm zu schlecht erschien, bot er an, selbst eins zu schreiben. Der Verleger wollte es innerhalb von sechs Wochen haben.

Dem Buch hat diese Tempovorgabe – ein kurzes Kapitel pro Tag – nicht geschadet, im Gegenteil: Der flotte Stil dieser Wissensvermittlung sowie der personenzentrierte Zugang haben Gombrichs "Weltgeschichte für junge Leser" zu einem Klassiker gemacht. Als 1985 die lang erwartete Neuauflage herauskam, ergänzte Gombrich, seit 1936 in Großbritannien lebend, sie mit einem Kapitel über den Zweiten Weltkrieg und die Zeit danach: "Das Stückchen Weltgeschichte, das ich selbst erleben durfte".
Ihre Vorlesetauglichkeit beweist übrigens die Aufnahme des Argon Hörbuch-Verlags (2006): Christoph Waltz liest den ungekürzten Text ohne jedwede dramaturgischen Elemente – und findet damit mehr begeisterte Zuhörer als manche aufwendig in Szene gesetzten Audio-Sachbücher. Bloßes Erzählen in unserer Zeit der vielen Bilder und schneller Schnitte – funktioniert das?
Gombrichs plastische Vergleiche und menschlich gezeichnete Figuren wirken auch heute noch lebendig. Doch die Sprache klingt für mit Fernsehserien sozialisierte Kinderohren ein wenig wie aus dem Märchenbuch. Etwa bei Ludwig XIV.: "Während man bei der Hoftafel die ausgesuchtesten Speisen von Silber- und Goldschüsseln aß, lebten die Bauern buchstäblich von Abfall und Unkraut."

Da kommt die Idee einer illustrierten Ausgabe genau recht. Kat Menschiks Bilder bringen den in einer kargen Zeit geschriebenen linearen Text näher an das flirrende, vielschichtige Weltgefühl von heute heran. Die ostdeutsche Grafikerin zeichnet unter anderem Cartoons für die FAZ.
Als Buchillustratorin betätigte sie sich an so unterschiedlichen Werken wie der deutschen Ausgabe von Haruki Murakamis "Schlaf" oder einem Erkennungsbuch für estnische Nixen. Hier liefert sie Bilder, die einfach und plastisch sind wie der Text.
Mit schwarzen, schwungvollen Tuschestrichen skizziert sie pro Grafik meist nur ein Objekt oder eine Person und füllt dann deren Konturen am Computer mit kräftigen Farben auf. Maria Stuart sieht aus, als würde sie das Kinderzimmer des Lesers betrachten, die Totenmaske des Pharao so, als könne man sie jederzeit angreifen.
So einfach, bunt und plakativ haben auch die Illustrationen etwas Zeitloses – ganz anders als die kleinen holzschnittartigen Grafiken der alten Ausgabe. Aber 80 großformatige farbige Bilder? Da bekommt man schon ein wenig Angst um den Text. Doch diese zwingen dem Leser nichts auf, lassen ihm immer noch genügend Platz, die Weltgeschichte nach Gombrich in seiner eigenen Fantasie auszumalen.

Dessen sprachliche Gewandtheit bleibt auch nach fast 80 Jahren beeindruckend. Unsere historische Erinnerung vergleicht Gombrich mit einem brennenden Papier, das in einen Brunnen fällt und umso weniger erhellt, je tiefer es gelangt.
Was dabei kurz aufflackert, erweckt Gombrich zum Leben – in Worten, die einfach, klug, manchmal sogar weise sind. An fast jeder Stelle kann man in seinen Geschichtentopf hineingreifen und einen zitattauglichen Sager herausholen.
"Es waren also einmal Leute, die haben weniger denken und besser beißen können als wir", schließt er aus den Funden im Neandertal. Mit "Die Griechen konnten alles, nur Ruhe halten konnten sie nicht" fasst er die Hypothese, für die Friedell ein Kapitel brauchte, in einem Satz zusammen. Vielleicht schafft es ja diese Ausgabe von einem soliden Verkaufsposten im Kindersachbuchregal zum Standard im Kinderzimmer.
Damit allerdings würden wir auch in Kauf nehmen, dass unsere Kleinen Weltgeschichte vor allem als die Geschichte Europas kennenlernen. Über das gute alte Abendland wüssten sie immerhin besser Bescheid als viele Eltern. Dann könnte sich Letzteren die vielleicht größte Stärke des Werks offenbaren: Gombrich führt nicht nur Kinder ohne Überforderung durch die Welt des unendlichen "Es war einmal". Vorlesen mit Mehrwert also!

Andreas Kremla in FALTER 41/2011 vom 14.10.2011 (S. 47)


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