Wohin und Zurück
Politische Kommentare und kritische Essays

von Ursula Kubes-Hofmann

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Milena
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 51-52/2001

Gemeinsam marschieren sie jeden Donnerstag gegen die Regierung durch Wien. Gemeinsam schreiben sie aber auch gegen die Regierung an. Und erreichen damit wahrscheinlich mehr Menschen. "Es geht nun darum, unter dem Motto ,Seien Sie empfindlich' zu handeln", schreibt Marlene Streeruwitz im Vorwort zu Ursula Kubes-Hofmanns neuem Sammelband "Wohin und zurück": "Ich halte das im Augenblick für die einzige Möglichkeit zu reagieren. Verzweiflung, Ohnmacht, Wut und Verlassenheit über sich herfallen zu lassen und dann von diesen Überfällen Bericht zu geben. Und das ist es, was Ursula Kubes-Hofmann in ihren Texten macht."

Die Wiener Philosophin, Literaturwissenschaftlerin und Publizistin Kubes-Hofmann gibt sich empfindlich gegenüber Krieg, Gewalt, Antisemitismus, Neoliberalismus und Sexismus. Ihre Kommentare und Essays aus den letzten zehn Jahren sind erschreckend aktuell, wie ein Text zur "Countdown-Mentalität" des Golfkrieges angesichts der Bomben auf Afghanistan: "In Wirklichkeit funktioniert die gesamte Medienwelt nach paramilitärischen Gesichtspunkten, da sie in ihrem Wahn der halluzinierten Machbarkeit auf die Totalität der Abbildung der Ereignisse abzielt."

Kubes-Hofman schreibt ernsthaft, aber nicht langweilig. Dass sie auch satirisch sein kann, beweist ihr Text "Die Zofen", erschienen in dem Sammelband "Die Sprache des Widerstandes ist alt wie die Welt und ihr Wunsch", der vergangenes Jahr mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch ausgezeichnet wurde.

Kubes-Hofmanns verfällt aber nicht in die plumpe Schwarz-Weiß-Malerei so manches Widerständlers. Sie kritisierte schon vor Schwarz-Blau gerne und heftig, was ihr missfiel, und gibt zu: "Ich gehöre zu denjenen, die schon vor dreißig Jahren das Ansehen Österreichs im Ausland geschädigt haben."Es ist in letzter Zeit stiller geworden um die "Anti-Globalisierungs-Bewegung". Kritik an den Praktiken multinationaler Unternehmen oder am Privatisierungstrend in der internationalen Politik gibt es aber immer noch Zuhauf. Ein Teil davon ist in dem Sammelband "Die Privatisierung der Weltpolitik" zusammengefasst, in dem sich verschiedene Autoren mit dem Einfluss privater Akteure - von internationalen Konzernen bis zu Nichtregierungsorganisationen - in der Weltpolitik auseinander setzen.

In zwölf Beiträgen wird nicht nur untersucht, wie weit private Geldgeber auf Organisationen wie die UNO Einfluss ausüben, sondern unter anderem auch der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen Patente auf Lebewesen und die private Kontrolle genetischer Ressourcen haben kann oder was es mit der Privatisierung des staatlichen Gewaltmonopols auf sich hat. Denn kommerzielle Sicherheitsdienste nehmen weltweit schon längst nicht mehr nur polizeiliche Aufgaben wahr, sondern sind in Form privater Söldnertruppen, Militärberater oder mittels Bereitstellung von Logistik schon längst auch im militärischen Bereich vertreten.

Was dieses Buch aber so interessant macht, ist die Tatsache, dass nicht jeglicher Globalisierungsprozess per se als böse verteufelt wird, sondern in manchen Bereichen durchaus auch positive Aspekte aufgezeigt oder zumindest Alternativen zu momentanen Fehlentwicklungen skizziert werden. So wird etwa im Bereich der Menschenrechte nachgewiesen, dass sich durch Konzerne, die in Entwicklungsländern produzieren, durchaus auch eine Verbesserung der Menschenrechtssituation erreichen lässt. Die Voraussetzung dafür bleibt aber, so der Autor dieses Beitrags, dass die Verbraucher durch die Wahl der Produkte, die sie kaufen, entsprechenden Druck auf die Konzerne ausüben.

Erich Klein in FALTER 51-52/2001 vom 21.12.2001 (S. 22)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Die Privatisierung der Weltpolitik (Tanja Brühl)

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