Hagard
Roman

von Lukas Bärfuss

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Verlag: Wallstein
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 174 Seiten
Erscheinungsdatum: 27.02.2017

Ein Mann, eben stand er während des Feierabendgedrängels noch am Eingang eines Warenhauses, folgt aus einer Laune heraus einer Frau. Er kennt sie nicht, sieht sie auch nur von hinten, aber wie in einem Spiel sagt er sich: Geht sie dort entlang, folge ich ihr nicht weiter; geht sie in die andere Richtung, spiele ich das Spiel noch eine kleine Weile weiter. Es bedeutet ja nichts, niemand kommt zu Schaden, und der Abstand in der Menge ist so groß, dass die Frau es gar nicht bemerken wird. Eher ist es eine sportliche Aufgabe, sie in der Menge nicht zu verlieren.
In einer knappen Stunde hat Philip ohnehin einen wichtigen Termin. Aber schon fragt er sich, ob der nicht auch zu verschieben wäre, bis zur Abendverabredung bliebe ja noch etwas Zeit. Was ihn bewegt, ist erst einmal unklar. Ist der Verfolger einfach ein gelangweilter Schnösel? Ein Verrückter? Ein Verbrecher? Er scheint selbst vor etwas zu fliehen.
Etwas Bedrohliches liegt in der Luft, etwas Getriebenes. Ein atemloser Sog entsteht, in den auch der Leser gerät, je länger die Verfolgung anhält. Allen Sinneswahrnehmungen haftet etwas beunruhigend Surreales an. Die aufgerufenen Fragen über unsere Lebenswirklichkeit im 21. Jahrhundert gewinnen eine unabweisbare Schärfe. Lukas Bärfuss, geb. 1971 in Thun/Schweiz. Dramatiker und Romancier, Essayist. Seine Stücke werden weltweit gespielt, seine Romane sind in etwa zwanzig Sprachen übersetzt. Er lebt in Zürich. Preise u. a.: - Mülheimer Dramatikerpreis (2005) - Anna-Seghers-Preis (2008) - Mara-Cassens-Preis (2008) - Schillerpreis der Schweizerischen Schillerstiftung (2009) - Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis (Sonderpreis) (2009) - Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster (2010) - Kulturpreis Berner Oberland (2011) - Berliner Literaturpreis (2013) - Solothurner Literaturpreis (2014) - Thuner Kulturpreis (2014) - Schweizer Literaturpreis (2014) - Nicolas-Born-Preis (2015)

Rezension aus FALTER 14/2017

Aus dem Alltag auszubrechen und zu verschwinden ist ein häufiges Thema der Schweizer Literatur. So ein Fall ist auch Philip. Beim Warten auf einen Geschäftspartner fällt sein Blick auf eine Frau, der er spontan beschließt zu folgen, obwohl er nur ihre Rückenansicht und ihre „pflaumenblauen Ballerinas“ wahrgenommen hat. Binnen eineinhalb Tagen wird Philip vom erfolgreichen Immobilientwickler zu einem Sonderling, der mit nur einem Schuh durch Zürich stolpert.
Lukas Bärfuss legte mit dem Stück „Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ oder dem Roman „Koala“ furiose Texte vor. Mit „Hagard“ – das Wort, das Wildfang meint, kommt im Buch kein einziges Mal vor – verheddert er sich trotz großartiger Passagen. Dass Bärfuss einen namenlosen Ich-Erzähler dazwischenschaltet, der darüber schwadroniert, wie schwierig es ist, den Einstieg in eine Geschichte zu finden, macht es nicht besser.

Sebastian Fasthuber in FALTER 14/2017 vom 07.04.2017 (S. 35)


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