Globalografie
50 Karten erklären die Welt von heute

von Chris Fitch

€ 30,90
Lieferung in 2-7 Werktagen

Illustrationen: Sam Vickars
Übersetzung: Theresia Übelhör
Verlag: DuMont Buchverlag
Format: Hardcover
Genre: Reisen/Karten, Stadtpläne, Atlanten
Umfang: 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.03.2019


Rezension aus FALTER 12/2019

Bananen und Sneaker und Schokolade

Atlas: Der britische Geograf Chris Fitch stellt in „Globalografie“ die globalisierte Welt anschaulich in Kartenform dar

Im Jahr 1830 pflanzte Joseph Paxton in einem Gewächshaus in Nordengland erstmals Bananenstauden an. Er wollte seinem Dienstherrn William Cavendish, Duke of Devonshire, mit einer exotischen Frucht erfreuen und benannte sie auch gleich nach diesem. Es dauerte fünf Jahre, ehe die Staude Musa cavendishii zum ersten Mal blühte. Im Mai 1836 konnte Paxton die ersten 100 Früchte ernten. Der Rest ist Weltgeschichte und Cavendish heute mit Abstand die wichtigste Bananensorte.

Ihr Siegeszug erzählt uns etwas über die Globalisierung. Jedes Jahr werden mehr als 100 Milliarden der weltweit beliebtesten Frucht gegessen. Der größte Exporteur ist Ecuador, das mit feuchtem Tropenklima und tiefen Böden ideale Voraussetzungen für den Bananenanbau hat. Interessant daran: In Ecuador wachsen rund 300 verschiedene Bananensorten, doch in Europa kennen wir praktisch nur eine: Cavendish. Vielleicht werden wir uns aber umstellen müssen. Denn die Sorte ist angreifbar, weil sie keine Resistenz gegen Krankheiten entwickeln kann. Vor 50 Jahren verdrängte sie den damaligen Weltmarktführer Gros Michel. Wird es Caven-dish bald ähnlich ergehen?

Anhand solcher Beispiele aus den verschiedensten Gebieten, von Rohstoffen und Produkten, Waren- und Menschenströmen, versucht der Geograf Chris Fitch in dem großformatigen Band „Globalografie“ die Welt von heute zu erklären. Dazu bedient er sich Weltkarten. Die von Menschen gezogenen Grenzen hat er daraus entfernt und stattdessen andere Verbindungen eingezeichnet: Ströme von Ressourcen, Daten, Geld, Ideen. Das soll vor Augen führen, wie unsere globalisierte Welt von heute funktioniert. „Maßnahmen und Entscheidungen, die auf einer Seite des Planeten getroffen werden, können in vielen tausend Kilometern Entfernung dramatische Auswirkungen haben.“

Zuerst einmal ist man als Betrachter von der hochwertigen Aufmachung und den beeindruckend visualisierten Karten fasziniert. Jeweils auf einer Doppelseite wird gezeigt, wie sich etwa der Uranverbrauch in der Welt verteilt (die USA führen mit großem Abstand), von wo nach wo es internationale Studierende verschlägt (inzwischen auch amerikanische Studenten nach China, nicht nur umgekehrt) oder wo Sneaker produziert und wo sie gekauft werden.

Aus dem Betrachten der bunten Weltkarten, die mit allerlei Pfeilen, Kreisen und mehr geschmückt sind, würde kaum jemand schlau werden. Auf einer zweiten Doppelseite liefert Fitch daher Sachinformationen. Soziale Ungleichheiten, Umweltprobleme und woran die globalisierte Welt noch so krankt, blendet er dabei nicht aus. Seine Texte durch einen sachlichen, unaufgeregten Ton aus. Zum Thema Sneaker heißt es mit britischer Trockenheit: „Obwohl die Vietnamesen einen so großen Anteil der Sportschuhe herstellen, kaufen sie selbst so gut wie keine Sneaker.“

Am Ende liegt es vielleicht an der Schere zwischen ihrem Verdienst und dem Preis, den die beiden größten Konzerne Nike und Adidas für die Schuhe verlangen. Die meisten Mitteleuropäer haben damit kein Problem. Österreich belegt bei den Sneaker-Käufen nach Irland, den USA und den Niederlanden weltweit den vierten Platz.

Noch besser sind wir nur beim Konsum von Schokolade, da ging sich sogar die Top-Position aus. Der Kakaobaum stammt ursprünglich aus Mittelamerika. Drei Viertel des Ertrages stammen heute aus Afrika.

Die größte Menge wird dabei an der Elfenbeinküste und in Ghana geerntet. Bei Verarbeitung der Bohnen sind allerdings die Niederlande führend. Seit ein paar Jahren macht die Elfenbeinküste aber auch eigene Schokolade. Der Klimawandel könnte dazu führen, dass die Bäume auf den heutigen Anbauflächen in Zukunft nicht mehr gedeihen werden. Davon wird die Welt nicht untergehen. Aber das Kapitel Kakao ist eines von vielen, die Fitch milde pessimistisch beenden muss. Ähnlich gestimmt schließt man dieses spannende Buch.

Sebastian Fasthuber in FALTER 12/2019 vom 22.03.2019 (S. 44)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
Warenkorb anzeigen