Und. Überhaupt. Stop. Collagen. 1996-2000.

von Marlene Streeruwitz

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Verlag: edition selene
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 48/2000

Als die edition selene letzten Herbst im Wiener Schauspielhaus "Ein Fest für Marlene Streeruwitz" ausrichtete, gelangte dort auch Streeruwitz' angeblich einziges Gedicht zur Rezitation. Das "Berggedicht" findet sich auch als Faksimile in "Und. Überhaupt. Stop.": "I kimm aufi. / I schau awi. / I steig awi. / I schau aufi." Dass es nicht das einzige Gedicht ist, beweisen die "10 Versuche in Auftragsdichtung." Untertitel: "Und alle misslungen."
Der Band, der Reproduktionen von Collagen aus den letzten fünf Jahren enthält, bekennt sich programmatisch zur "Unsicherheit des Stückwerks", mit der die Autorin gegen die pseudo-objektiven Weltbehauptungen des Essays Einspruch erhebt, denn: "(...) die Wahrheit ist, dass die Welt nicht so gewusst werden kann, wie der Essay das auch noch in der ausschnitthaftesten Form immer behauptet." Es stellt sich freilich die Frage, ob man dieser Art von Totalisierungseffekt durch bloße Fragmentierung entgeht. Denn auch Streeruwitz' "Micromännerroman" "Frei. Zeit. Frei.", der Freud- und Karl-May-Zitate, Statistiken, Biografiebruchstücke aus dem Leben von Hans und Grete Klein und theoretische Überlegungen der Autorin über die sakralen Wurzeln des Geldes (Geld als eine säkularisierte Form Gottes und als Blutersatz, mit der wir uns die Initiation ins richtige Leben erkaufen) aneinander fügt, basiert auf Annahmen, die Welthaltigkeit sehr wohl behaupten. Annahmen, die der "Mikroschicksalsroman" "Geld. Oder. Leben." teilt, um sie durchaus emphatisch zur Grundlage eines aufklärerischen, ent-täuschenden Kunstbegriffs zu machen: "Kunst verneint die Ausnahme von der Endlichkeit. Sie bietet keinen Trost. Keine Rettung. Stellt immer die Endlichkeit gegen die Unendlichkeit."
In einem "Aufruf." regt die Autorin weibliche Bildverweigerung an, weil das Bild der Frau immer die Geschlechtsorgane darstelle, "ob sie nun abgebildet sind oder nicht". Sie selbst hält sich dann doch nicht daran, und spielt lustvoll parodistisch mit dem eigenen Konterfei in verschiedenen Lebensabschnitten: So sehen wir dann nicht nur die Covers von "Lisa's Liebe.", sondern auch deren "Kinder-" und "Mädchenjahre" sowie "Lisa's Glück".
Bleibt nur noch, ganz fragmentarisch mit einem prächtigen Merksatz aus "Niedertracht." zu schließen: "Das Problem ist doch wohl, die eigene Unordnung zu ertragen. In der eigenen Unordnung Sicherheit zu fassen." Genau.

Klaus Nüchtern in FALTER 48/2000 vom 01.12.2000 (S. 68)


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