Endemiten
Kostbarkeiten aus Österreichs Pflanzen- und Tierwelt

von Wolfgang Rabitsch, Franz Essl

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Verlag: Naturwissenschaftlicher Verein f. Kärnten
Format: Hardcover
Genre: Naturwissenschaften allgemein
Umfang: 832 Seiten
Erscheinungsdatum: 30.04.2009

Rezension aus FALTER 42/2009

Was verbindet Höckerschwan und Rosskastanie?

Biologie: Ein Mammutwerk katalogisiert die "echten Österreicher" des heimischen Pflanzen- und Tierreichs

Die naturwissenschaftliche Forschung nimmt, bewusst oder intuitiv, immer wieder Fragen auf, die auch die Gesellschaft beschäftigen. So war das Thema der Einwanderung von Tier- und Pflanzenarten nach Österreich Gegenstand intensiver Studien und Publikationen. Dabei wurde durchaus heftig auch die Frage erörtert, was den nun "erwünschte Natur" sei und welche Eigenschaften dieser pflanzlichen und tierischen "Aliens" oder Neo­biota nicht willkommen seien. Eine Antwort war nicht leicht zu finden, denn manche der zugewanderten Lebewesen empfinden wir als genuinen Bestandteil der heimischen Fauna und Flora: zum Beispiel die aus Griechenland stammende Rosskastanie oder die ursprünglich im Norden Chinas heimische Wanderratte.
Manche davon sehen wir als Bereicherung, wie den aus Nordeuropa kommenden Höckerschwan, bei der Spanischen Wegschnecke hingegen fordern Gartenbesitzer strikte Ausrottung. Der Diskurs darüber, welche Arten in Österreich bleiben dürfen und welche nicht, wird oft vergleichbar mit der emotionalisierten Debatte über die Immigration von Menschen geführt. Nur schwer findet sich ein passender Begriff für diese "gebietsfremden Arten", die auch "Neubürger", "invasive Lebewesen" oder eben "Aliens" genannt werden. "Ökofaschismus!" und "Nazibiologie!", tönte es sogleich aus der linken Ecke. Kein Wunder, dass die Politik dieses Thema nicht gerne aufgreift und sich auf wechselseitige Kompetenzzuweisungen zwischen Bund und Land beschränkt.

Umso schöner ist es daher, umgekehrt zu erheben, wer nun ein "echter", weil nur hier vorkommender "Österreicher" ist. Endemiten nennt man jene Arten, die ausschließlich in einem bestimmten Gebiet vorkommen. Im 19. Jahrhundert begann man, Lebewesen mit diesem Begriff auszuweisen, die aufgrund ihres von geografischen Barrieren geformten Lebensraums nirgendwo sonst vorkamen. Vor allem ferne Inseln wie Madagaskar, Galapagos oder Neuseeland zeigten eine "exklusive" Flora und Fauna. Bald entdeckte man, dass extreme Lebensräume wie Berge, Höhlen oder Thermalquellen ebenso biogeografische Inseln sind. Zieht man für diese Gebietsabgrenzung politische Grenzen heran, dann kann man bestimmte Tier- und Pflanzenarten als nationale Wahrzeichen reklamieren.
Der Große Panda ist das weltweit bekannte und sympathische Antlitz Chinas, während das Wappen Australiens als heraldische Schildhalter ein großes Rotes Känguru und einen Emu zeigt. Mit der Anerkennung als gebietsbezogene Besonderheit werden oft erst Schutzmaßnahmen für diese Lebewesen möglich.
Umso wichtiger war es, das vorhandene Wissen über die Verbreitung heimischer Tier- und Pflanzenarten in einer Publikation zusammenzutragen und zu veröffentlichen. Die gleichermaßen schwere wie gewichtige Neuerscheinung "Endemiten in Österreich" ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Erhebung aller hier vorkommenden Arten und eine Grundlage für zukünftige Managementpläne im Naturschutz.

150 Pflanzen- und 575 Tierarten gibt es weltweit nur in Österreich. Sie sind hier mit detaillierten Angaben zu Vorkommen, Biologie und Gefährdungsgrad zu finden. Als gelernter Österreicher ist man direkt überrascht, dass ein solches Buch überhaupt erscheinen konnte: Nicht nur galt es Forscher der verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen zu koordinieren, sondern auch eine Finanzierung für dieses aufwendige Vorhaben zu finden. Offenbar hat der nationale Charakter dieser Aufgabe die Unterstützungsbereitschaft vor allem der Bundesländer erhöht und so ein grafisch ansprechendes Werk ermöglicht, das auch international beachtet wird.
Lob verdient auch das Kärntner Landesmuseum, das das Werk in Kooperation mit dem Umweltbundesamt verlegt hat. Fast wie ein Treppenwitz erscheint es dabei, dass ausgerechnet jenes Bundesland, das Probleme mit dem Aufstellen von zweisprachigen Ortstafeln hat, ein Buch über "echte" Österreicher produziert hat.

Peter Iwaniewicz in FALTER 42/2009 vom 16.10.2009 (S. 49)


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