Tiere in der Stadt
Eine Naturgeschichte

von Bernhard Kegel

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: DuMont Buchverlag
Genre: Sachbücher/Natur, Technik/Naturwissenschaft
Umfang: 480 Seiten
Erscheinungsdatum: 21.02.2013


Rezension aus FALTER 11/2013

Ein Tier unter Tieren oder Zoologie und Zivilisation

Zoologie: Zwei Bücher betrachten das Verhältnis von Menschen und Tieren und ihr Zusammenleben in der Stadt

Das Philosophicum Lech, das jährliche Symposium am Arlberg, tagte 2012 zum Thema "Tiere. Der Mensch und seine Natur". Im Unterschied zu Edward Wilson (siehe Rezension S. 40), der in seinem Opus magnum "Die soziale Eroberung der Erde" versucht, die tierische Natur des Menschen zu erklären und sich dabei in subjektiver Empirie verliert, funkelt die Parade der nun in Buchform versammelten Experten verheißungsvoll.

Vielleicht kann an der herkulischen Aufgabe, das Wesen des Menschen zu beschreiben, ein Einzelner nur scheitern. In der Diversität der Zugänge vieler zu den Bedingungen des Menschseins beginnt man jedenfalls die Bäume im Wald zu erkennen.
Dieser Sammelband bietet mehr als die Pflichtübung einer Tagungsdokumentation. Die sprachliche Brillanz professioneller Denker und die Tiefe der Ausführungen fordern durchaus. An Reinhard Brandts "Können sich Tiere widersprechen?" muss man sich wie an einem Pflichtseminar abarbeiten, während die Betrachtungen des Albertina-Chefs Klaus Albrecht Schröder über Tierporträts vergleichsweise ein Amuse-­Gueule für das Großhirn darstellen.
Wunderbar lesen sich auch die feinziselierten Sätze der Schriftstellerin Andrea Grill über die Grundsatzfrage, was denn überhaupt ein Tier sei, die nebenbei den mechanistischen Zugang der Naturwissenschaft konterkarieren. Daniela Strigl führt elegant und kundig durch die Weltliteratur tierischer Protagonisten, während Eugen Drewermann lautstark wie Luther seine Thesen für eine neue Ethik an die Türe unserer Zivilisation schlägt.
Die Autoren legen feine Blitzlichter auf das Verhältnis von Mensch und Tier. Positionieren Menschen sich tatsächlich als etwas ganz anderes gegenüber dem Tierreich, oder sind wir auch nur ein "Produkt" der Evolution, ein Tier unter Tieren?
Dieses feine Kompendium liefert keine finalen Antworten, erfüllt aber durchaus den Zweck, die grauen Zellen im Vorderhirnlappen beim Lesen angenehm zu kitzeln.

Der Begriff "Stadtökologie" wurde erst in den 1950er-Jahren eingeführt. In den letzten Jahren erschien dazu jede Menge an populärwissenschaftlichen Publikationen. Was Bernhard Kegels Buch herausragen lässt, ist seine Fähigkeit, Geschichten erzählen zu können.
Den meisten eher für seine "Science-Faction"-Romane bekannt (zuletzt erschien "Ein tiefer Fall"), wird er neben Bestsellerautor Frank Schätzing gern auch als deutscher Michael Crichton gehandelt.
Er belästigt die Leser nicht mit bereits bekannten Storys von Wildschweinen und Waschbären in Vorgärten, sondern führt in einem weiten Bogen durch Orte, an denen Menschen und Tiere aufeinandertreffen. In einer Mischung aus Erlebnissen, Fakten und Anekdoten schreibt er einmal über das Ökosystem Bett, dann über tierische Untermieter, das Geschrei der Vögel und den Wandel der Stadtlandschaften.
Manchmal scheinbar ohne Plan mäandernd, doch er schafft es immer wieder, die vielen Nebenflüsse in den Hauptstrom der Tier-Mensch-Beziehung münden zu lassen.

Bei all der angenehmen Beiläufigkeit blitzt immer wieder das Wissen eines Ökologen hervor. Interessant etwa das Kapitel über die historische Stadtfauna: Welche Auswirkungen hatte es, wenn hunderttausende Pferde in den Großstädten arbeiteten und jedes Tier innerhalb eines Tages bis zu 50 Kilo Kot produzierte? Welche Tiere mussten mit dem Aufkommen der Autos und dem Verschwinden der Pferde ums Überleben kämpfen?
Kegel konstatiert gegen Ende des Buchs ein wachsendes Engagement der Städter für ihre tierischen Mitbewohner. Menschen, die auf ihren täglichen Routen Tiere beobachten, Anteil nehmen und sich zunehmend verantwortlich fühlen. Manche befreien sich von kommunaler Bevormundung und gestalten selbst ihre Umgebung.
Urban Gardening, "Balkooning" und Bird Watching könnten die Leitbegriffe für eine neue urbane Kultur heißen. Ein Buch, das gleichermaßen unterhält, informiert, anregt und Hoffnung macht.

Peter Iwaniewicz in FALTER 11/2013 vom 15.03.2013 (S. 41)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Tiere - Der Mensch und seine Natur

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