Ein Plädoyer für die Intoleranz

von Slavoj Zizek, Martin Bernhofer

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Verlag: Passagen
Erscheinungsdatum: 01.01.1998

Rezension aus FALTER 8/1999

All jene, die sich selbst bereits als politische Auslaufmodelle geißelten, können aufatmen und das Prinzip Hoffnung wieder zurück in die Mitte des Bücherregals rücken, ohne ein mitleidiges Lächeln der Gäste befürchten zu müssen. Denn bei den intellektuellen Vorschreibern von Links ist die Abrechnung mit der "Postpolitik" im technokratischen Kapitalismus en vogue. Auch vom slowenischen Philosophen und Psychoanalytiker Slavoj Zizek erschienen unlängst zwei essayistische Beiträge zur Reideologisierung: "Ein Plädoyer für die Intoleranz" und ein (englischer) Kommentar zum 150. Geburtstag des Kommunistischen Manifestes ("The Spectre is Still Roaming Around!").

"Die große Neuigkeit im heutigen postpolitischen Zeitalter des ,Endes der Ideologie' ist die radikale Entpolitisierung der Sphäre der Politik: die Art und Weise, in der die Ökonomie verfährt (die Notwendigkeit, Sozialausgaben zu kürzen und so weiter) wird einfach als eine Einsicht in irgendeinen objektiven Stand der Dinge betrachtet." Als prominente Beispiele dieser ideologischen Leere in der Logik des Kapitals attackiert Zizek New Labour und die minderheitenorientierten Identitätspolitiken: Die Bestärkung des Partikularen im Multikulti-Pluralismus diene nicht der gesellschaftlichen Emanzipation, sondern legitimiere eine Kolonisierung, die unterschiedslos Bananenrepubliken produziere.

Ganz neu ist das alles nicht: Herbert Marcuses "repressive Toleranz", Michel Foucaults "Biopolitik" oder Ulrich Becks "Erfindung des Politischen" stehen unzitiert Pate. Aber Zizek serviert es als Melange aus linkshegelianischem und psychoanalytischem Jargon und mit frischem Bezug auf zeitgenössische Kulturphänomene, versüßt durch die Ironie locker eingestreuter post-sozialistischer Anekdoten. Wirklich innovativ ist das Layout des Kommentars zum Manifest, von der kroatischen Intellektuellen-Werkstatt Arkzin fabriziert, - ein Ausnahmefall, in dem Hypertext-Design zur Steigerung der Leselust mit Sinn harmoniert.

Fritz Betz in FALTER 8/1999 vom 26.02.1999 (S. 71)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

The Spectre is Still Roaming Around (Slavoj Zizek)

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