JOLLY
prosastücke

von Hansjörg Zauner

€ 15,50
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Verlag: Droschl, M
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 136 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 50/1999

Mit "zerschneiden das sprechen" debütierte Hansjörg Zauner in der edition neue texte. Nach "laermleinen vor huefte gekehlt" (1995) erschien nun das dritte Buch in dieser - nach dem Rückzug Heimrad Bäckers beim Droschl Verlag beheimateten - renommierten Reihe. Vom leichtfüßigen Auftakt ("seitentext") bis zu den Schlussworten ("... abgebrochen worden ...") wurden die Texte von "Jolly", einer Sammlung von "Prosastücken" aus den letzten fünf Jahren, mit großem kompositorischem Gespür zusammengestellt - angesichts des der Abgeschlossenheit entgegenarbeitenden Schreibens Zauners sicher keine leichte Aufgabe. Es spricht sehr für die Kraft des zaunerschen Îuvres, dass dieses mitunter monomanisch wirkende Unterfangen niemals der Monotonie unterliegt. Das Sprachkarussell bleibt in Bewegung, und doch erzeugen die repetitiven Hauptsatzreihen keinen Schwindel, sondern umkreisen ihrerseits das Thema der Entstehung von Bildern und Abbildungen. Zauner philosophiert aber nicht über Begriffe, er stellt sie dar und aus, dreht sie vor einem Spiegel hin und her ("Spiegel" ist einer der häufigsten Begriffe des Bandes).

Innen und Außen changieren, so wie die Wörter in den einfach strukturierten Sätzen des Öfteren ihre Plätze wechseln. Das klingt ein bisschen wie Fußball. Zauners Wortfeld ist - trotz einiger Neologismen - wenig umfangreich, aber die Kombinationen sind umso vielseitiger, lustvoller und witziger (vom österreichischen Fußball hat er das nicht): "der freistoß fliegt aber die mauer hält durch. der wind verbläst den ball und der kopf geht darüber. (...) auf der stelle löst sich das tor und das spiel beginnt sich zu drehen. der schuss ist gelenk und das tor ist gefallen."

Was scheinbar surreal oder als Nonsensprosa daherkommt ("das messer ist eine beobachterlücke und klebt im brei"), gewinnt innerhalb des Textganzen eine geradezu empirische Dimension der Selbst- und Fremdwahrnehmung: eine dichte Prosa, die dem Verstehen von Identitätsbildung und Denkvorgängen dienlicher sein kann als manche theorieschwere Abhandlung; was dem Spaß, der in den Zeilen steckt, aber keinen Abbruch tut. Bei allem Fürwitz liefert sich Zauner aber auch den Schattenseiten der Sprache aus, der man nicht entkommt und die bei Zauner mitunter ätzt und stinkt. Und der Sprachschmutz ist hartnäckig, wie der Dichter in Frankreich bestätigt fand: "bis die sprache ganz zusammengekehrt ist dauert es ein paar jahre sagt man in barbes." Wolfgang Straub

Wolfgang Straub in FALTER 50/1999 vom 17.12.1999 (S. 74)


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