Pontus
Gedichte

von Daniela Danz

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Verlag: Wallstein
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Lyrik, Dramatik
Umfang: 78 Seiten
Erscheinungsdatum: 27.02.2009

Rezension aus FALTER 38/2009

Mit "Pontus" hat die 1976 in Eisenach geborene, heute in Halle lebende Daniela Danz den erfolgreichsten deutschen Gedichtband der letzten Jahre geschrieben. Die prekären Bruchlinien westlicher und östlicher Imperien, Kulturen und Reli-
gionen werden in fünf Zyklen nachgedichtet. Pontus ist der Raum ums Schwarze Meer, aus dem sich Europa seit Anbeginn definiert. "Durch die Schlacken sind wir gekommen / durch Schlachtensediment / persönliche Kämpfe und Dunkelziffern", heißt es eingangs. Das dichterische Ziel: "Du willst / doch zurück mit leichtem Gepäck". Das Reiseoutfit besteht aus Turnschuh und klassischer Antike, aber wenn Homer oder Ovid angesprochen, mit Goethe und Hölderlin erhabene Töne angeschlagen werden, klingt es nie bildungsbürgerlich aufgesetzt. "Das ist der Anfang ein Sturz / übers Meer betrunken / vom Wunsch sich drüber zu spannen / Europa am Abend und Asien nach / dem Gang durch die Nacht".
Man kann "Pontus" als Reisetagebuch durch Zeit und Raum lesen – mit Sonnenanbetern und Jagdbombern. Im Museum fällt der Blick auf das "Floß der Medusa", ein anderer Blick aus dem Flugzeug geht über ganze Kontinente. Schließlich findet sich da der Engel, der in einer Welt, "aus der die Heiligen verschwunden sind", eigentlich nichts mehr zu suchen hat, Maria wie dem Propheten Mohammed seine Botschaft verkündet. Die dichterische Arbeit am Mythos führt den ukrainischen Sagenheld Danilo weit ins Steppenland, bis Europa in der Ebene verschwindet. Quasimythologisches Zentrum des Ganzen ist Balaklava (in der Nähe von Sewastopol) mit dem Iphigeniefelsen, unter dem sich ein Bunker für Atom-U-Boote befindet, den Stalin für den dritten Weltkrieg graben ließ. Nicht Vernichtung folgte, sondern Mauerfall und Globalisierung. Paul Valery ließ an vergleichbarer Stelle vor 100 Jahren den Wind sich erheben und beschwor das Leben als Ganzes. Daniela Danz ist in ihren kleinen Landschaftsgedichten und Liebeserklärungen scheinbar bescheidener: "Wo aber du nicht hier bist stürze allein / ein Eisvogel ich ins Meer wie du / voll Überfluss rennt es heran wirft / Wellen gegen mich dass ich sie breche". Wer genau liest, versteht, dass es um mehr geht.

Erich Klein in FALTER 38/2009 vom 18.09.2009 (S. 21)


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