Mädchen

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Ein literarisch-verspielter Text über Zugehörigkeit und Abgrenzung, über die Schwierigkeiten und Heiterkeiten des Heranwachsens.
Teresa Präauer widmet sich in diesem Buch einer Figur, die in ihren Büchern bisher beinah ausgespart geblieben ist: dem Mädchen. In persönlichen Erinnerungsstücken und literarischen Betrachtungen erzählt sie über Kindheit und Konkurrenz, Mädchenbanden und Bubenspiele. Über Zugehörigkeit und Abgrenzung und über die Schwierigkeiten und das Glück des Heranwachsens. »Mädchen« steckt voller Beobachtungen, Zärtlichkeit und Heiterkeit und ist ein intimes Geschenk der sprachmächtigen Autorin an ihre Leserinnen und Leser.

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FALTER-Rezension

Weil ich ein Mädchen bin

Manchmal entsteht Kunst aus einem Ärgernis. Die 1979 in Linz geborene Autorin Teresa Präauer hat neben Germanistik auch Malerei am Mozarteum Salzburg studiert. Ein poppiges Bild von damals zeigte kurze, dicke Beine mit klobigen Stiefeln, und zwar in den Farben Rot, Beige, Orange und Rosa. Ein alternder Assistent des Professors nannte es süffisant: Jungmädchenfarben. Aus Trotz zeichnete Präauer später eine ganze Serie mit dem Titel „Jungmädchenfarben“.

In ihrem Buch „Mädchen“ geht es aber nicht vordergründig um persönliche Erinnerungen, die sind der Autorin ohnehin ein wenig suspekt. „Der Stoff der Erinnerung, der Stoff des Erzählens, ist kunstseiden, und in jeder Autobiografie steckt ein Gutteil Fiktion, Interpretation, Bewertung, Zuspitzung, Form“, schreibt sie.

„Mädchen“ ist halb Erzählung, halb Reflexion über Rollenbilder von Heranwachsenden in der Literatur, im Film und in der Kunst. Musik als herausragendes Medium der Selbstermächtigung interessiert Präauer erstaunlicherweise gar nicht.

„Mädchen“ ist aber auch ein Buch, das sich am eher klassischen Bildungskanon abarbeitet: Virginia Woolf, Irmgard Keun, Annie Ernaux, Françoise Sagan, Cindy Sherman und Pipilotti Rist kommen vor – und Tavi Gevinsons Blog „The Style Rookie“, das in Internetjahren gerechnet aber auch schon eine Ewigkeit her ist. Mit aktuellen Teenies hat Präauer wenig am Hut, die bleiben eine fremde Welt: „Wo sind die Mädchen eigentlich heute? Sprechen sie laut, flüstern sie, kichern sie? Halten sie die Hand vor den Mund beim Lachen? Fahren sie Skateboard? Schicken sich gegenseitig ein paar Herzen und Likes?“

Obwohl das etwas altbacken wirkt, liest man gern, was Präauer über die jeweiligen Kunstwerke zu sagen hat. Bei Sagan geht es um Daddy’s Girls, wie unbeschwert und schalkhaft sie sind, wenn sie mit ihrem Vater allein sein dürfen. Weibliche Role Models kommen kaum vor, jedenfalls nicht in der Biografie der Autorin selbst: „Die größten Kämpfe hatte ich als junge Frau mit älteren Frauen auszufechten.“

„Wer über das Mädchen nachdenkt, denkt über Anfänge nach“, lautet der wiederholt aufgegriffene erzählerische Leitfaden. Die zentrale Aufgabe bestünde freilich darin, den eigenen Erinnerungen zu misstrauen. So viel ist dennoch klar: Es ist eine wohlbehütete Kindheit und Jugend ohne Tragödien. Gerade diese Unaufgeregtheit erlaubt es aber auch, die erstaunlich großen Spielräume eines Teenagerlebens zu thematisieren: „In meiner Erinnerung ist die Kindheit eine Zeit, in der es oft gerade keine Rolle spielte, ob man denn ein Mädchen oder ein Junge war, am wenigsten Rolle spielte es vielleicht gar beim Lesen und bei der Identifikation mit literarischen Figuren. Aber vielleicht gehört auch das retrospektiv zum Wunschdenken?“

„Mädchen“ ist also eine kritische Selbstbefragung und zugleich eine lockere Wanderung durch Mädchenbilder in der Kunst: von Goethes Gedicht „Heidenröslein“ bis zu Nabokovs umstrittenem Roman „Lolita“, zu dem Präauer aber recht wenig einfällt, außer, dass er über eine „hohe Ambivalenz“ verfüge. Spannender ist, wenn sie über Irmgard Keuns Flapper-Roman „Das kunstseidene Mädchen“ schreibt oder über die vielen Ratgeberbücher für Mädchen, die in den 1980er- und 1990er-Jahre noch immer klingen, als ob sie in der Nachkriegszeit geschrieben worden wären.

Misslungen ist allerdings das Setting der Erzählung. Ein neunjähriger Junge, den sie ihren „liebenswürdigen Quälgeist“ nennt, hat sie bei Abenteuerspielen auf dem Teppich gefesselt, jetzt habe sie das „Privileg mich zu fragen, an welchem Ort ich gestrandet bin“. Das klingt schon arg gekünstelt, um übers Patriarchat zu reflektieren. „Die größte Erfindung dieses Textes hier ist, dass ich mich so einfach festbinden oder festlegen ließe.“ Ironie macht das schiefe Bild allerdings auch nicht besser.

Karin Cerny in Falter 11/2022 vom 18.03.2022 (S. 14)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783835351967
Erscheinungsdatum 09.03.2022
Umfang 78 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Wallstein
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