Philosophie in Aktion
Demokratie - Rassismus - Österreich

von Silvia Stoller, Elisabeth Nemeth, Gerhard Unterthurner

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Verlag: Turia + Kant
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 27/2000

Ende März 2000, eine Woche nach der Großdemonstration am Heldenplatz, kulminierte der Intellektuellenprotest gegen Schwarz-Blau: Zuerst fand am Institut für Philosophie der Universität Wien eine Aktionswoche statt; am unmittelbar darauf folgenden Wochenende lud die IG Kultur unter dem Titel "sektor3/kultur" zu einer Konferenz. Die Vorträge der beiden Veranstaltungen wurden nun zu zwei Sammelbänden zusammengefasst.
"Diagnose und Kritik" wollen die Beiträge der Philosophen sein, wie die Herausgeber Silvia Stoller, Elisabeth Nemeth und Gerhard Unterthurner einleitend festhalten. Das wird auch immer wieder eingelöst, wenngleich nicht auf jene Art und Weise, die in den medialen Österreich-Betrachtungen sonst üblich ist: Zumeist unter Berufung auf postmarxistische Philosophen (Foucault, Althusser, Laclau & Mouffe) und gewappnet mit Fußnoten bzw. Bibliografien wird da vor allem über vier verschiedene Themenkomplexe nachgedacht: über Formen des Rassismus, über das Faszinosum Haider, die Legitimität der Regierung und des Protests gegen sie sowie - nicht zuletzt - über das Verhältnis der Philosophie zur Politik.
Dieser Frage geht vor allem Oliver Marchart im Eröffnungstext von "Philosophie in Aktion" nach, und zwar über den Umweg einer Klärung des Begriffs der Zivilgesellschaft, den sich die Protestbewegung auf ihre Fahnen schrieb. Drei Bedeutungsdimensionen seien dabei zu unterscheiden: erstens der sozialwissenschaftliche Begriff, der alle zivilen Assoziationen jenseits von Staat, Markt und Familie bezeichnet, zweitens der politische Kampfbegriff, der im Frühjahr 2000 alles zusammenfasste, was der Regierung entgegenstand. Drittens schließlich aber könnte Zivilgesellschaft ein demokratiepolitisches Projekt bezeichnen, das bislang von der Protestbewegung freilich noch nicht formuliert wurde. Genau das aber sollte der mögliche Beitrag der Philosophie zu einer widerständigen Politik sein.Ende März 2000, eine Woche nach der Großdemonstration am Heldenplatz, kulminierte der Intellektuellenprotest gegen Schwarz-Blau: Zuerst fand am Institut für Philosophie der Universität Wien eine Aktionswoche statt; am unmittelbar darauf folgenden Wochenende lud die IG Kultur unter dem Titel "sektor3/kultur" zu einer Konferenz. Die Vorträge der beiden Veranstaltungen wurden nun zu zwei Sammelbänden zusammengefasst, die seit kurzem vorliegen. Zivilgesellschaft war einer der Schlüsselbegriffe auf der Konferenz "sektor3/kultur", bei der einerseits die Vernetzung des dritten kulturellen Sektors (neben Repräsentationskultur und Kulturindustrie) weiterentwickelt, andererseits aber auch Strategien politischer Interventionen aus eben diesem Feld diskutiert wurden. Dabei wiesen einige Vortragende - wie Boris Buden oder Robert Zöchling - aber auch auf die Probleme des Zivilgesellschaftsbegriffs hin: nämlich die implizite Beschränkung auf einen nationalen, gar patriotischen Handlungsrahmen bzw. die Ausblendung der europäischen Dimension der ganzen Problematik. Zweites Hauptthema des Bandes sind Strategien zur Herstellung von Gegenöffentlichkeiten; abgerundet wird das Ganze durch eine Materialiensammlung mit einschlägigen Protestresolutionen und Forderungskatalogen.
(erhältlich bei der IG Kultur und in ausgewählten Buchhandlungen).

Klaus Taschwer in FALTER 27/2000 vom 07.07.2000 (S. 10)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

sektor3/kultur (Gerald Raunig)

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