Mahlzeit
Frauen zwischen 70 und 100 erzählen aus ihren Erinnerungen

von Gudrun Perko

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Verlag: Milena
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 12/2001

Geistig produktive Menschen müssen Fleisch haben. Die andere Lebensweise bleibe den Bäckern und Bauern, die nichts als Verdauungsmaschinen sind." Der provokanteste Sager im Sammelband "Leben. Töten. Essen" kommt einmal mehr von Friedrich Nietzsche. Um nichts weniger als die anthropologischen Dimensionen des Essens geht es in dem von Heike Baranzke, Franz-Theo Gottwals und Hans Werner Ingensiep herausgegebenen Werk, das in über achtzig Texten der versammelten abendländischen Intelligenz dem Grundkonflikt Leben-Töten-Essen nachgeht. Der Bogen spannt sich von den Philosophen der Antike über die Kirchenväter bis hin zu Darwin, Derrida - und, dazwischen dem Karnivoren Nietzsche.Die andere Lebensweise, der Vegetarismus, hat zurzeit sowohl eine gute Presse wie auch gute Bücher. "Fleisch", so der Titel des Werkes der deutschen Kulturwissenschaftlerin Nan Mellinger, ist ein solches. In ihrer Studie über Ursprung und Wandel zeigt sie die Beziehungen zwischen Fleischverzehr und herrschaftlicher Macht auf und erzählt die Geschichte des Fleisches als einer privilegierten Speise. Trotz Rinderwahn, Schweineskandal und Tierfabriken hat sich hier nichts Grundsätzliches geändert: GemüseMac ist nach wie vor out.

Warum das so ist, macht auch die folgende Geschichte verständlich: Gerhard sah lange Zeit nicht gut aus. Der Grund: Frau Hiltrud kochte fleischlos. Gattin weg, Fleisch her und bald war die Kraft da für die Stammesherrschaft, und Schröder wurde deutscher Kanzler. Soweit die Regenbogenpresse. Uns zeigt das aktuelle Beispiel, wie lebendig die archaischen Mythen rund um den Fleischverzehr noch sind.Ein anderes Buch, eine andere Geschichte. Neulich in der Straßenbahn. Zwei ältere Frauen unterhalten sich über Ernährungsphysiologie und Konsumtheorie. Nach Auflistung der Fakten färbt sich das Gespräch rasch emotional ein. Die Erregung kulminiert. Plötzlich ein Schrei: "A Wahnsinn! BSE, Salmonellen, Gene, Konservenstoffe. Da kannst ja gar nix mehr essen!" So sind sie, die modernen Zeiten. Aber wie war es früher? Im Sammelband "Mahlzeit" von Gudrun Perko kommen Frauen zwischen 70 und 100 zu Wort und erinnern sich. An das Essen während des Krieges, an Tricks, sich das eine oder andere Schnäppchen zu sichern und an ihr Leben als Ernährerinnen der Familie. Ein unsentimentales und sympathisches Buch. Für die älteren Leserinnen im omafreundlichen Großdruck hergestellt. Erzählte Erinnerungen rund um das Essen. Oral History in jeder Hinsicht.

Franz Gutsch in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 35)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Fleisch (Nan Mellinger)
Leben. Töten. Essen (Franz-Theo Gottwals, Hans Werner Ingensiep, Heike Baranzke)

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