Am Ende der Welt

von Agda Bavi Pain

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Übersetzung: Mirko Kraetsch
Verlag: Wieser Verlag
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 243 Seiten
Erscheinungsdatum: 17.11.2008

Rezension aus FALTER 11/2009

Blood, Sweat & Bratislava

Eines gleich vorweg: Agda Bavi Pain ist nicht leicht zu fassen. Da ist schon mal der Name des slowakischen Autors, der für seinen Roman "Am Ende der Welt" ("Koniec sveta") mit dem Preis "Bank Austria Literaris" für Literatur aus dem Osten und Südosten Europas ausgezeichnet wurde. Sehr slowakisch klingt der nämlich nicht. Kein Wunder: Agda Bavi Pain (oder auch Agbar Baba Pan) ist nur eines von mehreren Pseudonymen des 1962 in Košice geborenen Jozef Gaál, der nicht nur die Namen wechselt wie andere die Hemden.
Von der Schriftstellerei könne er in der Slowakei nicht leben, erklärte Bavi Pain einmal (türkische Wurzeln spielen bei dieser Variante seines Künstlernamens auch mit), also ist er auch Dichter, Prosaiker, Fernseh- und Filmdrehbuchautor, Songund Werbetexter, Theatermacher und Puppenspieler.

Schon zu Zeiten des Kommunismus schloss er sich einer satanistischen Loge an, auch das wohl Teil seiner Selbstdarstellung, die ihn weiters als Tierschutzaktivisten oder Sänger der Band Liter Gena auftreten lässt. Zudem inszeniert er sich auch gerne als Unterweltler oder zumindest einer, dem das zwielichtige Kriminalmilieu der Slowakei nicht fremd ist. In diese vor Blut und Schweiß triefende Welt der kleinen Gangster, Verbrecher, Drogendealer, Huren und auch Zigeuner führt Bavi Pain in "Am Ende der Welt", wobei der Roman dem Leser schnell zu entgleiten droht.

So viel ist jedenfalls klar: Es geht hier um jenes Leben, das sich hinter oder besser unter den renovierten Fassaden der Plattenbausiedlungen an der Peripherie von Bratislava und Košice abspielt. In diesen Mikrokosmos schmieriger, zwielichtiger Bars und Puffs, die nach den Wendejahren als Begleiterscheinung des Siegeszugs des Kapitalismus über den realen Sozialismus entstanden sind, kehrt Robi nach einem Gefängnisaufenthalt zurück. Ihm stets zur Seite ist ein gewisser Luckay, dessen Rolle freilich obskur bleibt, denn die Frage, auf welcher Seite der (ehemalige?) Polizist nun wirklich steht, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Sie ist aber ebenso wenig entscheidend wie der Rest der Handlung, der zudem schwer nachzuerzählen wäre. Zwar kommt es nebenbei zu gezählten 17 Morden, doch werden die Ereignisse von den Wortkaskaden richtiggehend weggespült, die über den Leser hereinstürzen.
Auch die ethnolinguistischen Einsprengsel, die nachdrücklich darauf hinweisen, dass in unserem Nachbarland auch Idiome wie Ungarisch, Tschechisch oder Romanes zum (Strizzi-)Alltag gehören, tragen das ihre zur Verwirrung bei. Der Autor verfolgt damit freilich auch ein künstlerisches Konzept. Nach ersten Erfolgen wie dem Lyrik-Band "Kost' & koža" ("Knochen & Haut") habe er erkannt, so Bavi Pain, was der slowakischen Literatur fehle: guter Trash, Gothic Novels, B-Movies und B-Literature. Sollte die slowakische Gesellschaft diesbezüglich wirklich an Mangelerscheinungen gelitten haben, dürfte sie nun weitgehend kuriert sein.

Im slowakischen Original gibt "Koniec sveta" wohl eine interessante und amüsanterschreckende Studie von Dialekten, Soziolekten und Underground-Milieus her. Auf Deutsch kommt das Ganze freilich etwas anstrengend daher. Dialoge wie der folgende können auf Dauer etwas nerven: "Und sonst so? Stütze kriegste genug? Tßa, je nachdem. Iß krieg fünf Tauß'nder der Sßoßialhilfe, Žn beßreß Taß'ngeld, Móre, für eine Nacht im Tabu, ßo ungefähr, und dann früh in der Kneipekneipe, von wegen genug!".
Dem Übersetzer Mirko Kraetsch kann man freilich keinen Vorwurf machen: Die Übertragung dieses ganz spezifischen Slangs war wohl ein höchst ambitiöses Unterfangen. Und ein Zeitdokument ist diese apokalyptische Bestandsaufnahme einer ebenso jungen wie planlosen Generation, die sich nicht einmal 100 Kilometer von Wien entfernt tummelt, allemal. Wohl nicht zu Unrecht wurde das Buch schon als die erste "Punkballade der slowakischen Literatur" bezeichnet.

Edgar Schütz in FALTER 11/2009 vom 13.03.2009 (S. 14)


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