Untersuchung zur Wahrnehmung von Stress bei Katzen durch Katzenbesitzer und die Auswirkung von katzenfreundlichen Methoden im Umgang mit Katzen in der tierärztlichen Praxis

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Das enge Zusammenleben von Menschen mit Katzen bedingt, dass sie eine soziale Bindung miteinander eingehen. Um diese Beziehung zwischen Menschen und Katzen zu beschreiben, existieren verschiedene Beziehungsmodelle, deren Ursprung in der Domestikation der Tiere liegt, die vor tausenden von Jahren stattfand und sich, sowohl für die Menschen, als auch für die Tiere, als vorteilhaft herausstellte. Wo, im Fall der Katze durch die Selbstdomestikation von Felis silvestris libyca, diese durch das Zusammenleben mit dem Menschen vermehrt Nahrung und Sicherheit finden konnte, profitierte der Mensch in früheren Zeiten von der Schadnagerbekämpfung der Katzen. Heute überwiegen gesellschaftliche Gründe als Vorteile der Katzenhaltung. Menschen, die eine Katze als Haustier halten, sehen in ihnen einen Sozialpartner; aber auch gesundheitliche Vorteile, wie ein geringeres Risiko an cardiovaskulären Erkrankungen zu leiden, ergeben sich aus dieser Beziehung. Die moderne Beziehung von Mensch und Katze unterliegt verschiedenen Einflussfaktoren, allen voran der Persönlichkeit beider Sozialpartner und damit untrennbar verbunden auch deren Kommunikationsstil und –intensität.
Während Menschen ihrerseits das Interesse am Tier und der Beziehung zu ihm benennen können, so lassen Rückschlüsse aus dem Verhalten der Katzen die Vermutung auch umgekehrt zu. Katzen haben sich im Laufe der Zeit an das Zusammenleben mit dem Menschen angepasst, wodurch erst eine dauerhafte Bindung ermöglicht wurde. Damit diese Beziehung zudem erfolgreich für beide Partner ist, müssen Bedürfnisse und Emotionen erkannt und seitens des Menschen Verständnis für das Katzenverhalten vorhanden sein. Dieses Verständnis bedingt eine artgerechte Haltung der Katzen, während ein Nicht-Erfüllen von essentiellen Grundbedürfnissen in Verhaltensproblemen und Stress der Katzen resultieren kann. Stress hat eine physiologische Funktion, solange er seinen ursprünglichen Zweck der Anpassung an herausfordernde Lebensumstände erfüllt. Kann das Tier sich verändernden Lebensbedingungen hingegen nicht mehr anpassen, so wird Stress pathologisch.
Stress kann dabei nicht nur bei dauerhaften Zuständen, sondern auch in akuten Situationen, wie in Zusammenhang mit einem Tierarztbesuch auftreten, in dessen Rahmen Katzen die Kontrolle und Vorhersehbarkeit über ihre Umwelt verlieren. Stress bei der Katze kann vornehmlich durch Beobachtung und Beurteilung von Verhalten detektiert werden, da er individuell unterschiedlich empfunden wird und in verschiedenen Verhaltensreaktionen resultieren kann. Wie Stress von Katzen bei einem Tierarztbesuch reduziert werden kann, ist Bestandteil der Forschung und hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass Leitlinien und Empfehlungen, wie Tierarztbesuche stressarm für Katzen gestaltet werden können, publiziert wurden. Dazu gehört nicht nur eine katzenfreundliche Behandlung seitens des Tierarztes, sondern auch eine Beratung, Aufklärung und Sensibilisierung der Besitzer über Katzenverhalten. Eine gute und vertrauensvolle Bindung zwischen Tierarzt und Katzenbesitzer kann eine gute Compliance seitens des Katzenbesitzers bedingen. Und auch die Chancen der Gesunderhaltung der Katzen können steigen, wenn der Tierarzt über Katzenverhalten berät..
Eine deutliche Mehrheit der Katzenbesitzer nimmt ihre Katze beim Tierarztbesuch als gestresst war, aber nicht nur Katzen können Stress bei dem Besuch des Tierarztes empfinden, sondern auch deren Besitzer. Dies betrifft etwa die Hälfte der Katzenbesitzer und bedingt zudem das Stressempfinden in Bezug auf ihre Tiere, da Besitzer, die selbst Stress erleben, ihre Katze deutlich häufiger gestresst beschreiben. Tierärzte sollten dementsprechend auf die Gefühle des Besitzers reagieren, um Angst und Nervosität bei ihnen und darüber hinaus auch bei den Katzen in Zusammenhang mit dem Tierarztbesuch zu minimieren. Die Vermeidung von Stress liegt dabei in der Hand des Tierarztes; einerseits durch eine angepasste Kommunikation und katzenfreundliche Umgangsmethoden, andererseits auch durch eine Beratung und Aufklärung über Katzenverhalten. 29,6% der Katzenbesitzer berichten, dass sie bei ihrer Katze ein Problemverhalten beobachten oder in der Vergangenheit bereits beobachtete haben. Von diesen Besitzern geben allerdings nur knapp mehr als ein Drittel an, dass ihr Tierarzt ihnen bei der Lösung des Verhaltensproblems helfen konnte. Obwohl Beratung und Aufklärung über Katzenverhalten, Verhaltensprobleme und die Umsetzung eines stressarmen Tierarztbesuches einen positiven Einfluss auf die Compliance der Besitzer haben, werden sie in der Praxis nur wenig durchgeführt. Zudem resultiert eine entsprechend geartete Beratung durch den Tierarzt darin, dass Besitzer diesen als katzenfreundlicher beschreiben. Katzenfreundliche Umgangsmethoden lohnen sich, da Besitzer, die dies erwarten auch eine bessere Compliance zeigen.
Stress bei Mensch und Katze spielt demnach während eines Tierarztbesuches eine große Rolle. Katzenbesitzer sollten proaktiv durch den Tierarzt über verschiedene Aspekte des Umgangs mit der Katze, sowie Stressverhalten aufgeklärt und beraten werden, um das Tier weniger Stress beim Tierarztbesuch auszusetzen und darüber eine bessere Gesundheitsversorgung über eine gesteigerte Compliance der Katzenbesitzer zu erreichen. Eine Aufklärung der Katzenbesitzer über bessere Haltungsbedingungen von Katzen kann über eine Prävention von assoziierten Erkrankungen zu mehr Tierwohl beitragen und sollte daher zudem routinemäßig durch den Tierarzt durchgeführt werden.
Insgesamt können sich also Aufklärung und Beratung über Katzenverhalten und die Umsetzung von katzenfreundlichen Umgangsmethoden in der tierärztlichen Praxis in vielerlei Hinsicht lohnen. Sie tragen dazu bei Stress von Mensch und Tier in Zusammenhang mit einem Tierarztbesuch zu minimieren und die Lebensbedingungen von Katzen im häuslichen Umfeld zu optimieren. Zudem wirken sie sich bestenfalls wirtschaftlich rentabel für die Praxis aus.

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Produktdetails
Mehr Informationen
ReiheEdition Scientifique
ISBN 9783835970502
Erscheinungsdatum 22.07.2022
Umfang 153 Seiten
Genre Medizin/Veterinärmedizin
Format Buch
Verlag VVB Laufersweiler Verlag