Ein Funke genügt ... Die Briefbombenattentate
Der Fall Franz Fuchs

von Thomas Vasek

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Verlag: edition selene
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 3/1999

Die Fuchsjagd

Zwei Wochen vor dem Prozeß gegen Franz Fuchs erscheint eine spannende Dokumentation der Briefbombenattentate und der Einvernahmen des Hauptverdächtigen Franz Fuchs

Das Blitzlichtfoto eines Schwerverletzten, der gerade beide Hände verloren hat, verkauft sich gut. Etwas überbelichten, in roter Schreibmaschinenschrift "Ein Funke genügt ..." drüber, dazu den Briefkopf der BBA. Ein Bild wie ein Geständnis?

Zwei Wochen vor Beginn des Mordprozesses gegen Franz Fuchs legt profil-Redakteur und Briefbombenexperte Thomas Vasek eine umfassende Dokumentation der Briefbombencausa vor. Vom reißerischen Cover sollte man sich nicht abschrecken lassen. Dahinter verbirgt sich ein penibel recherchiertes und spannend geschriebenes Stück österreichischer Zeitgeschichte.

"Ein Funke genügt ..." gliedert sich in vier Abschnitte: eine Chronologie der Ermittlungen, eine Montage der Aussagen des Franz Fuchs, eine Zusammenstellung der wichtigsten Gerichtsdokumente und eine Bilanz der letzten sechs Jahre.

Ende 1993 explodieren die ersten Briefbomben. Justiz und Polizei geraten in Aufregung. Der Vater des Rechtsextremisten Franz Radl wird in Fürstenfeld in Unterhosen abgeführt, nachdem die Exekutive sein Haus verwüstet hat. Gleichzeitig verhaftet die Wiener Polizei seinen Sohn und den Chemiker Peter Binder, der gerade Waffen über die Grenze zu schmuggeln versucht.

Es kommt zum skandalösen Briefbombenprozeß. Eine schwache Anklage, ein überforderter Richter. Die Ermittler blamieren sich. Noch während des Prozesses explodieren weitere Bomben. Radl und Binder sind nicht die gesuchten Täter.

Bekennerbriefe verschwinden, gefährdete Personen werden von unerfahrenen Ermittlern nicht gewarnt, Beweisspuren vernichtet. Die Justiz ist in Panik: Neonazi Hans-Jörg Schimanek jr. wird, obwohl er mit den Bomben nichts zu tun hat, wegen Wiederbetätigung zu abschreckenden 15 Jahren Haft verurteilt (später wird die Strafe auf acht Jahre reduziert).

Oberwart, Stinatz, Klagenfurt. Auf die Briefbomben folgen tödliche Rohrbomben. Jörg Haider wittert den Terror links, Caspar Einem rechts. Kriminalpsychologe Thomas Müller und Generaldirektor Sika glauben an den älteren, höflichen und peniblen Einzeltäter und versuchen ihn über die Medien zu provozieren: Das Täterprofil wird ohne Einwilligung des Innenministers in einem Buch veröffentlicht.

Ab ersten Oktober 1997 darf die Polizei Rasterfahndung einsetzen. Am Abend dieses Tages sprengt sich Franz Fuchs selbst die Hände weg: "Ich hatte an diesem Tag mehr Angst als sonst, da ich davon ausging, daß die Briefbombenermittler mich mit dieser Ermittlungsmethode finden können", sagt Fuchs später.

Vasek verkneift sich jegliche Spekulation und läßt die Frage, ob Fuchs Einzeltäter war, bewußt offen. Er montiert die tragischen, manchmal komischen Aussagen des "Mannes mit dem S-Fehler" vor dem Untersuchungsrichter zu einem Porträt eines unter Verfolgungswahn leidenden, hochintelligenten "Deutsch-Österreichers", der sich damit abgefunden hat, den "Rest des Lebens im Käfig zu verbringen".

Einmal läßt Fuchs aufhorchen: "Beim SATURN in Graz war ihr Psychologe (Kriminalpsychologe Thomas Müller, Anm.) bei der Kasse und hat mich ausgefragt. Der hat gesagt, die Frauen an der Kasse haben Bohnen in den Ohren, die wollen unser Geld nicht. Ich habe gesagt: ,Sie müssen sagen ,Gnädige Frau', wollen Sie bitte unser Geld nehmen!' Daher hat auch das nächste Täterprofil gelautet: ,Ein äußerst höflicher Mensch'."

Generaldirektor Sika bestreitet, daß ein Ermittler zu Franz Fuchs vor dessen Verhaftung Kontakt aufgenommen habe: "Das entspricht den Wahnideen des Fuchs." Thomas Müller war für ein Statement nicht zu erreichen. In Vaseks Buch wird dieser Aussage nicht weiter nachgegangen.

Florian Klenk in FALTER 3/1999 vom 22.01.1999 (S. 11)


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